18/08/2026
Karoline v. Steinaecker - Kurt
Ein Nachruf von Susanne Hermann
Mit großer Trauer haben wir uns am 2.6. von Karoline v. Steinäcker verabschiedet.
Karoline hat ihr Leben mit großem Elan und ungeheurer Schaffenskraft der Atemarbeit und der Anerkennung unseres Berufes gewidmet.
Unser Verband hat ihr viel zu verdanken!
Nach einem Studium der Garten und Landschaftsarchitektur änderte sie bald ihre
Berufsrichtung und ließ sich 1976 bei Ilse Middendorf in Atemarbeit ausbilden. Anschließend war sie ein Jahr Assistentin am Institut Ilse Middendorf. Seit 1979 baute sie sich eine gut laufende eigene Praxis auf , mit der sie ihre Familie ernähren konnte.
Eine Praxiskollegin erinnert, dass Karoline einen einerseits pragmatischen aber auch sehr tiefgehenden Zugang zur Atemarbeit hatte und ihren Humor niemals vergaß.
Karoline hat viele Fortbildungen gegeben, Supervision angeboten und Vorträge gehalten.
Seit.1985 engagierte sie sich berufspolitisch zunächst als 2. Vorsitzende der AFA mit Ilse Middendorf als erster Vorsitzender, dann von 1989 bis 1993 als 1. Vorsitzende.
Ihr großes Anliegen war, unsere Arbeit als Beruf zu etablieren. Mit anderen zusammen entwickelte sie Qualitätskriterien für die Ausbildungsstätten, Weiterbildungsangebote für AFA Mitglieder, ein gemeinsames Berufsbild für alle AFA Mitglieder und ein gemeinsames Curriculum und darauf beruhend eine Prüfungsordnung für alle Schulen. Auf dieser Grundlage beruht das frühere AFA bzw. jetzt BVA Diplom. Ihr großer Traum, bei den Krankenkassen Anerkennung für unseren Beruf zu erreichen war damals und ist ja bis heute nicht zu verwirklichen.
In ihrer Zeit als AFA Vorsitzende veranstaltete sie anspruchsvolle Kongresse, deren Inhalt später in Veröffentlichungen dokumentiert wurde.
Themen waren: „der schwierige Fall“, „Aggression und Trauer in der therapeutischen und pädagogischen Arbeit“ ,„der eigene und der fremde Körper, Übertragungsphänomene in der Atem- und Leibpädagogik“.
2008 hielt sie den Festvortrag aus Anlass des 50. Jubiläums der AFA.
Sie arbeitete zusammen mit Prof Bühring, der zunächst im Immanuel Krankenhaus, dann in der Charité Campus Mitte eine Professur für Naturheilkunde innehatte. Daraus sind 2 Forschungsarbeiten, eine zum Thema Atemarbeit und Brustkrebs und eine Studie zum Thema Atemarbeit und Asthma bronchiale entstanden.
Neben all diesem hat Karoline auch noch ein zweites Studium in Unterrichts
- und Erziehungswissenschaften absolviert und dies mit einer Promotion 1996 abgeschlossen. Anhand von Interviews mit noch lebenden Protagonistinnen der Atemarbeit stellte sie die Geschichte der Atemarbeit von den Anfängen bis 1933 dar.
Daraus ist 1999 das wunderbare Buch „Luftsprünge“ entstanden.
Als ihre Hände müde waren vom Behandeln, bildete sie sich als Psychoonkologin weiter und arbeitete am Klinikum Havelhöhe in der Pneumologie und auch in eigener Praxis in ihrem neuen Beruf. Auch in diese Arbeit flossen ihre Erfahrungen als Atemtherapeutin ein.
Kurz vor ihrem Tod wurde die Verleihung einer Ehrenmitgliedschaft bei der BVA entschieden. Diese konnte sie leider nicht mehr selbst entgegen nehmen.
Mit großem Respekt schaue ich auf dieses tätige Leben und wünsche ihr die Würdigung, die sie verdient.
Susanne Hermann
www.bvatem.de