03/09/2026
Früher setzte man sich vor das Haus. Heute setzen wir uns hinter das Haus.
Ich musste über diesen Unterschied nachdenken, als ich vor kurzem alte Photos sah, auf denen die Hausbank vor dem Haus stand, direkt neben der Eingangstür.
Anscheinend saß man dort abends nach der Arbeit. Die alten Leute schauten auf die Straße, man putzte Gemüse, erledigte kleine Arbeiten und ruhte sich ein wenig aus. Und wenn jemand vorbeikam, blieb er vielleicht stehen. Man grüßte sich, wechselte ein paar Worte, erfuhr, was es Neues gab, und manchmal setzte sich jemand dazu.
Die Hausbank war damit ein merkwürdiger Ort. Sie gehörte zum Haus und gleichzeitig zur Straße. Man war also noch zu Hause und gleichzeitig schon mitten im Leben der anderen.
Heute bauen wir unsere Sitzplätze ganz anders.
Die Terrasse liegt hinter dem Haus, der Garten wird von einer Hecke umgeben und wir stellen Tisch und Stühle so auf, dass wir möglichst ungestört sind.
Natürlich verstehe ich das, denn auch ich möchte nicht ständig von jedem gesehen werden, der auf der Straße vorbeigeht. Aber ich glaube, dass sich damit mehr verändert hat als nur die Lage unserer Gartenmöbel.
Denn auf der alten Hausbank musste man sich nicht verabreden. Man musste niemanden anrufen, kein Treffen vereinbaren, sondern einfach draußen sitzen und warten, bis jemand vorbeikam.
Heute sitzen wir alleine im Garten und genießen die Ruhe.
Ich glaube, dass diese verschwundenen Hausbänke eine Geschichte darüber erzählen, wie sich unser Zusammenleben verändert hat. Wir haben gelernt, unsere privaten Räume abzuschirmen und vor der Außenwelt zu schützen.
Doch bei allen Vorteilen haben wir damit auch einen Raum verloren, der weder ganz privat noch ganz öffentlich war.
Diese einfache Bank vor dem Haus, auf der man saß und darauf wartete, wer gerade vorbeikam.
Wer gerne mehr solcher Geschichten und Gedanken liest: Drei meiner Kulturgeschichten können Sie hier kostenlos lesen: https://salon.der-leiermann.com/de/manche-buecher-begleiten-uns-ein-leben-lang/