05/01/2022
"Tätowier-Farben: Das Verbot ist beknackt" (WELT am Sonntag) 🎨 Welt am Sonntag: Finstere Zeiten für Tätowierstudios: Ab Januar sind zwei Drittel aller Farben verboten, fast nur noch dunkle Töne möglich. Laut EU-Chemikalienverordnung stehen zwei wichtige Farbpigmente im Verdacht, gesundheitsschädlich und krebserregend zu sein. Es klingt erst einmal nach einer vernünftigen Entscheidung, sie zu verbieten — oder? Dr. Mark Benecke: Zucker und Salz konnen auch giftig sein — wenn man zu viel davon zu sich nimmt. Im Gegensatz zu den verbotenen Farben gibt es dafür aber Belege und erprobte Grenzwerte. Ich würde mit dem Verbieten also da anfangen, wo Messungen vorliegen, anstatt im Nebel zu stochern. DIE WELT: Oder Alkohol und Zi******en: beides potenziell tödlich, trotzdem erlaubt. Wieso hat man ausgerechnet Tattoofarben den Kampf angesagt? BENECKE: Ich war gerade Redner zu diesem Thema bei der Konferenz des Bundesinstitut für Risikobewertung. Fast alle Forscherinnen und Forscher fanden das Verbot beknackt. Zitate: „Wir gehen zurück ins Mittelalter." „Es gibt keine Beweise für die Gefährlichkeit von Tätowierfarben." „Verrückt." Wohlgemerkt, das waren Aussagen der geladenen Forscherinnen und Forscher. Aber um auf Ihre Frage zu antworten: Wir haben alle keinen Schimmer, was das Verbot soll. DIE WELT: Statistiken zufolge ist in Deutschland mittlerweile jeder fünfte Mensch tätowiert. Vor zehn Jahren war es erst jeder zehnte. Ist mit dem Verbot der Trend gestoppt? BENECKE: Nein, für Jüngere ist es eine Selbstverstandlichkeit. Auch als Schmuck oder als Erinnerung an geliebte Menschen oder Tiere nehmen Tätowierwünsche zu. In Osteuropa und Lateinamerika gab es vor 30 Jahren kaum Farben. Da hat man dann alles schwarz und grau tätowiert. Das geht also auch. Nur ist es idiotisch, weil mittlerweile vorwiegend Künstlerinnen und Grafiker tätowieren, keine alten Typen im Hinterzimmer. Warum sollte man den Künstlerinnen und Künstlern ihre Farben wegnehmen? 🎭 Sehr herzlich Eure: Markito & WELT