18/08/2018
Interessanter Ansatz, lesenswert 👍🏻
In Teil II meiner Serie zu den Zusammenhängen im Pferdekörper geht es um die Blockaden der Lendenwirbel. Diese können das Pferd veranlassen, mit der Hinterhand in die Bahn zu drängen und sich quasi wie ein Hund auf drei oder vier Hufschlägen zu bewegen, es kommt zu Schwierigkeiten in den Seitengängen und die Pferde kommen beim Wälzen häufig nicht herum, bzw. wälzen sich gar nicht mehr. Wiederkehrende, persistierende Blockierungen in den Lendenwirbeln stehen sehr häufig in Zusammenhang:
A) mit den Erkrankungen der Knie. Besonders bei der wachstumsbedingten Instabilität der Kniegelenke durch eine springende oder festgestellte Kniescheibe, welche bei den modernen Pferden sehr häufig zwischen dem fünften und neunten Lebensjahr anzutreffen ist, findet sich fast immer auch eine Blockierung des dritten und fünften Lendenwirbels. Die Instabilität der Kniescheibe führt zu Bewegungsstörungen, welche besonders im Trab an der Longe und generell in engen Wendungen im Trabe gut zu sehen sind, vor allem, wenn das betroffene Bein aussen ist. Es kommt dann zu einer sehr gut erkennbaren Verzögerung der Vorführphase. Diese Pferde haben ausserdem erhebliche Schwierigkeiten mit der Lastaufnahme/Versammlung, da sie das instabile Bein nicht belasten wollen. Wenn das Bein zweimal weg gesackt ist, stellen sich die Pferde nachvollziehbarer Weise ungern ein drittes Mal darauf. Häufig sieht man auch ein Wegsacken/Einknicken mit der Hinterhand in den Übergängen vom Galopp zum Trab, und, noch deutlicher, vom Trab zum Schritt.
Aber auch Erkrankungen der Knie durch Verletzung, Trauma oder Verschleiss, ziehen die Blockaden der Lendenwirbel nach sich. Diese lassen sich dann erst dauerhaft beheben, wenn die Erkrankung des Knies auskuriert ist. Man sollte sie dennoch zwischendurch immer wieder lösen, denn die negative Auswirkung gilt natürlich auch andersherum, also vom Lendenwirbel auf das Knie.
B) Blockierungen der Lendenwirbel stehen ausserdem ganz klar im Zusammenhang mit Kotwasser. Bei allen von mir untersuchten Pferden, die unter Kotwasser litten, fanden sich Blockaden in der Lendenwirbelsäule. Meist waren der dritte und vierte Lendenwirbel betroffen. Das Interessante: Häufig liess sich nur durch die Beseitigung der Blockaden, das Kotwasser vollständig beheben. Liegt eine interne Ursache vor, wie ungeeignetes Futter (Heulage, Silage...), Allergien, Magengeschwüre oder Entzündungen des Magen- Darmtraktes, werden die Blockierungen in den Lendenwirbeln jedoch so lange wieder auftreten, bis die Ursache für die Beunruhigung des Darmes abgestellt ist. Auch hier sollten die Lendenwirbel dennoch regelmässig mobilisiert werden, um eine Heilung zu unterstützen.
C) Blockaden der Lendenwirbel können desweiteren mit den Erkrankungen der Geschlechtsorgane in Zusammenhang gebracht werden. Sowohl bei Stuten mit Zystenbildung an den Eierstöcken oder in der Gebärmutter und hormonellen Dysfunktionen oder Imbalancen, als auch bei Hengsten mit aufgezogenen Hoden, Deckunlust und Entzündungen der Samenstränge oder anderen Erkrankungen der Reproduktionsorgane, sind immer der zweite, manchmal auch der fünfte, Lendenwirbel blockiert. Hier ist es interessant zu wissen, dass ich nur durch das Lösen der Blockade des L2 etliche Fälle von Deckunlust und hochgezogenen Hoden innerhalb von Minuten lösen konnte.
Bei Stuten mit wiederkehrenden Blockaden der Lendenwirbel empfiehlt sich eine Abklärung der Geschlechtsorgane durch Ultraschall und eine Bestimmung der Hormone im Blutbild. Etliche Stuten, die als „unrittig“ und „schwierig“ gelten, haben in Wirklichkeit schlicht Rückenschmerzen und leiden unter Hormonschwankungen. „PMS“, gewissermaßen.
Natürlich hat nicht jedes Pferd mit Blockaden der Lendenwirbelsäule auch immer eine der anderen Erkrankungen - aber wiederkehrende, hartnäckige Blockaden in diesem Bereich können eben mit den genannten Erkrankungen in Zusammenhang stehen.
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