03/09/2026
Unsere Gesellschaft ist stark auf das Erlangen des "Glückshormons" Dopamin geprägt. Dieses wird ausgeschüttet, wenn wir uns in einer Erwartungssituation befinden – also vor dem Erhalt des eigentlichen Reizes.
Dieses Gefühl kennen wir sicher alle: Wir freuen uns auf ein Paket mit bestellten Waren oder auf ein bevorstehendes Event. Oder scrollen voller Erwartung durch Social Media - überall könnte etwas Spannendes auf uns warten.
Dabei ist dieses Gefühl viel wichtiger als die tatsächliche Erfüllung. Wenn danach Ernüchterung und Enttäuschung auftritt, liegt dies also nicht unbedingt an der mangelnden Qualität des Erlangten, sondern daran, dass wir schon wieder auf der Suche nach dem nächsten Dopamin-Kick sind. So entsteht ein paradoxes Muster, das das Streben belohnt, aber die Erfüllung, das Ankommen nicht.
Wichtig: Dieses Prinzip kann auch im geistigen Bereich wirken, wenn wir ständig auf der Suche nach der nächsten Erkenntnis oder Einsicht sind, und im spirituellen Bereich nach der nächsten tollen Erfahrung.
Dem gegenüber steht das Prinzip des Ankommens: alles was da ist, wahrzunehmen und zu genießen. Dies fällt uns viel schwerer - ein Paradoxon, denn genau dies verspricht uns das obere Prinzip ja eigentlich. Aber wir kommen nicht dazu, denn dazu müssten wir erst einmal mit dem Jagen aufhören.
Und still werden, wahrnehmen, empfangen. Nicht unbedingt nichts tun, aber die Dinge auf eine andere Art tun:
- Einen Spaziergang machen und - statt Kilometer ablaufen - wirklich hinspüren, wie die Landschaft wirkt, wie der Körper, das Innere reagiert.
- Einem Menschen begegnen und – statt einen Termin abhaken – wirklich zuhören, sich öffnen, die Begegnung genießen.
- Ein Essen kochen und – statt eine Aufgabe abhaken – mit allen Sinnen dabei sein, insbesondere beim Genießen.
Der große Unterschied: Es entwickelt sich ein Gefühl von Genug-Sein, von Fülle. Andere Botenstoffe können wirksam werden: Oxytocin, wenn Verbundenheit auftritt. Serotonin, wenn sich Zufriedenheit einstellt statt Verlangen. GABA, wenn der Körper loslassen kann, statt weiter zu jagen.
Auch sie sind lebenswichtig – nur eben auf eine leisere, nährendere Art.
Also: Dasein und genießen!