12/06/2026
„Claude hat meinen Plot entwickelt.“
Diesen Satz höre ich derzeit erstaunlich oft. Und jedes Mal frage ich mich:
Wann haben wir eigentlich begonnen zu glauben, dass Kreativität vor allem darin besteht, die richtige Frage an eine KI zu stellen?
Versteh mich nicht falsch: Ich habe nichts gegen KI. Sie kann großartige Dienste leisten. Aber als Lektorin beobachte ich etwas anderes: Je häufiger Autor jede Idee sofort an eine KI auslagern, desto seltener vertrauen sie ihrer eigenen Vorstellungskraft.
Dabei sind es nicht perfekte Plotstrukturen, die Leser lieben. Es sind die Ecken.
Die Widersprüche. Die überraschenden Gedanken. Die ganz persönlichen Beobachtungen.
Kurz gesagt: Das Menschliche.
KI kann vieles beschleunigen. Aber sie kann nicht ersetzen, was entsteht, wenn ein Mensch lange genug über eine Geschichte nachdenkt, bis sie wirklich seine eigene wird.
Und in meiner langjährigen Arbeit mit Autor beobachte ich noch etwas: Wenn wir jede kreative Hürde sofort an eine Maschine abgeben, verkümmert oft genau das, was uns als Schreibende lebendig macht – unsere eigene Kreativität.
Also: Wie siehst du das?
Nutzt du KI als Werkzeug oder als Ideengeber?
Ich bin gespannt auf deine Meinung. Denn nach vielen Jahren im Lektorat bin ich überzeugt: Die Geschichten, die uns wirklich berühren, tragen immer die unverwechselbare Handschrift eines Menschen.