05/05/2023
// ACHTSAMES HANDWERK //
Die geschärfte Ahle sticht in das Leder. Mit meinen Fingern gebe ich leichten Druck auf die Rückseite damit sie problemlos durchgleiten kann. Das Leder fühlt sich dabei schön warm an. Stabil und trotzdem weich.
Ich ziehe die Ahle wieder heraus und schiebe gleichzeitig eine von zwei Nadeln von hinten durch das entstandene Loch. Ich muss genau treffen, um das Leder nicht zu zerkratzen.
Mit der anderen Hand lasse ich die Ahle in meinen Handballen zurück gleiten (bloß nicht fallen lassen) und nehme die zweite Nadel zwischen die Finger. Alles gleichzeitig.
Dann ziehe ich die erste Nadel durch das Loch nach vorne, und setze die zweite Nadel vorne darüber an, schiebe sie durch das gleiche Loch auf die Rückseite. Passe dabei auf, das Garn im Loch nicht zu verletzen.
Auf der Rückseite schlinge ich den Faden über die Nadel und ziehe an beiden Fäden, um die entstandene Naht zu straffen. Nicht zu stark, das könnte das Leder beschädigen. Nicht zu schwach, die Naht soll ja stabil sein. Aber bei jedem Stich gleich. Das ist wichtig.
Das Ergebnis sieht schön aus wenn ich es jetzt betrachte. Ein Faden der sich elegant in das Leder einfügt, zwei oder mehr Schichten zusammenhält. Stabilität verspricht. Verlässlichkeit. Schönheit.
Ein Stich ist geschehen. Es folgen noch viele weitere für eine Tasche. Alle gleich. Fast wie Meditation. Zufriedenheit stellt sich ein.
Das Ergebnis ist „nur" eine Tasche aus Leder. Aber keine von der Stange. Eine aus meinen Händen. Eine mit Seele. Vielleicht mit kleinen Macken, den keiner ist perfekt, ich schon gar nicht. Auf jeden Fall eine Tasche mit einer Geschichte.
Spürst du es auch? Lausche achtsam, es steckt so viel mehr darin als „nur" eine weitere Tasche.