17/06/2026
Einst hatte sich das schwere Fuhrwerk eines Weinhändlers im Schlamm festgefahren und er konnte es nicht wieder losbringen. Da kam die Jungfrau Maria des Weges und sprach zu dem Weinhändler: „Guter Mann, ich bin sehr durstig. Wenn Du mir etwas von dem Wein gibst, helfe ich Dir, Dein Fuhrwerk zu befreien.“ Der Händler erkannte die Mutter Gottes nicht und glaubte auch nicht, dass die zarte Frau ihm helfen könne. Doch er hatte ein gutes Herz und wollte ihren Durst stillen. Allerdings hatte er weder Glas noch Becher. Da brach Maria ein weißes Blümelein vom Wegesrand und der Weinhändler füllte den kleinen Trichter mit erfrischendem Rotwein. Kaum hatte die Jungfrau getrunken, war der Wagen frei und der Händler konnte weiterfahren. Die Reste des roten Weines aber sehen wir bis heute in den Blüten des zauberhaften Muttergottesgläschens.
Doch weiter Bezeichnungen für die zarte Winde zeugen davon, dass nicht jeder das Pflänzchen schätzt. Namen wie Würgeengel und Teufelszwirn beziehen sich auf ihre starke Wuchskraft und ihre Eigenart, andere Pflanzen einfach zu ersticken. Auch ausreißen hilft da oft nicht, da die Ackerwinde aus einer kräftigen, metertiefen Wurzel entspringt. Aber ausreißen solltest Du sie ohnehin nicht, denn sie ist nicht nur sehr hübsch, sondern auch ökologisch wertvoll. Mindestens 16 Wildbienenarten leben vom Pollen der kleinen Winde.
Ich freue mich immer, die zarten Blütenkelche zu entdecken, denn mit ihren rosa Streifen erinnern sie mich an Sahnebonbons. Außerdem enthält die Ackerwinde psychoaktive Alkaloide und es wird vermutet, dass sie Bestandteil der berühmten Flugsalbe gewesen ist. 😉