06/09/2026
Diese Woche begegnet mir das Thema Abschied und Gehen besonders intensiv.
Zum zweiten Mal in dieser Woche erreichte mich die traurige Nachricht einer Familie, die einen geliebten Menschen verabschieden musste.
Gleichzeitig begleite ich seit einigen Tagen einen Menschen auf seinem letzten Weg. Für die Angehörigen ist jeder gemeinsame Tag, der noch bleibt, ein Geschenk.
In solchen Momenten verändert sich der Blick auf vieles.
Dinge, die im Alltag oft selbstverständlich erscheinen, wie das Wechseln von ein paar Worten, eine zufällige Berührung oder der gemeinsame Start in den Morgen, bekommen plötzlich einen ganz besonderen Wert.
Das Sterben gehört zum Leben und trotzdem wird es niemals alltäglich.
Auch an mir gehen solche Zeiten nicht spurlos vorbei. Sie holen mich aus dem Alltag heraus, lassen mich vieles wieder anders sehen und erinnern mich ganz deutlich daran, was am Ende wirklich zählt.
Kleinigkeiten, über die wir uns im Alltag oft viel zu viele Gedanken und Sorgen machen, werden dann zu wirklichen Kleinigkeiten und Nebensächlichkeiten.
Der nahende Tod wirft uns zurück, auf das was wirklich wichtig ist. Die Zeit mit Menschen, die man liebt, die Nähe zu ihnen und Momente, die in unseren Herzen bleiben.
Gerade in der palliativen Begleitung zeigt sich immer wieder, wie wichtig es ist, nicht nur den Menschen selbst, sondern auch seine Angehörigen aufzufangen, Sicherheit zu geben, Fragen zu beantworten, Ängste ernst zu nehmen und alle Wünsche so gut es geht miteinzubeziehen.
Wir können nicht bestimmen, wie viel Zeit bleibt.
Aber wir können mitgestalten, wie diese Zeit erlebt wird.
Mit Würde, Nähe und der nötigen Sicherheit in einer herausfordernden Situation.
Und vor allem mit dem Gefühl, diesen Weg nicht alleine gehen zu müssen.
Manchmal ist jeder weitere Tag ein Geschenk.
Und irgendwann bleiben aus diesen Tagen Erinnerungen, die einen ein Leben lang begleiten. 🕊️
Eure Schwester Karin