17/07/2025
Hallo, hier spricht Kölle:
„Mir stinkt’s. Der Geruch ist unerträglich. Es riecht nach „Pisse“.
Ich bin so schmutzig, das wäscht auch der nächste Regen nicht weg.
Liebe Politik, ich brauche Eure Hilfe, ich war mal Kölle mit Jeföhl.
Jetzt bin ich Hölle im Jewühl.
So komm ich nicht mehr klar.
Seit Wochen wird nun über meinen Zustand berichtet.
Aber ich versinke weiter in Drogen und Kriminalität.
Belagert von brabbelnden, verschmutzten Gestalten, die jegliche Kontrolle über ihr Verhalten verloren haben. Ihre Körper übersät mit offenen Wunden, das Gehirn von chemischen Substanzen zersetzt.
Ich weine. Um mich, das hab ich nicht verdient. Und meine BewohnerInnen erst recht nicht. Sie waren bisher ein Inselchen der Toleranz und Leichtigkeit, statt dessen sind sie wütend und verzweifelt.
Sie rufen nach dem Staat. Er soll das regeln. Das macht mir Sorgen, denn da der nichts tut, schreien die ersten schon nach einer Bürgerwehr, die sie schützen soll. Oder sie wollen die Abhängigen auf eine Insel verfrachten oder wegschliessen und das sind noch die harmlosen Gedanken.
Was macht ihr?
Ihr schreibt Tipps auf eurer homepage und die sind so hilflos, da verzweifle ich schon beim Durchlesen.
Ihr schickt die Polizei, das Ordnungsamt, aber das verändert (bisher) nichts.
Es verlagert das Problem nur.
Ihr diskutiert über Konsumräume. In der Zwischenzeit werde ich zur Zombietown. Die Zustände sind unterirdisch.
Alles findet öffentlich statt, der nächste Schuß, das Dealen, Crack rauchen.
Ich will das nicht (mehr) sehen, es ist mir wirklich zu viel.
Die Ursachenforschung hilft mir aktuell nicht weiter, ich brauche auch keine Studien, ich hab ja Augen im Kopf.
Ich suche nach einer Lösung, da alles aus dem Ruder läuft.
Liebe Politik, ihr habt den Schuß nicht gehört, aber ich hab ihn gesehen, jeden Tag sitzen sie hinter einer Haustür, auf einer U-Bahn Treppe und spritzen sich ihre Drogen oder falten das nächste Stückchen Alufolie mit Crack. Sie schreien, und zerstören, nicht nur sich, sondern auch ihre Umgebung.
Was macht das eigentlich mit Kindern und Jugendlichen, die daran vorbei gehen und denken, das wäre normal.
Wir können so nicht weitermachen.
Es gab mal ein paar Alkis, ein paar Junkies, die gehörten halt dazu.
Was jetzt passiert, ist komplett außer Kontrolle geraten.
So kann hier niemand mehr wohnen.
Oder arbeiten.
Ihr wollt nach Olympia und bekommt noch nicht mal eure eigenen Baustellen in den Griff.
Springt in die Startlöcher und tut etwas und zwar sofort.
Es ist schon lange nach 12.“
Dein Kölle, mit Jeföhl.
Der Text wurde geschrieben mit sMI (subjektiv geprägter menschlicher Intelligenz) von Birgit Schlenther, derGesangsladen, Köln, die sich Sorgen macht, nicht nur um ihre GesangsschülerInnen.