19/04/2021
Bisher habe ich mich zurückgehalten, was meine öffentliche Meinung angeht, aber die Zustände in unserer Branche sind nicht mehr tragbar.
Mein Name ist Laura Brandt (26 Jahre alt), ich komme aus Bad Doberan in der Nähe von Rostock. Ich bin staatlich geprüfte Kosmetikerin, selbstständig und jetzt schon das dritte Mal betroffen von einer Geschäftsschließung.
Im Namen der Initiative verschickte ich bereits einen Brandbrief an Bürgermeister, Landtagsabgeordnete und an die Staatskanzlei Mecklenburg-Vorpommern.
Wir Selbstständigen kennen Stress, Anspannung und schlaflose Nächte, da wir viel Verantwortung tragen, aber die Maßnahmen gegen Corona sind nicht mehr tragbar.
Rund 50.000 professionelle Kosmetikstudios, mit fast 200.000 Beschäftigten, stehen vor dem Aus. Wir haben keine Perspektive von Seiten der Regierung.
Schon nach dem ersten Lockdown, im März 2020, haben wir Unternehmer investiert. Wir kauften Plexiglasscheiben, Masken usw. Wir räumten um, damit die Abstandsregeln eingehalten werden konnten. Wir schrieben Hygienekonzepte, legten uns selbst harte Maßnahmen auf, um eine erneute Schließung zu vermeiden.
Ich möchte dazu sagen, dass es in der Kosmetik, auch unabhängig von Corona, sehr hohe Hygienevorschriften gibt. Wir sterilisieren und desinfizieren alles, nach jedem Gebrauch. Wir nutzen Einwegprodukte, viele Maßnahmen waren also nicht neu für uns. Auch das Tragen einer medizinischen Maske kennen wir. Neu war lediglich, dass die Kunden eine Maske tragen mussten und wir uns darum kümmern mussten, die Daten für die Kontaktverfolgung zu ermitteln. Ein kleiner Preis, wenn man bedenkt, dass wir dann unsere Geschäfte öffnen können. Die Kunden nahmen die Maßnahmen gut an. Die Arbeit konnte also weiter gehen.
Dann der erneute Lockdown im November 2020, dieser traf mich hart. Hilfen kamen nur spärlich. Ich musste alles stunden, konnte meine Miete nicht zahlen und laufende Kredite mussten ausgesetzt werden. Der Schuldenberg wurde immer größer, die Existenzangst kaum zu ertragen.
Dann ging das Arbeiten wieder los, ich war unglaublich erleichtert, genau wie meine Kunden.
Ich stockte den Laden weiter auf, noch mehr Maßnahmen für den Schutz meiner Kunden. Ich bestellte eine Lüftungsanlage, FFP2- Masken usw. Ich arbeitete neue Hygienekonzepte aus.
Dann wieder eine neue Maßnahme. Die Testpflicht. Das Problem war, es gab keine Tests. Ich telefonierte mit 26 Apotheken in der Umgebung, schaute im Internet. Es gab keine Laientests. Ich setzte also die Gesichtsbehandlungen aus und machte in der Zeit Fußpflege usw. Ich bestellte, als es so weit war, für 600 € Tests, um den Kunden zu ermöglichen, diesen bei mir vor dem Geschäft zu machen. Kurz darauf gab es überall Testzentren und es wurde leichter. Natürlich sind wahnsinnig viele Kunden nicht gekommen. Schlecht organisierte Zeiten in Testzentren, Angst vor den Tests, das Durchführen vor dem Laden, also auf der offenen Straße (Landesverordnung) und das Geld für die Tests waren die Gründe. Es gab aber auch Kunden, die auch das mitgemacht haben, denn wenn man Probleme mit der Haut hat, nimmt man einen Test gerne in Kauf.
Ich dachte mir, jetzt kann nichts mehr passieren. Sicherer kann ich kaum arbeiten.
Dann der erneute Schock, Ministerpräsidentin Manuela Schwesig sprach den dritten Lockdown für Mecklenburg- Vorpommern aus.
Körpernahe Dienstleistung, die nicht der psychischen Gesundheit oder pflegerischen Gründen dienen, müssen schließen. Erst war ich noch entspannt, denn da zähle ich als Kosmetikerin zu. Wir sind eine gesundheitlich, präventive Dienstleistung. Als die Landesverordnung dann sagte, dass ich schließen muss, war ich absolut fassungslos.
Wir sind gesundheitsrelevant, denn wir arbeiten am größten Organ des Menschen – der Haut. Dessen sind sich viele nicht bewusst. Denn wir lackieren nicht nur Fingernägel, machen Make ups und andere ästhetische Behandlungen. Das ist der kleinste Teil unserer Arbeit. Wir machen hauptsächlich prophylaktische oder gesundheitlich notwendige Behandlungen der Haut, d.h. wir behandeln auch aktiv, manchmal in Zusammenarbeit mit Ärzten, Hauterkrankungen wie Akne, Rosacea, Neurodermitis oder Schuppenflechte. Mal ganz zu schweigen von den psychischen Aspekten, die die Kosmetik den Kunden bietet. Kosmetik ist kein Luxus für Menschen mit Hautproblemen.
Schließungen werden damit begründet, dass wir angeblich nicht die hygienischen Anforderung erfüllen. Allerdings vergaben uns Vollzugsbehörden bei Kontrollen ab dem 8.3.2021 die Note 1A und auch sonst ist laut Bundesamt nur ein gelisteter Coronafall bei einer Kosmetik aufgekommen.
Ich fordere von der Regierung inzidenzunabhängiges Arbeiten mit Teststrategie und eine konkrete Perspektive für unsere Branche. Denn Hauterkrankungen machen keinen „Lockdown“!
Darf gerne geteilt werden!