12/06/2026
Eine aktuelle Studie hat gezeigt, dass Pferde aus der Beobachtung von Mensch-Mensch-Interaktionen lernen können.
Die Pferde beobachteten Menschen an zwei verschiedenen Futterplätzen.
An einem Platz verlief die Begegnung freundlich und positiv. Am anderen Platz negativ.
Anschließend durften die Pferde selbst wählen. Und viele entschieden sich für den Futterplatz, an dem zuvor die positive Interaktion stattgefunden hatte.
Die Menschen waren zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr dort.
Als ich das gelesen habe, musste ich sofort an etwas denken.
An all die Pferde, die als „Sorgenkind“, „Montagspferd“ oder „schwierig“ bezeichnet werden.
Nein, die Studie hat das nicht untersucht.
Aber sie zeigt einmal mehr, wie aufmerksam Pferde ihre Menschen beobachten.
Und sie wirft für mich eine spannende Frage auf:
Welche Botschaft sende ich meinem Pferd jeden Tag, ohne es zu merken?
Denn Worte bleiben selten nur Worte.
Sie verändern unsere Aufmerksamkeit.
Unsere Erwartungen. Unsere Körpersprache. Unsere Stimmung.
Und genau darauf reagieren Pferde.
Vielleicht ist deshalb die wichtigere Frage nicht:
„Versteht mein Pferd meine Worte?“
Sondern:
„Was lernt mein Pferd durch die Art, wie ich über es denke, spreche und ihm begegne?“
Für mich beginnt Veränderung oft nicht erst im Training, sondern in dem Blick, mit dem wir unser Pferd betrachten.
Quelle:
Krueger, K., Roll, A., Beyer, A.J. et al. (2025). Learning from eavesdropping on human-human encounters changes feeding location choice in horses (Equus caballus). Animal Cognition, 28, 23.