TrostHelden

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TrostHelden TrostHelden vermittelt Trauerfreundschaften und steht für 100%iges Verständnis untereinander. Der einen ähnlichen Umgang mit seiner Trauer hat?

Das Ziel von trosthelden.de ist, die Vereinsamung samt sozialer und gesundheitlicher Folgeschäden, die oftmals mit der Trauer einhergeht und zu Pandemie-Zeiten ganz neue Dimensionen bekommen hat, zu minimieren. Das tun wir, indem wir Trauernde mit gleicher „Trauersprache“ zusammen-bringen. Denn Gleich und Gleich gesellt sich auch auf diesem Felde „gern“ und tut sich gegenseitig gut. In den vergangenen Jahren und durch den Kontakt zu tausenden Trauernden haben wir uns ein sehr gutes Bild über die Bedürfnisse von Betroffenen machen können. Wir mussten lernen, dass das elementarste aller Bedürfnisse bei den wenigsten Trauernden befriedigt wird. Dabei geht es darum, ein Gegenüber zu haben, das komplett versteht. Über die ganze Zeit der Trauer. Wer kann das besser als jemand, der ein gleiches Schicksal verkraften musste oder muss? Der sich in ähnlichen Lebensumständen befindet und damit die gleiche Trauersprache spricht? Trauernde wünschen sich oft nichts sehnlicher, als einen Menschen zu haben, der auf rationaler und emotionaler Ebene komplettes Verständnis hat. Vor allem die emotionale Ebene ist es, die vom sozialen Umfeld und zum gewissen Teil auch von professioneller Trauerbegleitung oft nicht bedient werden kann – für ein gutes Voran- oder Weiterkommen aber elementar ist. Um diesem Bedürfnis Trauernder gerecht zu werden, wurde trosthelden.de entwickelt!

Ein Kind stürzt auf dem Hof. Knie auf, Dreck in der Wunde, Geschrei. Jemand kommt, es wird gepustet, es gibt ein Pflaste...
02/10/2026

Ein Kind stürzt auf dem Hof. Knie auf, Dreck in der Wunde, Geschrei. Jemand kommt, es wird gepustet, es gibt ein Pflaster mit Motiv. Dann steht das Kind auf und spielt weiter.

Die Wunde ist genauso offen wie vorher. Wer die Wunde betrachtet, muss nüchtern sagen: Es hat nichts geholfen. Wer das Kind betrachtet, sieht etwas anderes.

Hier liegt eine der stillsten Verwechslungen, die Trauernden das Leben zusätzlich schwer machen: Wir halten Trost für ein Mittel gegen die Trauer. Und weil er das nicht ist, erscheint er uns als Versagen. Jemand stellt dir eine Tasse Tee hin, und im selben Moment kommt der Gedanke: Das hilft doch alles nichts, er ist trotzdem tot.

Ja. Er ist trotzdem tot. Trost hat nie behauptet, etwas daran zu ändern. Das ist nicht sein Beruf.

Trauer ist Arbeit, wörtlich gemeint. Dein System sortiert ein ganzes Leben neu und sucht hunderte Male am Tag einen Menschen, der nicht mehr auffindbar ist. Deshalb sind viele Trauernde um sieben Uhr abends erschöpft, ohne etwas getan zu haben, was von außen nach Arbeit aussieht. Genau hier arbeitet Trost. Nicht an der Wunde. An dir. Er füllt den Tank, der für diese Arbeit gebraucht wird.

Trost tut nichts gegen die Trauer. Trost schafft Kraft für die Trauer. Damit ist er nicht die Alternative zum Trauern, sondern die Voraussetzung dafür.

In Gesprächen höre ich immer wieder, wie Menschen sich für kleine Erleichterungen fast entschuldigen. Als wäre ein Moment, in dem es erträglich war, ein Verrat. Dabei geraten nur zwei Fragen durcheinander. Die erste: Wie werde ich das los? Darauf gibt es keine Antwort. Die zweite: Wie komme ich durch den heutigen Abend? Die hat sehr wohl Antworten. Eine Decke. Eine Serie, die du schon kennst. Ein Mensch am Telefon. Irgendetwas, das niemand verstehen muss außer dir.

Einen ausführlichen Beitrag zu diesem Thema gibt es der kostenfreien TrostHelden-Community für Gleichgesinnte.

Es gibt diesen Moment am Handy. Du scrollst durch die Galerie, und es geht. Es tut weh, aber es geht. Dann kommt ein Vor...
29/09/2026

Es gibt diesen Moment am Handy. Du scrollst durch die Galerie, und es geht. Es tut weh, aber es geht. Dann kommt ein Vorschaubild mit einem kleinen weißen Dreieck darauf, und dein Daumen bleibt in der Luft stehen.

Ein Foto ist fertig. Ein Bruchteil einer Sekunde, der zum Stillstand gekommen ist, lange bevor du hingesehen hast. Es tut nichts, während du es anschaust. Es wartet. Die Kontrolle liegt ganz bei dir: zwei Sekunden, zwei Minuten, wegsehen, ohne etwas zu verpassen.

Ein Video wartet nicht. Es hat seinen eigenen Takt. Er dreht den Kopf, wann er will, er lacht in einem Moment, in dem du gerade nicht bereit dafür bist. Und ein Video hat immer ein Ende. Vierzehn Sekunden ist der Mensch da, er bewegt sich, er atmet – und dann wird es schwarz, oder der Ton bricht mitten im Satz ab. Jedes Abspielen hat einen kleinen eigenen Tod eingebaut. Kein Wunder, dass dein Körper sich vielleicht weigert.

Am schwersten ist oft nicht das Bild, sondern die Stimme. Die letzte Sprachnachricht, der Anrufbeantworter, den niemand löschen will. Deine Augen haben Lider, deine Ohren haben nichts davon. Was du hörst, ist schon in dir, bevor du entscheiden konntest, ob du es willst.

Studien, die genau diesen Unterschied vergleichen, Foto gegen Video in der Trauer, gibt es fast nicht. Es gibt also keine Zahl, die dir bestätigt, was du spürst. Das heißt nur: Du bist nicht die Ausnahme. Du bist bloß nicht gezählt worden.

Nichts davon ist eine Aufgabe. Das Video ist keine Prüfung, die irgendwann bestanden werden müsste. Es liegt da, es läuft nicht ab. Wenn du irgendwann hinsehen willst, hilft ein gutes Setting: nicht als letzte Handlung vor dem Einschlafen, eher an einem Tag, an dem danach noch etwas kommt. Und wenn jemand anders es plötzlich abspielt, darfst du sagen, dass du das nicht kannst. Ohne Begründung.

Was dich heute umwirft, kann in zwei Jahren das Kostbarste sein, was du besitzt. Die Erinnerungen an Stimme und Bewegungen bleiben wach.

-Fans Wie ist das bei dir? In der TrostHelden-Community ist Platz für solche Erfahrungen, wenn du sie teilen magst.

Am Sterbebett rechnet niemand Rendite.Seit mehr als zehn Jahren spreche ich mit Menschen, die jemanden verloren haben. K...
21/09/2026

Am Sterbebett rechnet niemand Rendite.

Seit mehr als zehn Jahren spreche ich mit Menschen, die jemanden verloren haben. Keiner von ihnen hat bedauert, zu wenig verdient zu haben. Bedauert wird das Gespräch, das nie geführt wurde. Die Zeit, die für Dinge draufging, die im Rückblick unwichtig waren.

Davor rechnen wir fast alle.

Die Logik der Gewinnmaximierung ist aus den Unternehmen in uns eingezogen. Wir investieren in uns, arbeiten an unserer Marke, optimieren Schlaf, Körper und Kontakte. Wir prüfen Freundschaften darauf, ob sie sich lohnen.

Dabei ging ein großer Gedanke kaputt. Individualismus hieß einmal: Jeder Einzelne zählt. Daraus ist geworden: Nur ich zähle. Es ist ein egoistischer Individualismus.

Trauernde spüren das als Erste. Erst ist das Umfeld da. Dann sollst du wieder funktionieren. Wer es nicht tut, wird gemieden. Selten aus Bosheit, meist aus Hilflosigkeit. Und weil im Kalender kein Platz ist für etwas, das sich nicht auszahlt.

Ich glaube, dieses Modell ist am Ende. Es funktionierte, solange sich die Kosten auslagern ließen: auf die Natur, auf kommende Generationen, auf andere. Jetzt kommen die Rechnungen zurück. Egoismus lohnt sich nur, solange genug andere die Gemeinschaft noch tragen. Wenn alle Trittbrett fahren, fährt der Zug nicht mehr.

Im Grundgesetz steht: "Eigentum verpflichtet." Ich möchte den Satz erweitern, auf das, was wir für unser ureigenstes Eigentum halten: unsere Begabungen.

Niemand hat sich seine Intelligenz verdient. Seine Gesundheit. Sein Elternhaus. Das Land und das Jahrzehnt seiner Geburt. Talente fallen uns zu, im Wortsinn. Wer etwas daraus macht, verdient Anerkennung. Wer aber glaubt, er schulde niemandem etwas, verwechselt einen Lottogewinn mit einer Leistung.

Talent verpflichtet.

Kein Zwang, kein Zurück ins Kollektiv. Ich nenne es sozialen Individualismus: freie Menschen, die sich freiwillig binden, weil sie wissen, dass sie ihre Freiheit anderen verdanken.

Die Menschen, mit denen ich spreche, wissen, welche Spalte der Bilanz am Ende zählt. Sie haben es zu einem hohen Preis gelernt.

Du musst nicht auf deinen eigenen Verlust warten: Was ist dir zugefallen? Und wem kommt es zugute?

Eben gerade ist eine Podcastfolge von "Unfreiwillig Solo - Sterben war nicht der Plan" herausgekommen. Ich durfte Interv...
21/09/2026

Eben gerade ist eine Podcastfolge von "Unfreiwillig Solo - Sterben war nicht der Plan" herausgekommen. Ich durfte Interviewpartner sein.

Manja und Claudia haben diesen Podcast ins Leben gerufen. Sie machen es soooo gut!

Reinhören geht überall, wo es Podcasts gibt. Z.B. bei Spotify: https://open.spotify.com/show/6jrXpDS0er1YebKVyzCvWy?si=cb15b0c18d7f49d3

PS: diese Folge ist nicht nur für Betroffene selbst interessant, sondern auch für alle, die einen trauernden Menschen in ihrem Umfeld haben!

Es gibt eine Frage in der Trauer, die die Trauer selbst noch mehr belastet: Was stimmt nicht mit mir?Du warst wütend auf...
09/09/2026

Es gibt eine Frage in der Trauer, die die Trauer selbst noch mehr belastet: Was stimmt nicht mit mir?

Du warst wütend auf jemanden, der nichts dafür konnte. Du hast bei einer Werbung geweint und bei der Beerdigung keine Träne gehabt. Du hast dich beim Lachen erwischt und dich sofort dafür geschämt.

Ich habe diese Frage tausende Male gehört, über Jahre, am Telefon. Nicht als Trauerbegleiter, ich bin keiner. Menschen haben mir erzählt, was mit ihnen passiert, und irgendwann habe ich verstanden: Es sind zwei Lasten, nicht eine.

Die eine ist der Schmerz. Der Mensch fehlt, an mindestens dreißig Stellen am Tag. Der bleibt, in wechselnder Lautstärke. Er ist der Preis dafür, geliebt zu haben.

Die andere ist der Schrecken. Der Schrecken ist nicht: Er fehlt mir. Der Schrecken ist: Ich weiß nicht, was gerade mit mir passiert. Dass du nachts mit klopfendem Herzen aufwachst, ohne geträumt zu haben. Dass du eine Nachricht dreimal liest und trotzdem nicht weißt, was drinsteht. Dass du deinen Verstorbenen für anderthalb Sekunden in der Fußgängerzone siehst und danach überzeugt bist, den Verstand zu verlieren.

Nichts davon ist der Verlust. Das alles sind Nebenwirkungen des Verlusts. Und weil dir niemand gesagt hat, dass es sie gibt, hältst du sie für Beweise, dass mit dir etwas nicht stimmt.

Verstehen nimmt nicht den Schmerz. Verstehen nimmt den Schrecken.

Solange du dich für kaputt hältst, führst du zwei Kämpfe. Den einen gegen den Verlust, der ohnehin alles fordert, was du hast. Und den zweiten gegen dich selbst. Dieser zweite Kampf ist erfunden. Er bringt nichts ein und kostet mehr als die Hälfte von dem, was du hast.

Du bist ganz normal. Du bist in einer Lage, in der genau das passiert, was dir passiert. Das holt niemanden zurück und macht keine Nacht kürzer. Aber es nimmt dir das Gefühl, dass du zusätzlich zu allem anderen auch noch versagst.

Und falls du das nicht allein sortieren magst: In unserer Community sind Menschen, denen du nichts erklären musst. Sie nicken an den Stellen, an denen andere zusammenzucken.

Zeit für einen ersten Zwischenstand - deutlich früher als erwartet. Doch die TrostOffensive hat solch einen Zuspruch erh...
03/09/2026

Zeit für einen ersten Zwischenstand - deutlich früher als erwartet. Doch die TrostOffensive hat solch einen Zuspruch erhalten - und das will gezeigt werden:

Seit dem Start im April diesen Jahres haben wir

* 624 Partner gewonnen. Bestattungshäuser, Hospiz- und Palliativeinrichtungen, Krankenhäuser, Trauercafés, Trauerbegleitungen... Viele Einrichtungen nutzen unser Angebot, um ihre eigene Arbeit zu bereichern - und vor allem: um den anvertrauten Trauernden noch besser zu helfen.

* 28.700 mal Trauer für Anfänger (unser Buch zur Trauerbewältigung) verschenkt.

* 28.700 mal unseren TrostLotsen (WhatsApp-Impulsbegleitung über 8 Wochen) verschenkt.

* 28.700 mal den Zugang zu unserer Community für Gleichgesinnte verschenkt.

Das sind 28.700 mal weniger Ohnmacht. 28.700 verringerte Gefahr einer Vereinsamung durch Trauer. 28.700 Menschen, denen der Weg erleichtert wird. 28.700 Individuen, die auf einem der schwersten Lebenswege intensive Hilfe bekommen.

Unser großes Ziel: Wir wandeln unsere von Ohnmacht und Vereinsamungsgefahr geprägten Trauerkultur in eine, die von Wissen, Bewusstsein und vor allem: Mitmenschlichkeit geprägt ist.

Und wir sind baff über den großen Zulauf. DANKE!

Willst du auch Partner der TrostOffensive sein? Ohne eigene Kosten zu haben? Dann dauert das keine 2 Minuten - über den Link im Kommentar.

Du bist trauernd und wünschst die Hilfe unserer TrostOffensive? Sprich deinen Bestatter auf uns an - über ihn kommst alle Hilfe, die wir zur Verfügung stellen.

Ganz berührt und dankbar,
Hendrik

PS: Ich würde so gerne schon zwei, drei riesige Überraschungen verraten, die die TrostOffensive bald bereichern werden... Na, als Partner wirst du es bald als erstes erfahren.

29/08/2026

Wenn nach einem Todesfall jemand wegbleibt, liest du es als Urteil über dich. Zu traurig, zu lange, zu viel. Das stimmt fast nie.

Dein Freund steht vor dir und denkt, er soll etwas sagen. Er merkt, dass er nichts hat. Er hat nie gelernt, was man einem Menschen sagt, dessen Frau gestern gestorben ist — nicht in der Schule, nicht zu Hause, nirgends. Also greift er in ein leeres Regal und nimmt heraus, was alle sagen: dass die Zeit heilt.

Und im selben Moment hört er sich selbst. Das ist die Schlüsselstelle: nicht der falsche Satz, sondern das Hören des eigenen falschen Satzes. Was danach kommt, ist keine Sprachlosigkeit mehr. Es ist Scham.

Ohnmacht allein hält ein Mensch aus. Schlechtes Gewissen auch. Wenige halten die Kombination aus: Ich kann nichts tun, und ich bin schuld daran, dass ich nichts tun kann. Der zweite Teil ist der giftige, weil er falsch ist. Er hat nicht versagt. Er hat nur etwas gesucht, was es nicht gibt.

In Gesprächen höre ich es fast immer gleich: Niemand beschließt an einem Tag, sich nicht mehr zu melden. Es gibt eine Verschiebung. Ich rufe morgen an, heute passt es schlecht. Nach drei Wochen ist die Schwelle zu hoch. Einer hat mir gesagt: Ich hatte nicht das Gefühl, ihn im Stich zu lassen. Ich hatte das Gefühl, ihm mit meiner Anwesenheit noch mehr wehzutun.

Das Ganze läuft nur, solange die Ohnmacht unerklärt bleibt. Seit dem Tod sprichst du eine eigene Sprache, aus deinem Verlust und dieser einen Beziehung, die es nur einmal gab. Niemand sonst spricht sie. Wer das begreift, ist immer noch ohnmächtig — aber seine Ohnmacht hat einen Namen. Und Ohnmacht mit Namen lässt sich aushalten.

Nichts wissen macht frei. Wer nichts wissen muss, muss nichts finden. Wer nichts finden muss, kann nicht scheitern. Wer nicht scheitern kann, braucht nicht zu fliehen. Er darf einfach da sein.

Du bist der Einzige, der die Regeln kennt. Das ist unfair, gerade jetzt. Aber oft genügt ein Satz: "Du brauchst nichts zu sagen. Komm einfach."

Den ganzen Beitrag gibt es auf Wunsch (Mail an [email protected], Betreff "Nichts wissen macht frei")

Seit dem Tod sprichst du eine eigene Sprache. Sie besteht aus deinem Verlust, aus dieser einen Beziehung, die es nur ein...
28/08/2026

Seit dem Tod sprichst du eine eigene Sprache. Sie besteht aus deinem Verlust, aus dieser einen Beziehung, die es nur einmal gab, aus deiner Art zu fühlen und aus einem Leben, das es so nicht mehr gibt.

Deshalb nickt dein Gegenüber an der falschen Stelle. Deshalb kommt ein Ratschlag, obwohl du gar keine Frage gestellt hattest. Manchmal merkst du mitten im Reden, dass du deine Trauer gerade übersetzt, damit sie ankommt. Und dann bist du müde und hörst auf zu reden.

Die Menschen um dich herum scheitern nicht an dir. Sie scheitern an einer Sprache, die sie nie gelernt haben.

Von der anderen Seite höre ich in Gesprächen immer wieder dasselbe: Ohnmacht. Sie wollen helfen, es hat es ihnen nur nie jemand beigebracht. Also sagen sie etwas Unpassendes, merken es im selben Augenblick, und dann kommt das schlechte Gewissen dazu. Ohnmacht allein wäre auszuhalten. Ohnmacht und schlechtes Gewissen zusammen sind es nicht. Also ziehen sie sich zurück. Nicht als Entscheidung. Es passiert einfach.

Das Ergebnis kennst du: Du bist umgeben von Menschen und sprichst mit niemandem in deiner Sprache.

Es gibt aber Menschen, die sie verstehen, ohne dass du sie ihnen beibringen musst. Es sind die, die selbst verloren haben. Dein bester Freund kann sich Hitze vorstellen, wenn ihm jemand von einem Sommer erzählt. Wer selbst verloren hat, ist in der Hitze. Der muss sich nichts vorstellen.

Und was zwischen zwei Trauernden entsteht, ist nicht in erster Linie Trost. Es ist Entlastung. Die Erkenntnis, dass die eigene Reaktion, für die du dich seit Wochen schämst, bei anderen genauso vorkommt. Dass du nicht der einzige Mensch auf der Welt bist, der erleichtert war. Oder wütend auf einen Toten. Oder nach vier Monaten immer noch nicht in der Lage, den Kleiderschrank zu öffnen.

Falls dir gerade niemand einfällt, mit dem das geht: In der TrostHelden-Community sind die Menschen, die deine Sprache sprechen, und du darfst dort erst einmal nur lesen.

Einen ausführlichen Beitrag findest du in unserer kostenfreien Community!

Es gibt Sätze, die kann man kaum aussprechen. Einer davon ist: Ich bin erleichtert, dass er tot ist.Eine junge Frau hat ...
26/08/2026

Es gibt Sätze, die kann man kaum aussprechen. Einer davon ist: Ich bin erleichtert, dass er tot ist.

Eine junge Frau hat sich bei mir gemeldet, deren Vater gestorben war. Zwischen den beiden lag ein jahrelanger Kontaktabbruch, der Grund dafür war ein Übergriff. Und dann stirbt dieser Mensch.

Unsere Trauerkultur setzt etwas voraus, über das nie jemand spricht: dass der Verstorbene ein guter Mensch war. Die Beileidskarten, die Trauerrede, alles ist auf jemanden ausgelegt, um den man ungetrübt weinen kann. Für die anderen Toten gibt es kein Wort, kein Ritual, keinen Ort.

Dabei passiert beides gleichzeitig. Ein Ausatmen, tief, aus einem Körper, der jahrelang angespannt war. Und im selben Atemzug ein Riss. Nicht um den Mann, der gestorben ist, sondern um den Vater, den es hätte geben können. Um die Entschuldigung, auf die du vielleicht insgeheim noch gewartet hast.

Beide Gefühle behaupten, die Wahrheit zu sein, und der Mensch dazwischen fragt sich, welches von beiden er sein darf. Die Antwort ist unbequem, weil sie so einfach ist: beide. Ohne dass eins das andere aufhebt.

Die Erleichterung ist dabei selten der Wunsch, dass jemand tot sein möge. Sie ist ein Körper, der aufhört, wachsam zu sein. Über Jahre war ein Teil von dir im Dienst, hat aufgepasst, ob das Telefon klingelt, hat entschieden, welche Straße du nimmst. Diese Wache hat jetzt Feierabend. Das ist kein Urteil über den Toten, das ist ein Nachlassen in dir.

Und Trauer ist keine Belohnung für gutes Benehmen des Verstorbenen. Sie ist das, was in dir passiert, wenn eine Verbindung abreißt. Eine Verbindung war es, auch wenn sie beschädigt war. Vielleicht sogar besonders.

Es kommt kein Tag, an dem sich diese beiden Gefühle zu einem verrechnen. Was sich ändern kann, ist nicht der Widerspruch, sondern was er mit dir macht.

Wenn du diese Trauer kennst und bisher niemanden hattest, mit dem du darüber sprechen konntest: In der TrostHelden-Community ist Platz dafür, auch für das, was sich nicht sortieren lässt.

Eine TrostHeldin hat mir geschrieben. Drei Absätze, und darin ein Satz, an dem ich hängengeblieben bin: "Der Weg ist noc...
18/08/2026

Eine TrostHeldin hat mir geschrieben. Drei Absätze, und darin ein Satz, an dem ich hängengeblieben bin: "Der Weg ist noch lange nicht geschafft."

Sie meinte ihn zuversichtlich, als ehrliche Zwischenmeldung.

Aber in diesem Satz steckt eine Annahme, die keiner von uns je überprüft hat: dass der Weg irgendwann geschafft ist.

Wir kommen aus einer Welt, in der Dinge fertig werden. Die Ausbildung ist abgeschlossen, der Gips kommt ab, der Arzt sagt: Sie sind wieder gesund. Dann stirbt ein Mensch, und wir nehmen dieses Denken einfach mit. Auch das Umfeld fragt: Wird es langsam? Bist du schon ein bisschen weiter?

Alle diese Fragen setzen voraus, dass es ein Ziel gibt.

Überleg mal mit mir, was dieses Ziel wäre. Trauer ist das, was aus Liebe wird, wenn ihr Empfänger nicht mehr da ist. Sie wäre also in dem Moment vorbei, in dem die Liebe zu diesem Menschen in dir erloschen ist. Nicht früher.

Willst du das?

In Gesprächen höre ich vieles: Ich halte den Schmerz nicht mehr aus. Ich will wieder schlafen können. Ich will nicht mehr an der Supermarktkasse zusammenbrechen. Aber niemand hat je gesagt: Ich will aufhören, ihn zu lieben.

Das Ziel, auf das wir alle hinschauen, ist eines, das wir gar nicht erreichen wollen. Der fertige Weg ist eine Illusion. Nicht, weil du zu langsam bist, sondern weil es ihn nicht gibt.

Und solange er im Kopf steht, misst du. Jeden Tag, meist ohne es zu merken. Du vergleichst dich mit einem Punkt, den du nie erreichen wirst, und das Ergebnis ist immer dasselbe: zu wenig, zu langsam, noch nicht. Zu der Trauer kommt ein zweites Leid, das komplett hausgemacht ist.

Es bleibt eine kleinere Frage übrig, und die ist beantwortbar: Wie war gestern, und wie ist heute. Sie vergleicht dich mit niemandem außer mit dir selbst.

Die Liebe hört nicht auf. Deswegen hört die Trauer nicht auf. Das ist keine schlechte Nachricht, das ist der Preis dafür, dass es ihn gab.

Wenn du damit nicht allein bleiben willst: Bei TrostHelden findest du Menschen, die genau da stehen.

Einen ausführlichen Beitrag zum Thema gibt es auf Wunsch (Mail an [email protected]).

Adresse

C/o RSM GmbH, August Bebel Allee 1
Bremen
28329

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