06/09/2026
𝗪𝗮𝘀 𝘄ä𝗿𝗲 𝘄𝗲𝗻𝗻 𝘄𝗶𝗿 𝗮𝘂𝗳𝗵ö𝗿𝗲𝗻 𝘄ü𝗿𝗱𝗲𝗻 𝗠𝗲𝗻𝘀𝗰𝗵𝗲𝗻 𝗣𝗿𝗼𝗯𝗹𝗲𝗺𝗲 𝗲𝗶𝗻𝘇𝘂𝗿𝗲𝗱𝗲𝗻, 𝗱𝗶𝗲 𝘀𝗶𝗲 𝗴𝗮𝗿 𝗻𝗶𝗰𝗵𝘁 𝗵𝗮𝗯𝗲𝗻?
Ich habe heute mehrere Texte gelesen, die mich ziemlich getriggert haben.
Einer davon drehte sich um 𝘚𝘦𝘹𝘶𝘢𝘭𝘪𝘵ä𝘵.
Sinngemäß ging es darum, dass wenig o keine Lust auf S*x ein Hinweis auf Trauma, Vermeidung, hormonelle Themen o fehlenden Kontakt zum eigenen Körper sein kann. Das kann wohl sein. Aber es muss nicht sein.
Solche unsensiblen Texte von vermeintlichen Coaches gehen mir richtig auf die Nerven. Weil ich immer wieder beobachte, wie schnell wir anfangen, etwas als Problem zu definieren, nur weil es nicht unserer Vorstellung von einem erfüllten, gesunden o „richtigen“ Leben entspricht.
Kein S*x? Da stimmt etwas nicht.
Übergewicht? Da muss unbedingt etwas verändert werden.
Wenig soziale Kontakte? Depression
Keine Lust auf Karriere? Zu wenig Ehrgeiz.
Aber was, wenn diesem Menschen gar nichts fehlt? Was, wenn etwas einfach nur anders ist?
Ich arbeite genau deshalb anders.
Mich interessiert zuerst:
Leidest du darunter?
Schränkt es deine Lebensqualität ein?
Fehlt dir etwas?
Oder wurde dir nur beigebracht, dass dir etwas fehlen sollte?
Das ist für mich ein riesiger Unterschied.
Natürlich arbeite ich viel mit Menschen, die sich Veränderung wünschen.
Weil Übergewicht, Schmerzen, Erschöpfung, fehlende Beweglichkeit, geringe Belastbarkeit oder gesundheitliche Einschränkungen ihnen Lebensqualität nehmen. Und dann ja, dann gibt es ein echtes Bedürfnis.
Nicht: “Ich muss dünner sein, damit ich richtig bin.“ Sondern: “Ich möchte mich in meinem Körper wieder freier, gesünder und wohler fühlen.“
Gute Begleitung bedeutet für mich deshalb nicht, vorzugeben, was ein erfülltes oder gesundes Leben ausmachen sollte.
Sondern Menschen dabei zu unterstützen, ihre eigenen Bedürfnisse, Werte und Grenzen wieder klarer zu erkennen und danach zu leben.
Denn oft sagt unser Drang, andere verändern zu wollen, mindestens genauso viel über uns selbst aus wie über den Menschen, den wir gerade beurteilen.
“Wir sehen die Welt nicht, wie sie ist. Wir sehen sie, wie wir sind.”