09/08/2026
Eine neue Studie im Fachjournal Cancer Communications liefert eine Zahl, die aufhorchen lässt: Übergewicht könnte an mehr als 10% aller Krebserkrankungen beteiligt sein. Deutlich mehr, als bisherige Schätzungen (ca. 6%) nahelegt haben.
Ausgewertet wurden Daten von über 450000 Menschen aus der UK Biobank über einen Zeitraum von fast 12 Jahren (Adhikari et al., 2026).
Für mich als Ernährungsberaterin ist dabei vor allem ein Detail relevant:
Nicht der BMI war der aussagekräftigste Indikator, sondern Taillenumfang und Taille-Hüft-Verhältnis – beides Maße für bauchbetontes (viszerales) Fett. Beide zeigten einen stärkeren Zusammenhang mit dem Krebsrisiko als der BMI allein.
Das bestätigt, was sich in der Praxis immer wieder zeigt: Der BMI unterscheidet nicht zwischen Fett- und Muskelmasse und sagt nichts über die Fettverteilung aus. Zwei Personen mit identischem BMI können ein sehr unterschiedliches metabolisches Risiko haben, je nachdem, wo sich das Fettgewebe im Körper befindet.
Ein paar methodische Einordnungen:
→ Die Studie zeigt einen statistischen Zusammenhang auf Bevölkerungsebene, keine individuelle Risikovorhersage.
→ Körpergewicht ist einer von vielen Faktoren – Bewegung, Ernährung, Rauchen, Alkohol und genetische Veranlagung spielen ebenso eine Rolle.
→ Die Autor:innen kontrollierten zusätzlich für Reverse Causation (unentdeckte Erkrankungen, die vor Diagnose zu Gewichtsverlust führen) und fanden auch nach entsprechender Bereinigung konsistent stärkere Assoziationen für zentrale Adipositas-Maße als für den BMI.
Für die Praxis heißt das aus meiner Sicht: Taillenumfang bzw. eine Messung der Körperzusammensetzung per BIA sind sinnvolle, niedrigschwellige Ergänzungen zur reinen Gewichts- oder BMI-Betrachtung, um Risiken frühzeitiger und differenzierter einordnen zu können.
Deshalb ist es mir ein großes Anliegen, Menschen dabei zu helfen, überschüssiges Gewicht nachhaltig zu reduzieren und zwar individuell, nicht nach Schema F. Es gibt nicht die eine Methode, die bei jedem gleichermaßen funktioniert. Was bei der einen Person zB durch mehr Krafttraining und Proteinfokus gelingt, sieht bei der nächsten Person ganz anders aus. Deshalb schauen wir bei ENEA Health immer ganz individuell, was am besten funktioniert.
Bei der Gewichtreduktion ist eine gute Begleitung enorm wichtig: regelmäßiges Feedback, das Anpassen der Strategie, wenn etwas nicht funktioniert, und Erfolgsmessungen, die motivieren statt entmutigen.
In der Praxis nutzen wir dafür BIA-Messungen zur Verlaufskontrolle der Körperzusammensetzung, in Online-Beratungen greifen wir auf andere Tracking-Methoden zurück. Wichtig ist am Ende, dass Fortschritt sichtbar wird, auch wenn sich die Waage kaum bewegt.
Quelle: Adhikari LK, Safizadeh F, Mandic M, Brenner H. “Excess Weight May Account for More Than 10% of All Cancers: The Underestimated Impact of the Obesity Epidemic.” Cancer Communications, 2026;46:Article 0040.