09/06/2026
Lange Zeit dachte ich, mit mir stimmt etwas nicht.
Warum schaffe ich nicht alles gleich gut wie andere? Warum bin ich manchmal voller Energie und dann wieder erschöpft, sensibel oder überfordert? Warum fällt es mir so schwer, meine eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen?
Heute weiß ich, dass ich nicht falsch war. Ich war einfach sehr weit entfernt von mir selbst.
Die Geburt meines ersten Kindes hat vieles in mir aufgebrochen. Sie hat nicht nur ein Baby geboren, sondern auch all das sichtbar gemacht, was ich so lange weggedrückt hatte. Alte Wunden. Alte Muster. Das ständige Funktionieren. Dieses Gefühl, es allen recht machen zu müssen, auch dann, wenn es gegen mein eigenes Empfinden ging.
Mein erstes Wochenbett war alles andere als ruhig, gehalten oder selbstbestimmt. Ich war offen, verletzlich und gleichzeitig umgeben von unzähligen Meinungen darüber, was richtig oder falsch sei. Ich wusste oft nicht mehr, wem ich glauben soll. Und vor allem hatte ich verlernt, mir selbst zuzuhören.
Genau dort begann etwas Neues.
Ich begann zu verstehen, wie sehr Frauen gelernt haben, sich selbst zu hinterfragen. Wie früh wir anfangen, unserem Körper zu misstrauen. Wie selbstverständlich es geworden ist, über Grenzen zu gehen und Bedürfnisse klein zu machen.
Mit dem Zykluswissen kam Stück für Stück auch die Verbindung zu mir selbst zurück. Zum ersten Mal verstand ich, warum ich nicht jeden Tag gleich funktioniere. Warum mein Körper nicht gegen mich arbeitet, sondern ständig mit mir kommuniziert. Dieses Wissen hat nicht einfach nur meinen Alltag verändert. Es hat meine gesamte Sicht auf Weiblichkeit verändert.
Ich habe gelernt, mich selbst zu halten. Nicht perfekt. Nicht immer leicht. Aber ehrlich.
Ich habe gelernt, dass ich meinem Körper vertrauen darf. Dass Intuition nichts ist, das man sich erst verdienen muss. Sie war immer da. Ich musste nur wieder lernen, sie wahrzunehmen.
Und ich habe gelernt, Nein zu sagen. Auch dann, wenn Menschen im Außen etwas anderes wollten. Auch dann, wenn ein Arzt etwas empfohlen hat, das sich für mich nicht richtig angefühlt hat. Dieses Vertrauen in mich selbst musste wachsen. Heute ist genau das ein großer Teil meiner Arbeit.