14/07/2026
Die podologische Versorgung steht vor dem Kollaps – jetzt handeln!
Sehr geehrte Damen und Herren,
die podologische Versorgung in Deutschland befindet sich in einer besorgniserregenden Entwicklung. Während die Zahl der Menschen mit Diabetes mellitus, Polyneuropathien, Durchblutungsstörungen und anderen chronischen Erkrankungen kontinuierlich zunimmt, sinkt gleichzeitig die Zahl der podologischen Praxen.
Immer mehr Kolleginnen und Kollegen geben ihre Praxen auf. Die Gründe sind vielfältig: altersbedingte Praxisaufgaben, fehlender Nachwuchs, wirtschaftlicher Druck sowie eine stetig wachsende Bürokratie, die den eigentlichen Versorgungsauftrag zunehmend in den Hintergrund drängt.
Die Folgen sind bereits heute deutlich spürbar.
Patientinnen und Patienten warten vielerorts Wochen oder Monate auf einen Behandlungstermin. In manchen Regionen finden sie überhaupt keine podologische Praxis mehr. Gerade Risikopatienten sind hiervon besonders betroffen – obwohl regelmäßige podologische Behandlungen dazu beitragen können, Wunden, Infektionen, Krankenhausaufenthalte und im schlimmsten Fall Amputationen zu vermeiden.
Die Podologie ist kein Wellnessangebot und keine kosmetische Dienstleistung. Sie ist ein anerkannter medizinischer Heilberuf und ein unverzichtbarer Bestandteil der Prävention und Versorgung chronisch kranker Menschen.
Gleichzeitig beobachten wir mit Sorge eine zunehmende Verunsicherung der Patientinnen und Patienten.
Bezeichnungen wie „medizinische Fußpflege“, „Fachfußpflege“ oder ähnliche Begriffe vermitteln häufig den Eindruck einer medizinischen Qualifikation. Tatsächlich handelt es sich hierbei jedoch nicht um staatlich geregelte Heilberufsbezeichnungen. Zahlreiche Zertifikate oder Teilnahmebescheinigungen ersetzen keine staatlich anerkannte Ausbildung zur Podologin oder zum Podologen.
Gerade Menschen mit Diabetes mellitus, Polyneuropathien oder anderen Risikofaktoren müssen wissen, dass medizinisch notwendige Behandlungen ausschließlich von entsprechend qualifizierten Fachkräften durchgeführt werden sollten. Wer außerhalb seiner beruflichen Befugnisse medizinische Behandlungen vornimmt, kann erhebliche haftungs- und strafrechtliche Konsequenzen riskieren.
Diese Entwicklung gefährdet nicht nur die Patientensicherheit, sondern untergräbt auch das Vertrauen in einen staatlich geregelten Gesundheitsberuf.
Deshalb fordern wir:
einen konsequenten Abbau der Bürokratie in podologischen Praxen,
eine angemessene und wirtschaftlich tragfähige Vergütung podologischer Leistungen,
bessere Rahmenbedingungen für Praxisgründungen und Praxisübernahmen,
eine stärkere Nachwuchsförderung und attraktivere Ausbildungsbedingungen,
eine bundesweite Aufklärung über den Unterschied zwischen staatlich anerkannten Podologinnen und Podologen und kosmetischen Fußpflegeangeboten,
einen besseren Schutz der Patientinnen und Patienten vor irreführenden Berufsbezeichnungen.
Die Politik spricht häufig von Prävention, Digitalisierung und Entlastung des Gesundheitswesens. Die Podologie leistet hierzu seit Jahren einen unverzichtbaren Beitrag – oftmals im Stillen und unter schwierigen Bedingungen.
Wer heute die Podologie vernachlässigt, wird morgen die Folgekosten tragen: mehr chronische Wunden, mehr Krankenhausaufenthalte, mehr Amputationen und letztlich höhere Kosten für das gesamte Gesundheitssystem.
Noch ist Zeit zu handeln.
Doch diese Zeit wird knapp.
Wir appellieren an die politisch Verantwortlichen, die Krankenkassen, die Berufsverbände und alle Entscheidungsträger, gemeinsam die notwendigen Weichen zu stellen, damit die podologische Versorgung in Deutschland langfristig gesichert werden kann.
Fußgesundheit ist Medizin. Sie verdient die Aufmerksamkeit, die ihr zusteht.
Im Namen vieler Podologinnen und Podologen sowie der Patientinnen und Patienten, die täglich auf unsere Arbeit angewiesen sind.