ÖGPB ÖGPB – Fachgesellschaft für Neuropsychopharmakologie & Biologische Psychiatrie in Österreich.

Die Österreichische Gesellschaft für Neuropsychopharmakologie und Biologische Psychiatrie (ÖGPB) setzt sich für Fortschritt in der Psychiatrie ein. Wir fördern Forschung und Bildung, vernetzen Expert:innen und schaffen Raum für Austausch über moderne Behandlungsmöglichkeiten. 🤝

Damit möchten wir dazu beitragen, die psychiatrische Versorgung in Österreich stetig zu verbessern und Wissen auch außerhalb der Fachwelt zugänglich zu machen.

02/09/2026

Precision Psychiatry entsteht nicht aus Technikbegeisterung, sondern aus einem sehr konkreten klinischen Bedarf: In der Ambulanz müssen wir täglich Entscheidungen treffen – welches Medikament, für wen, in welcher Sequenz. Und oft gibt es dafür zu wenig belastbare, patient:innennahe Entscheidungshilfen. 🧠

Genau hier setzt Precision Psychiatry an: weg vom „trial and error“ als Default, hin zu einer besseren Passung von Behandlung und Patient:in. Ziel sind praxistaugliche Modelle, die klinische Merkmale, Verlaufsdaten und – wo sinnvoll – biologische Marker so zusammenführen, dass sie im Alltag wirklich helfen: weniger unnötige Wechsel, schnelleres Ansprechen, mehr Sicherheit in der Verordnung.

Am Ende geht es um etwas sehr Kollegiales: Wenn Entscheidungsunterstützung für eine Person in der Ambulanz fehlt, fehlt sie meistens vielen – und Forschung wird dann zur Antwort auf ein gemeinsames Versorgungsproblem. 🤝

26/08/2026

Long COVID lässt sich klinisch selten sinnvoll „in eine Schublade“ stecken. Entscheidend ist, Symptome präzise zu erfassen – nicht kategorisch zu denken, sondern Beschwerden differenziert zu beschreiben (z. B. Fatigue/PEM, kognitive Einschränkungen, Schlaf, autonome Symptome, Affekt, Schmerz). 🧠

Erst diese saubere Phänotypisierung ermöglicht die nächste Ebene: eine neurobiologische Übersetzung der Symptomkonstellation. Hinweise darauf, welche Systeme und Botenstoffkreisläufe am stärksten involviert sein könnten, liefern Orientierung – für Diagnostik, interdisziplinäre Abklärung und ein gezielteres therapeutisches Vorgehen (weg von „try less“, hin zu „know more“). 🤝

19/08/2026

Nebenwirkungen sind bei Psychopharmaka nicht „nur“ ein Begleitthema – sie entscheiden oft darüber, ob eine Behandlung überhaupt durchgehalten wird. 🧠

Gerade bei antidepressiver Therapie führen belastende unerwünschte Wirkungen im Alltag nicht selten zu Dosisreduktion, unregelmäßiger Einnahme oder Absetzen. Die Folge: Symptome kehren zurück, Rückfälle werden wahrscheinlicher, und Verläufe können sich chronifizieren – trotz grundsätzlich wirksamer Medikation.

Umso wichtiger sind: frühzeitiges Ansprechen möglicher Nebenwirkungen, realistische Aufklärung, engmaschige Verlaufskontrolle und ein gemeinsames Abwägen von Nutzen und Belastung – damit Therapie wirksam und im Alltag tragbar bleibt. 🤝



12/08/2026

Wenn eine depressive Episode trotz mehrerer leitliniengerechter Behandlungsversuche persistiert, braucht es oft eine spezialisierte Abklärung – inklusive erneuter Diagnostik, Optimierung von Basistherapie und Zugang zu innovativen Verfahren. 🧠🏥

Die TRD-Spezialambulanz an der Univ.-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie (AKH/MedUni Wien) ist dafür eine zentrale Anlaufstelle. Dort wird u. a. Esketamin-Nasenspray im ambulanten Setting nach einem strukturierten Behandlungsplan eingesetzt – mit medizinischer Observation über etwa zwei Stunden und strukturierter Dokumentation.

Für die Erstvorstellung ist eine fachärztliche Zuweisung erforderlich; die Anmeldung erfolgt telefonisch. Aufgrund der hohen Nachfrage ist mit Wartezeiten zu rechnen.



05/08/2026

Wenn eine Patient:in grundsätzlich gut auf SSRI anspricht, aber Nebenwirkungen den Behandlungserfolg begrenzen, stellt sich in der Praxis oft die Frage nach einer gut verträglichen Alternative. 🧠

Dr. Bierbaumer ordnet ein, welche Patient:innen aus ihrer Sicht besonders vom Einsatz von Vortioxetin profitieren können – etwa bei guter antidepressiver Wirksamkeit unter SSRI, aber relevanten Belastungen durch unerwünschte Wirkungen (z. B. sexuelle Funktionsstörungen, Gewichtsthematik, Sedierung) oder wenn neben der Stimmung auch kognitive Symptome im Vordergrund stehen.

Wie immer gilt: individuelle Indikationsstellung, Aufklärung, Verlaufskontrolle und Orientierung an Leitlinien.



29/07/2026

DiGAs & Depression: Viele sprechen über „App auf Rezept“ – die entscheidende Frage ist, wann und wie das in Österreich tatsächlich in die Versorgung kommt. 🧠📱🇦🇹
 
International sind niedrigschwellige, digitale (angeleitete) Interventionen – z. B. Guided Self-Help mit digitalen CBT-Elementen – in Leitlinien als frühe Behandlungsoption für weniger schwere depressive Episoden verankert. 🔎
 
Und Österreich? Derzeit sind DiGAs hierzulande noch Aufbauarbeit: Bewertungs- und Erstattungsfragen, Qualitätskriterien, Datenschutz/Interoperabilität und die Einbettung in Behandlungspfade sind in Entwicklung. Die nationale eHealth-Strategie sieht dafür einen einheitlichen Bewertungsprozess vor – und die aktuellen Roadmaps nennen 2026 als nächsten Meilenstein Richtung Erstattung.
 
Für die Praxis heißt das: dranbleiben, weil DiGAs perspektivisch ein Baustein im Stepped-Care werden können – ergänzend, nicht ersetzend, und mit klarer Indikationsstellung.
🧠📱
Psychiatrie
Depression
DigitalHealth
ÖGPB

22/07/2026

Nicht alles, was wir (noch) nicht vollständig erklären können, ist „psychisch“.

Lucie Bartova erinnert daran, warum es klinisch so wichtig ist, multisystemische Erkrankungen auch als solche zu behandeln – und psychische Erkrankungen nicht als „eingebildet“ abzuwerten. Gerade bei Long COVID ist die Versuchung groß, Beschwerden vorschnell zu psychologisieren. Das wird weder der Pathophysiologie noch der Versorgung gerecht. 🧠🫁

Für die Praxis heißt das: validieren statt reduzieren, interdisziplinär denken, sorgfältig abklären – und gleichzeitig die psychische Belastung als Folge und Mitfaktor ernst nehmen, ohne sie zur Ursache zu erklären. 🤝
Psychiatrie
LongCOVID
Versorgung
Biopsychosozial

15/07/2026

Warum Psychiatrie? Weil sie den medizinischen Blick dort erweitert, wo viele Krankheitsverläufe entschieden werden: im Erleben, im Alltag, in Beziehungen, in Funktionalität. 🧠

Ein rein somatischer Fokus greift in der Praxis oft zu kurz. Symptome lassen sich messen – aber ob jemand wieder schlafen kann, arbeiten, Elternteil sein, Beziehungen halten, Sinn erleben oder Hoffnung entwickelt, bestimmt die tatsächliche Krankheitslast wesentlich mit. Genau diese Dimensionen strukturiert mitzudenken und therapeutisch zu adressieren, ist Kern psychiatrischer Arbeit.

Und: Psychiatrie ist ein Feld, in dem klinische Praxis, Forschung und Lehre besonders eng ineinandergreifen – von Versorgungsmodellen über Psychopharmakologie und Psychotherapie bis zu Prävention und Stigmaarbeit. Das macht sie anspruchsvoll, interdisziplinär und gesellschaftlich hochrelevant. 🤝
Psychiatrie
Biopsychosozial
Forschung
Lehre

Vier Tage   2026 in Glasgow – und einmal mehr wurde deutlich:   und biologische   entwickeln sich nicht allein durch neu...
08/07/2026

Vier Tage 2026 in Glasgow – und einmal mehr wurde deutlich: und biologische entwickeln sich nicht allein durch neue Substanzen weiter, sondern vor allem durch bessere Fragen, präzisere Konzepte und eine stärkere klinische Übersetzung. 🧠

Was wir vom Kongress besonders mitnehmen:

➡️ Klinische Entscheidungsfindung wird zunehmend daten-, verlaufs- und patient:innenzentrierter – mit dem Ziel, Behandlungen passgenauer einzusetzen und Trial-and-Error weiter zu reduzieren.

➡️ Interaktive Formate wie Meet the Experts/Campfire, Spotlight Sessions und Data Blitz haben praxisnahe Diskussionen ermöglicht – mit Raum für kritische Einordnung und internationalen Austausch.

Das Joint Meeting mit der SCNP, inklusive eigenem SCNP-Tag und Early-Career-Schwerpunkt, hat zudem gezeigt, wie wichtig Vernetzung über Länder, Generationen und Forschungsrichtungen hinweg bleibt.

Welche Einblicke hast du aus mitgebracht?

Priv.-Doz. Dr. med. univ. Dr. scient. med. Lucie Bartova (Oberärztin, Klinische Abteilung für Allgemeine Psychiatrie, Un...
01/07/2026

Priv.-Doz. Dr. med. univ. Dr. scient. med. Lucie Bartova (Oberärztin, Klinische Abteilung für Allgemeine Psychiatrie, Univ.-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, MedUni Wien) wurde zur Treasurer des International College of Neuropsychopharmacology (CINP) für die Funktionsperiode 2026–2030 gewählt. 🧠🌍

Die CINP zählt international zu den renommierten wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Neuropsychopharmakologie und Biologischer Psychiatrie und fördert Forschung, Vernetzung und edukative Initiativen – mit besonderem Fokus auch auf die Unterstützung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

Mit dieser Wahl wird die internationale Sichtbarkeit der Wiener Psychiatrie weiter gestärkt – in Kontinuität einer starken Wiener CINP-Tradition, u. a. geprägt durch Prof. Siegfried Kasper und fortgeführt durch Prof. Dan Rujescu (Vice President der CINP).

Wir gratulieren Priv.-Doz. Dr. Lucie Bartova sehr herzlich zu dieser bedeutenden internationalen Funktion.

Adresse

Alser Straße 4
Vienna
1090

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