06/09/2026
Es gibt diese Uhrzeit, zu der erstaunlich viele Menschen unabhängig voneinander aufwachen – irgendwo zwischen drei und vier Uhr morgens.
In manchen spirituellen und volkstümlichen Traditionen gilt genau diese Stunde als Schwellenzeit: als ein Moment, in dem die Grenze zwischen Schlaf und Wachsein, Traum und Wirklichkeit, Diesseits und Anderswelt dünner sein soll als sonst.
Vielleicht liegt es daran, dass die Welt um diese Zeit ungewöhnlich still ist. Vielleicht daran, dass unser Bewusstsein noch halb im Traum verweilt. Oder vielleicht steckt hinter den alten Überlieferungen mehr, als wir heute erklären können.
Mit dieser Schwellenzeit verbinden sich allerdings auch Warnungen. In manchen Traditionen heißt es, man solle sich zwischen drei und vier Uhr nachts möglichst nicht unnötig draußen aufhalten oder lange Wege und Reisen beginnen. Nicht weil zwangsläufig etwas geschieht, sondern weil man glaubte, dass Menschen in dieser Stunde empfindlicher für Eindrücke, Erscheinungen und Dinge seien, die sie sonst vielleicht gar nicht wahrnehmen würden.
Auch Spiegel spielen in solchen Überlieferungen eine besondere Rolle. Sie galten vielerorts nicht nur als Gegenstände, die unser eigenes Bild zeigen, sondern symbolisch als Grenze oder sogar als Tor. Deshalb findet man den alten Rat, während einer solchen Schwellenzeit nicht lange in einen dunklen Spiegel zu schauen – besonders dann nicht, wenn man gerade aus einem Traum erwacht ist und sich noch zwischen Schlaf und Wachsein befindet.
Ob daran etwas Übernatürliches ist, kann ich nicht sagen.
Ich weiß nur, dass ich irgendwann aufgehört habe, dagegen anzukämpfen, wenn ich zwischen drei und vier Uhr morgens aufwache.
Manchmal bleibe ich einfach still liegen.
Und höre hin.