14/09/2022
Das Ende einer Straßentaubenkarriere
Sie lag an der Haltestelle der S-Bahn und konnte nicht mehr weiter.
Der Grund wurde dann offensichtlich.
Beide Füße extrem verschnürt, Gewebewucherungen durch die Abschnürungen, Gewebe teilweise nekrotisch. Einige Zehen und das Fußgelenk skelettiert. Beim Hochnehmen fällt der eine Fuß einfach ab. Sie ist mager, am Bauch aufgeschürft, versucht sich am Leben zu erhalten.
Man kann sich über Tauben trefflich streiten, die einen mögen sie, die anderen nicht. Fest steht, ich wiederhole mich da gerne: keinem Tier sieht man so mitleidlos beim verhungern und verelenden zu wie den Tauben.
Sie gelten als dreckig, aufdringlich und man beklagt, dass sie „alles vollscheißen“.
Sie sind manchmal dreckig, weil man sie zwingt im Dreck zu leben. Sie sind nicht aufdringlich, sie wollen überleben und ka**en weil sie müssen, nicht weil sie die Umwelt verschmutzen wollen. Das schaffen wir schon ganz alleine, oder?
Dem aufgefundenen Tier war leider nur noch dadurch zu helfen, sie von ihren extremen Schmerzen zu befreien.
Man muss Tauben nicht mögen - aber ein wenig Respekt vor dem Leben, vor dem Tier, muss jeder haben.
Das ist keine Frage des Mögens, nur des Anstandes.
Danke an die Anruferin, die diesen Anstand hatte.
Gudrun Stürmer