14/06/2026
Mich beschäftigt seit meinem letzten Termin bei einem Facharzt ein Thema, das in meinem Alltag als Therapeutin allgegenwärtig ist.
Die Frage:"Wie fühlen SIE sich eigentlich?Was wissen Sie schon über Ihr Thema und welche Fragen haben Sie?Was geht ab in Ihrem Leben?Was genau führt Sie her?"
Fragen, die ich absolut selbstverständlich finde,die aber überhaupt nicht selbstverständlich sind.
Ich musste aus verschiedenen Gründen zum Orthopäden und wurde von 2 unabhängig voneinander arbeitenden Ärzten dorthin empfohlen.
Ich kam an.Es regnete,in der Straße gab es eine Baustelle und wenige Parkplätze. Ich war gerade so pünktlich und wurde aber unüblicherweise direkt ins Behandlungszimmer gesetzt.Keine Zeit zur Orientierung,die mein Nervensystem gebraucht hätte.
Herein kamen ein Arzt?und eine??Niemand stellte sich vor.
Der Arzt blieb stehen,starrte auf den Bildschirm und die Dame daneben saß und schrieb still vor sich hin.
Ich erlaubte mir die Frage,ob er der Arzt sei und ob er noch Zeit bräuchte,meine Akte anzuschauen, bevor er mit mir spricht.
Er entgegnete sichtbar stolz,er könne beides!
Dass ich mich überhaupt nicht wahrgenommen fühlte,war ihm sicher egal.
Was denn meine Probleme wären?
Nach einer kurzen Schilderung überkam mich ein Sh*tstorm über die ärztlichen Kollegen,die mich hingeschickt hätten, die Inkompetenz von Hausarztpraxen und Kosten irgendwelcher Laborwerte.
Innerlich merkte ich bereits den Totstellreflex,der mich daran hinderte,sofort aufzustehen und zu gehen..
Ehe ich mich versehen konnte,wurde mir allgemeingültig zu Sport geraten, den der Arzt ja so unglaublich gerne und intensiv betreiben würde.
Wieviel Sport ich schon machte,war ihm wohl egal.Ich hatte keine Chance irgendetwas dazu zu sagen.
Vielzu beschäftigt war der Arzt damit,mir von Möglichkeiten zu referieren,wie man bei schlechtem Wetter im Fitnessstudio trotzdem trainieren könne und wie geil er als Typ sei(meine Deutung)...
Ich verließ die Praxis mit dem Gefühl Opfer einer Übergriffigkeit geworden zu sein und nicht Hilfe bekommen zu haben.
Aber hoffentlich hat die Praxis ausreichend Kohle für wohl unnötige Untersuchungen bekommen...
Patienten sind nicht blöd und nichtswissend.
Wir als Behandler müssen sie abholen, wo sie stehen und begleiten.
Unser Ego sollten wir wirklich im Griff haben.
Mir tat die Erfahrung trotz der blöden Umstände gut.Ich bin dadurch nochmal sensibler und auf meine Patienten neugieriger geworden.