22/06/2026
Welche verrückte Situation hat euch im Nachhinein mehr über euch selbst beigebracht, als euch in dem Moment lieb war?
Meine Anekdote:
21,6 Kilometer. 30 Grad. 4 Zecken. Und ganz nebenbei 1 kleines Psychologie-Experiment. 😅
Vor Kurzem hatte mein Mann ein Fußballturnier in einer anderen Stadt.
Meine Idee:
👉 Ich laufe einfach zu Fuß hin.
21,6 Kilometer.
Bei knapp 30 Grad.
Rückblickend war das vermutlich keine meiner strategisch brillantesten Entscheidungen.
Die ersten Kilometer führten durch Wald, hohe Gräser, Brennnesseln und Brombeergestrüpp. Die letzten Kilometer wurden dann auf glühendem Asphalt zu einer Art spiritueller Grenzerfahrung.
Irgendwann laufen nicht mehr die Beine.
Dann läuft nur noch der Kopf.
„Noch bis zur nächsten Kurve.“
„Noch bis zum nächsten Baum.“
„Noch ein Stück.“
„Aufgeben?“
Keine Option.
Nach 3 Stunden und 45 Minuten kam ich völlig erschöpft an.
Damit hätte die Geschichte eigentlich enden können.
Tat sie aber nicht.
Später am Abend fand ich die erste Zecke.
Dann die zweite.
Dann die dritte.
Dann eine vierte im Bett.
Innerhalb weniger Minuten verwandelte sich mein Gehirn von:
„Anstrengender Sporttag.“
zu
„Ich habe vermutlich ein komplettes Zecken-Ökosystem mit nach Hause gebracht!“
Es folgten:
🕷️ Panik
🕷️ Taschenlampenkontrollen
🕷️ Bettwäsche-Wechsel um Mitternacht
🕷️ Sportschuhe im Exil auf der Terrasse
🕷️ Zwei Stunden Internetrecherche zu Borreliose, FSME und allem, was man nachts besser nicht googeln sollte
Psychologisch betrachtet war das Ganze tatsächlich spannend.
Denn dieser Tag hatte alles dabei:
🔥 Stress
💥 Schmerz
😴 Schlaflosigkeit
Und trotzdem habe ich rückblickend etwas Wichtiges mitgenommen:
Psychische Belastbarkeit bedeutet nicht, keine Angst zu haben.
Sie bedeutet auch nicht, keinen Schmerz oder keinen Stress zu empfinden.
Psychische Belastbarkeit bedeutet, trotz Angst, Schmerz und Stress handlungsfähig zu bleiben.
Und manchmal bedeutet sie einfach, nachts um zwei Uhr Bettwäsche zu kochen, Sportschuhe auf die Terrasse zu verbannen und irgendwann doch noch einzuschlafen.
Ach ja.
Humor hilft.
Nicht weil er die Situation verändert.
Sondern weil er verändert, wie wir auf die Situation schauen.
Und heute?
Heute kann ich darüber lachen. 😄