13/08/2026
Heute in der Krone
https://www.krone.at/4253775
Wir setzen als Kassenzentrum die Empfehlung der Ärztekammer, ein Privathonorar für eine Beratung zur „Abnehmspritze“ zu verrechnen, nicht um. Unsere Stellungnahme im Originalwortlaut lesen Sie hier:
Adipositas ist eine ernsthafte Erkrankung und keine Lifestyle-Entscheidung
Die Ärztekammern für NÖ und Wien empfehlen Ärzten, für die Erstberatung zur Adipositastherapie ein Privathonorar von 110 Euro zu verrechnen (https://www.arztnoe.at/fuer-aerzte/niedergelassene-aerzte/news/empfehlungstarif-erstberatung-adipositastherapie). Das Fachärztezentrum iMed St. Pölten wird diese Empfehlung nicht umsetzen und sieht darin eine Benachteiligung von Menschen mit Übergewicht.
Adipositas (Übergewicht) ist eine chronische Erkrankung mit einer Vielzahl an Ursachen. Als Risikofaktor trägt sie maßgeblich dazu bei, dass Menschen an Diabetes, Herzinfarkt, Schlaganfall, Schlafapnoe, Fettlebererkrankung, degenerative Gelenkerkrankungen und an verschiedenen Krebsarten erkranken. Die Empfehlung der Ärztekammer, dieser großen Patientengruppe ein Privathonorar für die Beratung vor medikamentöser Gewichtsreduktion zu verrechnen, stellt Adipositaspatienten gegenüber allen anderen Kassenpatienten mit chronischen Erkrankungen schlechter und vermittelt den Eindruck, Adipositas nicht als eigenständige Krankheit anzuerkennen. Dies spiegelt eine weit verbreitete Haltung wider, die dazu beiträgt, dass Übergewicht in der Bevölkerung als selbstverschuldete Lifestyle-Folge und nicht als Erkrankung wahrgenommen wird.
Die Konsequenz dieser Logik
Über 1,5 Millionen Menschen in Österreich haben einen BMI ≥ 30 – eine ernste Erkrankung und Ursache zahlreicher Folgeerkrankungen. Es ist ärztliche Aufgabe, diese Patienten über ihre Erkrankung, die Folgen und die Therapieoptionen in einem ausführlichen Gespräch aufzuklären. Naturgemäß kann sich der Patient erst nach dieser Aufklärung für eine Therapie entscheiden. Fällt die Entscheidung zugunsten der „Abnehmspritze“ aus, wird nunmehr empfohlen, diesen Patienten ein Privathonorar für das Gespräch zu verrechnen. Wir halten das weder medizinisch und ethisch, noch rechtlich vertretbar.
Niederschwelligkeit rettet Leben – und spart Kosten
Frühe und konsequente Behandlung von Adipositas reduziert die Kosten für unser Gesundheitssystem erheblich. Zusätzliche finanzielle Hürden und gesellschaftliche Stigmatisierung sind das Gegenteil dessen, was Adipositaspatienten – wie auch alle anderen chronisch Kranken – brauchen.
Keine standespolitischen Druckmittel auf Kosten der Patienten
Dass Kassentarife ärztliche Beratungsleistungen unzureichend abgelten, ist ein legitimer Kritikpunkt an unserem Kassensystem – aber er darf nicht auf dem Rücken einzelner Patientengruppen ausgetragen werden. �Wir als iMed St. Pölten sind aktiv den Weg von erfolgreichen Wahläzten zur Kassenmedizin gegangen, da wir qualitativ hochwertige Medizin kostenlos allen anbieten möchten, die uns brauchen. Das sind häufig auch chronisch Kranke, die sich Wahlärzte einfach nicht leisten können. Wir möchten als Teil des Kassensystems zu einem Systemwechsel beitragen, aber nicht zu Lasten der Patienten. Daher auch unsere aktuelle Stellungnahme zu diesem Thema.
iMed St. Pölten: Klare Haltung, klares Angebot
iMed St. Pölten behandelt Adipositaspatienten selbstverständlich im Rahmen des Kassenvertrags: kostenlos, ohne Privathonorar, inklusive Beratung, Indikationsstellung und Verlaufsbegleitung einer medikamentösen Therapie. Dass die neuen Abnehmspritzen (GLP-1-Rezeptoragonisten) derzeit noch von den Patienten selbst bezahlt werden müssen, ist aus unserer Sicht schwer nachvollziehbar: Die Krankenkassen zahlen anstandslos jährlich zig Millonen Euro Therapiekosten für Folgeerkrankungen von Adipsoitas, übernehmen jedoch nicht die Kosten einer frühzeitigen Therapie der Grunderkrankung, die zu diesen Folgekosten führt. Hier empfehlen wir dringend ein Umdenken.
„Adipositas ist eine ernsthafte Erkrankung mit weitreichenden Folgen. Wer Betroffene mit Zusatzhonoraren konfrontiert, schreckt genau jene ab, die Hilfe am dringendsten benötigen. Diesen Weg gehen wir nicht mit."�– Das ärztliche Team des iMed St. Pölten
Der Empfehlungstarif beträgt 110 Euro für die Erstberatung, abhängig vom erforderlichen Aufwand.