14/06/2026
Vor ein paar Jahren war ich kurz davor, die Pflege zu verlassen.
Nicht weil ich die Menschen nicht mochte.
Nicht weil ich keine Lust mehr hatte.
Sondern weil ich frustriert war.
Ich hatte das Gefühl, ständig zu kämpfen.
Gegen Umstände. Gegen Strukturen. Gegen Grenzen.
Und manchmal auch gegen das Gefühl, trotz aller Bemühungen nicht wirklich etwas zu verändern.
Ich habe mich gefragt:
"Macht das überhaupt einen Unterschied, was ich hier tue?"
Heute kann ich sagen:
Zum Glück bin ich geblieben.
Denn mit den Jahren habe ich etwas verstanden.
Wir können nicht alles verändern. Aber wir können oft viel mehr bewegen, als wir denken.
Nicht durch die perfekte Wundauflage.
Nicht durch die eine Fortbildung.
Nicht durch irgendeinen Geheimtipp.
Sondern indem wir lernen, genauer hinzuschauen.
Zusammenhänge zu erkennen. Dranzubleiben.
Und einen klaren roten Faden zu verfolgen.
Viele der Wunden, die mich heute begeistern, hätten mich früher wahrscheinlich frustriert.
Nicht weil ich heute mehr arbeite, sondern weil ich heute anders denke.
Deshalb liegt mir eine Sache besonders am Herzen:
Pflegefachkräfte daran zu erinnern, wie viel Kompetenz bereits da ist. Wie viel Wissen bereits da ist.
Und wie viel Einfluss wir auf das Leben von Betroffenen haben können.
Oft sehen wir nur das, was nicht funktioniert.
Dabei übersehen wir, was alles möglich wird, wenn wir anfangen, die richtigen Fragen zu stellen.
Wenn du gerade an einem Punkt bist, an dem du frustriert bist:
Bleib neugierig.
Denn manchmal fehlt nicht die Kompetenz.
Manchmal fehlt nur der rote Faden.
❤️