06/07/2026
Mutterschutz
In meinem Berufsleben sind mir schon viele verschiedene Herangehensweisen an die Gestaltung des Mutterschutzes begegnet. Natürlich gibt es nicht DIE einzig richtige Variante, wie man diese geschenkte Zeit verbringen soll, aber da ich doch immer wieder versuche, dass jede Frau das beste für sich herausnehmen kann, habe ich ein paar Denkanstöße zusammengefasst:
Natürlich kommt es immer sehr stark drauf an, in welcher Situation man sich befindet. Ist es das erste Kind, das ich erwarte, oder springt 12 Stunden am Tag ein Zweijähriges um mich herum? Bin ich beschwerdefrei, oder gehöre ich leider nicht zu diesen Schwangeren, die bis zum Schluss strahlen und „gar nicht merken, dass sie schwanger sind“?
Um ein wenig zu unterscheiden, hab ich versucht ein paar Typen zu umschreiben:
Die Hyperaktive
Tanzt bisher ohne Beschwerden (bis auf ein bisschen Übelkeit in den ersten Wochen) durch die Schwangerschaft, hat während der letzten Wochen einen Berg an To-dos aufgeschüttet, der jetzt im Mutterschutz bewältigt werden soll. Das wird am Beginn dieser Zeit auch noch ganz gut funktionieren, wichtig ist nur, etwas kürzer zu treten und ruhiger zu werden, wenn es die Schwangerschaft einfordert.
Die Kleinkind-Mama
Egal wie die letzten Wochen der Schwangerschaft verlaufen, 24/7 wird der Tages- (bzw. Nacht-) Verlauf geprägt durch die Versorgung deines Kindes. Das helfende Umfeld wird meistens bewusst verschont, mit dem Gedanken, dass ja bald wieder vermehrt Hilfe gebraucht wird und man niemanden überstrapazieren möchte. Solange man sich gut und ausgerastet fühlt, alles ok. Wenn der Zwerg im Bauch jedoch anfängt, mehr Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, wird’s Zeit auch mal vor Ankunft des Babys Unterstützung zu organisieren und zuzulassen. Zum Beispiel mal den Opa am Nachmittag mit auf den Spielplatz schicken und ab auf die Couch?!
Die Selbstständige
Leider nicht durch die gesetzlichen Bestimmungen geschützt, fällt es den selbständigen Schwangeren oftmals sehr schwer, sich aus dem Berufsalltag zurückzuziehen. Ihren Betrieb ruhen zu lassen, ihre Firma bzw. ihr „Baby“ vorübergehend in fremde Hände zu geben, ist nicht gerade leicht. Davon sind häufig auch Frauen betroffen, die in Familienbetrieben mitarbeiten, die Arbeit sozusagen daheim haben und „bis zum Wehenbeginn“ fleißig eingeteilt werden, weil sie ja schwanger und nicht krank sind. Nicht selten drängt sich die Schwangerschaft dann auf irgendeine Art und Weise in den Vordergrund. Sei es mit körperlichen Symptomen, Steißlage des Babys oder grenzwertigen Wachstums-Verläufen, irgendwie wird um etwas mehr Aufmerksamkeit für das anstehende Abenteuer gekämpft. Gerade als Selbstständige ist es wichtig, den Rückzug aus dem Berufsleben gut zu planen und sich selbst fixe Grenzen zu setzen, BEVOR es der Körper tut. Arbeiten kann man noch sein ganzes Leben lang, diese besonderen Wochen hat man nur selten.
Natürlich lassen wir Frauen uns nicht kategorisieren und neben diesen drei beschriebenen Typen gibt es unzählige mehr, aber im Groben findet man sich vielleicht irgendwo wieder.
Also wie lebt sich‘s am besten im Mutterschutz?
Die Nächte sind oft geprägt von Wanderungen auf die Toilette, das Einschlafen danach wird immer schwieriger. Dazu trägt auch das Kopf-Karussell bei, in dem gerne Gedanken und Ängste rund um die Geburt mitfahren. So ca. ab der 37. SSW beginnen schön langsam die ersten Reifungsprozesse, es zieht rundherum, der Bauch wird hart und das alles am häufigsten während der Nachtstunden.
Was also machen? Versuch nicht am nächsten Tag, egal wie schwer die Augen sind, das Programm durchzuziehen, sondern sag ab, was nicht unbedingt sein muss, gönn dir einen Mittagsschlaf und entspanne viel neben ein paar bewussten Bewegungseinheiten.
Aber auch Entspannen will gelernt sein! Bei den ersten Versuchen liegst du vielleicht auf der Couch, presst deine Augen zu und gehst in Gedanken immer wieder durch, was du jetzt alles Nützliches erledigen könntest, anstatt hier sinnlos rumzuliegen. Falls du dich in diesem Satz wieder erkennst, weißt du, dass du Entspannen noch ausgiebig üben musst. Bei der Geburt sind es meist nur wenige Minuten zwischen den Wehen und je besser du dich in dieser Zeit selbst beruhigen und erden kannst, umso ungestörter wird dein Körper arbeiten.
Also: such dir Musik aus, die dich beim Entspannen unterstützt, lass das Handy auf stumm oder am besten in einem anderen Raum, versuch die Gedanken wie einen Fluss an dir vorbeiziehen zu lassen. Atme zwischendurch tief in den Bauch, schick Luft zu deinem Baby. So stellst du eine gute Verbindung zwischen euch her. Je regelmäßiger du es schaffst, dir solche Mini-Auszeiten zu gönnen, umso einfacher wird es dir fallen, die Zeit für euch zu genießen.
Durch kleine Mittagsschläfchen, kannst du auch die Wahrscheinlichkeit verringern, dass du nach einer Reihe von Nächten mit wenig Erholungswert mit einem großen Schlafdefizit in die Geburt startest.
Entspannungstechniken, Akupunktur und alternative Arzneien können zusätzlich deine Schlafqualität in der Nacht verbessern. Wende dich dafür an deine Hebamme.
Nutz die Zeit deines Mutterschutzes, um dich bewusst auf die Geburt vorzubereiten. Bewegung und Ernährung sind dabei zwei der Säulen, mit deren Hilfe du deinen Körper unterstützen kannst.
Wobei die bereits erwähnte schwangere Mama eines Kleinkindes mit den Bewegungseinheiten wohl eher nicht im Defizit sein wird und sich ohnehin viel krabbelnd und Dinge-aufhebend durch den Tag dehnt, ist eine Erst-Schwangere gut beraten, sich täglich eine Matte zu schnappen, und ein paar Übungen zur Psoas-Dehnung in den Tagesablauf einzubauen. Dazu noch zwei bis drei Spaziergänge (nicht zu weit und dafür öfter) und ihr habt schon einiges dafür getan, mit einer guten körperlichen und mentalen Verfassung in die Geburt zu starten.
Ernährungstechnisch hat man auch Möglichkeiten, um sich Geburts-fit zu essen, wie zB wärmende Ernährung lt. Traditioneller chinesischer Medizin oder die Louwen-Ernährung.
Hebammen-Betreuung beginnt nicht erst mit der Geburt, sondern ist bereits in der Schwangerschaft und vor allem natürlich in diesen letzten Wochen sehr hilfreich, um dich bei deinen Vorbereitungen gut zu unterstützen, dich mit Infos zu versorgen und mit dir über eventuelle Ängste zu sprechen, damit diese in freudig-aufgeregte Erwartung umgewandelt werden können.
Eine Hebamme in deiner Nähe findest du unter www.hebammen.at