02/09/2026
Mündliche Noten
Zuvor möchte ich eins klarstellen: dies soll kein Lehrerbashing werden, zumal ich sehr verständige Lehrer in meinem Freundeskreis sowie in meiner Familie habe.
Auch lasse ich bewusst jegliche Auseinandersetzungen zum Thema Nachteilsausgleich außen vor.
Wir hier in der Ergotherapie erleben seit geraumer Zeit eine erhöhte Anmeldezahl von Schülern und Schülerinnen im Grundschul- und Teenageralter, die und deren Eltern wegen Schulangst und/oder Schulverweigerung Hilfe suchen.
Es gibt viele Ursachen, natürlich auch welche die außerhalb der Schule liegen, aber ein Thema nimmt in unseren Teambesprechungen immer wieder viel Raum ein. Die mündlichen Noten.
Ich finde, mündliche Noten sollten dafür da sein, um z.B. schlechtbewertete schriftliche Leistungen ausgleichen zu können. Doch leider erleben wir immer wieder Kinder und Jugendliche, die starke schriftliche Leistungen erbringen, aber als zu ruhig gelten und schlechtere Noten als der schriftliche Durchschnitt auf dem Zeugnis stehen haben. Diese Kinder sind frustriert und müssen sich Aussagen wie z.B. " das ärgert dich bestimmt so, dass du beim nächsten Mal präsenter bist" anhören müssen. Manche Kinder sind in so großen Klassengemeinschaften schon gestresst genug, wenn nun eine zurückhaltende Persönlichkeit auf einmal hierdurch als Missstand bewertet wird, versteht sich das Kind zusätzlich als unzureichend. In verunsichernden Zeiten ist nicht zu unterschätzen wie sich dies auf Heranwachsende auswirken kann.
Was genau will Schule damit auch bezwecken? Dass alle Kinder präsent sind und unter Umständen laut. Ich finde es so schön, dass es auch ruhige, nachdenkliche Kinder und später Erwachsene gibt.
Wenn ich gefragt werde, unabhängig von einer Diagnose, ob Ergotherapie notwendig ist, beantworte ich dies gerne: nur wenn ein Leidensdruck besteht. Warum also Leidensdruck schaffen, wo keiner sein müsste.