05/09/2026
Warum heilt diese Wunde nicht?
Hinter einem Ulcus am Unterschenkel kann beispielsweise eine chronisch venöse Insuffizienz, eine arterielle Durchblutungsstörung oder eine Kombination aus beiden stehen.
Beim diabetischen Fuß können Neuropathie, mechanische Druckbelastung, Fehlstellungen, Infektionen und eine begleitende pAVK entscheidende Faktoren sein.
Auch Ödeme, Begleiterkrankungen, Medikamente, Ernährung und weitere heilungshemmende Faktoren können den Verlauf beeinflussen.
Und manchmal passt eine Wunde trotz aller bisherigen Überlegungen nicht zum erwarteten klinischen Bild.
Dann muss die Diagnose erneut hinterfragt werden.
Professionelle lokale Wundversorgung bleibt wichtig. Reinigung, Debridement, Exsudatmanagement und eine indikationsgerechte Wundauflage schaffen gute Bedingungen für die Wundheilung.
Sie können jedoch eine fehlende Ursachenklärung nicht ersetzen.
Genau deshalb braucht die Versorgung chronischer Wunden Zusammenarbeit.
Pflege erkennt Veränderungen im Alltag. Wundmanagement beurteilt und dokumentiert den Verlauf. Ärztinnen und Ärzte übernehmen Diagnostik und Therapieentscheidungen. Je nach Ursache werden weitere Fachdisziplinen wie Angiologie, Gefäßchirurgie, Diabetologie, Dermatologie, Podologie oder Orthopädietechnik einbezogen.
Nicht jeder Patient benötigt jede Fachdisziplin.
Aber jeder Patient mit einer chronischen Wunde benötigt eine nachvollziehbare Ursachenklärung und einen darauf abgestimmten Behandlungsplan.
Vielleicht sollten wir deshalb in der Wundversorgung häufiger eine einfache Frage stellen:
Behandeln wir die Ursache oder versorgen wir gerade nur ihre sichtbare Folge?
Genau darüber möchten wir im Netzwerk Chronische Wunde Mitteldeutschland den fachübergreifenden Austausch fördern.
Wie erlebt ihr das in eurem Versorgungsalltag? Welche Ursachen werden bei stagnierenden Wunden aus eurer Erfahrung noch zu häufig zu spät erkannt?