19/04/2026
Warum ich von Rohfütterung statt von BARF spreche
Der Begriff „Barfen“ weckt oft ein sehr konkretes Bild: die Fütterung von rohem Fleisch mit dem Anspruch, möglichst artgerecht zu sein. Im Fokus stehen dabei u.a. ein hoher Fleischanteil und oft der nahezu gänzliche Verzicht auf Kohlenhydrate. Häufig werden Rationen nach festen Schemata – mithilfe des Dreisatz-Prinzips – zusammengestellt.
Doch hier kommt das große Aber: Solche Pläne mögen artgerecht sein, insbesondere wenn man den Hund mit dem Wolf vergleicht. Allerdings sind unsere Hunde keine Wölfe. Sie sind fleischlastige Allesfresser und durch die Domestikation als Haushunde durchaus in der Lage, pflanzliche Komponenten zu verwerten – insbesondere im Hinblick auf eine ausgewogene Energiebilanz.
Der Begriff der Rohfütterung ist daher deutlich vielseitiger, als es das klassische BARF-Konzept oft vermuten lässt. Sie kann die Fütterung von Innereien beinhalten – muss es aber nicht, etwa bei Magen-Darm-sensiblen Hunden. Ebenso kann sie Kohlenhydrate in die Ration integrieren, beispielsweise wenn aus gesundheitlichen Gründen eine fettarme Ernährung erforderlich ist.
Eine fettarme Fütterung ausschließlich auf Basis von tierischen Komponenten sowie Obst- und Gemüseanteilen – ohne den Einsatz von Kohlenhydraten – weist grundsätzlich eine eher geringe Energiedichte auf. Entsprechend müssten deutlich größere Fleischmengen gefüttert werden, um den Energiebedarf des Hundes zu decken.
Eine Überversorgung mit Protein bietet jedoch keinen Vorteil – ein hoher Fleischanteil von 70-90% in einer Ration ist schlichtweg nicht notwendig, um den Proteinbedarf unserer Hunde zu decken. Gerade bei empfindlichen Hunden kann eine deutliche Überversorgung mit Protein das Verdauungssystem eher (zusätzlich) belasten und Beschwerden begünstigen.
Soll ein Hund unter diesen Bedingungen sein Gewicht halten, zunehmen oder das Magen-Darm-System grundsätzlich stabilisiert werden, ist es sinnvoll, Kohlenhydrate als gut verfügbare Energiequelle einzubeziehen.
Dogmatische Entscheidungen helfen hier nicht weiter – im Vordergrund steht kein starres Fütterungskonzept, sondern der individuelle Hund mit seinen Bedürfnissen.
Ein BARF-Plan nach dem Dreisatz ist zudem nicht gleichzusetzen mit einer individuell berechneten Ration. Ich erstelle meine Futterpläne ausschließlich auf Grundlage konkreter Bedarfswerte. Nur so kann ich sicherstellen, dass kritische Über- oder Unterversorgungen in meinen Plänen vermieden werden. Während gesunde Hunde gewisse Schwankungen in der Nährstoffzufuhr oft noch ausgleichen können, wird dies insbesondere bei bestehenden Erkrankungen schnell problematisch.
Der direkte Vergleich zeigt: „artgerecht“ und „bedarfsgerecht“ sind nicht dasselbe.