22/06/2026
5 nach 12: Sorgenvolle Gesichter vor dem Klinikum
Die aktuellen Pläne der Bundesregierung zur Gesundheitspolitik trieb sie vor die Tür: Rund 150 Mitarbeitende der Klinik Husum und 60 der Klinik Niebüll versammelten sich am Montag, 22.06.2026, erstmals zu einer aktiven Mittagspause vor den Haupteingängen. Genau um 5 Minuten nach 12 Uhr hatten sich die Mitarbeitenden versammelt.
Vor der Klinik Husum machte Geschäftsführer, Stephan W. Unger, seinen Sorgen Luft: 75% aller Krankenhäuser in Deutschland schreiben bereits heute rote Zahlen. Das aktuell im parlamentarischen Prozess befindliche neue Reformgesetz bürdet den Kliniken nun weitere Lasten auf. „Unser bereits jetzt schon hohes Defizit wird in 2027 auf dann unvorstellbare 20 Millionen Euro wachsen“, so Unger.
Parallel dazu wird auch in Schleswig-Holstein die Klinikreform von der vorherigen Bundesregierung umgesetzt („Lauterbach Gesetz“). Nach den Vorgaben des Bundes wird an einem neuen Landeskrankenhausplan gearbeitet, der zu einer weiteren Zentralisierung von Leistungen führen wird. Der Geschäftsführer erwartet auch Veränderungen für das Klinikum Nordfriesland. Das Ergebnis der Untersuchungen soll zum Jahresende vom Land vorgelegt werden.
Seine Sorgen um die Zukunft der Gesundheitsversorgung in Nordfriesland wurde von den Mitarbeitenden uneingeschränkt geteilt. Die Mienen waren ernst. Die Stimmung gedrückt. Verschiedentliche, in aller Eile vorbereitete Pappschilder formulierten die Sorgen: „Der Notfall kommt. Die Klinik ist weg“ – oder „Jede Kürzung hat ein Gesicht – vielleicht bald das deiner Mutter“.
Es ist vor allem die Sorge um die Patienten, die die Mitarbeitenden umtreibt. „Wir wollen eigentlich nur unsere Bevölkerung versorgen“, spricht Unger aus der Seele der Mitarbeitenden. „Aber die Gesundheitspolitik hindert uns daran mit einer massiven Überwachungsbürokratie, endlos vielen Normen und immer neuen finanziellen Rückschlägen.“
Dass die Zitrone ausgelutscht ist und die Krankenhäuser nun bald ein unschönes Ende nehmen könnten, symbolisierte ein Blumenstrauß aus weißen Lilien in einer „Zitronenvase“, die der Betriebsrat des Klinikums mitgebracht hatte.
Unger macht deutlich, dass die Kliniken gerne ihren Beitrag leisten wollen. Das geht aber nur, wenn man die Bürokratie im Gesundheitswesen nachhaltig runterfahren würde. „Dann können wir Kosten ohne Qualitätsverlust reduzieren und unseren Teil für eine Beitragssatzstabilisierung leisten“, so der Geschäftsführer.
Interessant zudem eine Feststellung eines Passanten, der die Protestaktion sehr wohlwollend verfolgte. „Vor einiger Zeit wurden Millionen vom Land Schleswig-Holstein in ein Ottergehege in Tönning gesteckt – aber für die Gesundheitsversorgung ist kein Geld da. Das darf doch nicht wahr sein“, so seine Haltung.
In den kommenden 14 Tagen werden sich diese „5 nach 12“ Treffen vor den Kliniken wiederholen. Und darin waren sich alle einig: sie werden noch zahlreicher und noch lauter werden! Geschäftsführer Stephan W. Unger fordert alle Kolleginnen und Kollegen auf, überall auf die Pläne der Bundesregierung hinzuweisen und Ihre Sorgen und Nöte den Politikern aus Bund und Land per Brief oder E-Mail mitzuteilen.