Demenz im Alltag: Praktische Hilfe für Angehörige

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Mein Ziel war, ein größtenteils praktisches Buch zu schreiben, das im Alltag verwendet werden kann zur Unterstützung der Pflege, zur Verbesserung der Einstellung zur Demenz Krankheit.

7 häufige Fehler, die bei Demenz unbeabsichtigt zu Gewichtsverlust führen könnenWenn ein geliebter Mensch mit Demenz an ...
31/07/2026

7 häufige Fehler, die bei Demenz unbeabsichtigt zu Gewichtsverlust führen können

Wenn ein geliebter Mensch mit Demenz an Gewicht verliert, ist unser erster Gedanke meist: „Er isst nicht genug.“
Doch das Problem ist oft nicht so einfach, wie dass kein Essen vor ihm steht – vielmehr erschweren kleine, alltägliche Dinge das Essen. Schauen wir uns die häufigsten Ursachen an.

1. Eine zu große Portion auf den Teller geben
Viele Menschen denken: Wenn ein Betroffener schon wenig isst, sollte zumindest eine große Portion vor ihm stehen. Doch ein voll beladener Teller kann auf viele Menschen mit Demenz angsteinflößend wirken. Sie schauen ihn an, und der Appetit ist sofort vergangen. Eine viel bessere Lösung ist es, kleinere Portionen anzubieten. Wenn aufgegessen ist, kann jederzeit nachgereicht werden. So isst Ihr Angehöriger oft mehr, als wenn er zu viel Essen auf einmal vor sich sieht.

2. Sich nur auf die drei Hauptmahlzeiten verlassen
Viele halten streng am Rhythmus von Frühstück, Mittagessen und Abendessen fest. Doch bei Demenz funktioniert es oft besser, wenn über den Tag verteilt mehrere kleinere Mahlzeiten aufeinander folgen. Eine Banane, ein Joghurt, ein paar Würfel Käse oder eine Scheibe Süßbrot können auch zwischen zwei Mahlzeiten viel bewirken. Es ist nicht schlimm, wenn die Tagesmenge nicht auf einmal gegessen wird.

3. Zu viel Unruhe beim Essen
Ein eingeschalteter Fernseher. Mehrere Personen, die gleichzeitig sprechen. Ein klingelndes Telefon. Diese Dinge können einen Menschen mit Demenz leicht ablenken. Versuchen wir, eine ruhige Umgebung zu schaffen. Oft hilft schon das allein, damit ein paar Bissen mehr gegessen werden.

4. Nicht bemerken, dass der Mund wehtut
Wenn jemand Zahnschmerzen hat oder die Zahnprothese drückt, isst er natürlicherweise ungern. Ein geliebter Mensch mit Demenz kann Ihnen dies jedoch nicht immer mitteilen. Es lohnt sich, auf die kleinen Zeichen zu achten. Zum Beispiel, wenn er nur auf einer Seite kaut, das Essen ausspuckt oder beim Kauen das Gesicht verzieht.

5. Zu wenig Flüssigkeit trinken
Flüssigkeitsmangel verschlechtert nicht nur das Wohlbefinden, sondern kann auch den Appetit mindern. Zudem kommt es häufiger zu Verstopfung, was die Lust am Essen ebenfalls nimmt. Warten wir nicht, bis Ihr Angehöriger um etwas zu trinken bittet. Bieten Sie ihm häufig kleinere Mengen an. Viele Betroffene nehmen Tee, Suppe, Obst oder sogar einen Smoothie viel leichter an als ein Glas Wasser.

6. Immer dasselbe kochen
Vielleicht hat Ihr Angehöriger früher Kohlrouladen geliebt. Heute interessiert er sich aber möglicherweise überhaupt nicht mehr dafür. Bei Demenz kann sich auch der Geschmack verändern. Viele Betroffene bevorzugen süße Aromen, andere verlangen nach weicherer Nahrung. Es lohnt sich, manchmal zu experimentieren. Ein einfacher Pfannkuchen, Grießbrei oder ein Fruchtjoghurt kann ein größerer Erfolg sein als das frühere Lieblingsgericht.

7. Nach dem ersten „Nein“ aufgeben
– Möchtest du etwas Mittagessen?
– Nein.
Und damit ist die Mahlzeit schon beendet. Dabei ist es gut möglich, dass der Betroffene zehn Minuten später gerne etwas essen würde. Stimmung und Aufmerksamkeit eines Menschen mit Demenz können sich rasch ändern. Es lohnt sich, es später noch einmal zu versuchen. Ohne Zwang, ohne Diskussion, einfach freundlich erneut die Möglichkeit zum Essen anbieten. Sehr oft wird es beim zweiten oder dritten Versuch angenommen.

Ein kleiner Trick, der oft funktioniert
Wenn es Ihrem Angehörigen schwerfällt, sich zum Essen hinzusetzen, fragen Sie nicht:
– Hast du Hunger?
Oft antwortet er darauf automatisch mit Nein. Versuchen Sie es stattdessen so:
• Probier mal, das ist wirklich lecker geworden!
• Probier mal, ob das salzig genug ist!
• Ich esse jetzt ein wenig, setz dich zu mir!

Das Essen wird dann nicht zu einer Aufgabe, sondern zu einer gemeinsamen Aktivität.

Warum nehmen viele Menschen mit Demenz ab? Und was können wir dagegen tun?Viele Angehörige erschrecken, wenn sie sehen, ...
27/07/2026

Warum nehmen viele Menschen mit Demenz ab? Und was können wir dagegen tun?

Viele Angehörige erschrecken, wenn sie sehen, dass ihr geliebter Mensch mit Demenz immer dünner wird. Gewichtsverlust ist bei Demenz leider sehr häufig und hat meist nicht nur eine einzelne Ursache. Mehrere kleinere Faktoren kommen zusammen, die letztendlich dazu führen, dass Ihr Angehöriger weniger isst. Schauen wir uns an, was dahinterstecken könnte.

Einfach kein Appetit mehr
Eine Demenz kann die Bereiche im Gehirn betreffen, die das Hunger- und Sättigungsgefühl steuern. Aus diesem Grund kann es vorkommen, dass Ihr geliebter Mensch mit Demenz schlicht keinen Hunger mehr verspürt. Zudem treten oft Begleiterscheinungen wie Depressionen oder Ängste auf. Auch in diesen Fällen nimmt der Appetit ab.

Vergessen zu essen
Manche Betroffene nehmen ab, weil sie schlichtweg vergessen zu essen. Manchmal:
• erkennen sie das Essen nicht,
• wissen sie nicht, wie sie mit dem Essen beginnen sollen,
• oder sie denken nach wenigen Bissen bereits, sie hätten ihre Mahlzeit schon beendet.

Das Essen fällt schwerer
Mit dem Fortschreiten der Erkrankung können sich die Handbewegungen verschlechtern, die Hände können zittern oder die Benutzung eines Löffels wird schwieriger. Oft liegt es nicht am fehlenden Appetit, sondern das Essen selbst bereitet so große Mühe, dass der Betroffene einfach aufgibt und nicht weiterisst.

Das Essen schmeckt nicht mehr wie früher
Demenz kann auch den Geschmacks- und Geruchssinn verändern. So kann es sein, dass früher beliebte Gerichte auf einmal völlig fade schmecken und daher nicht mehr gern gegessen werden. Andere Betroffene wiederum suchen nach viel intensiveren Aromen oder haben ein stärkeres Verlangen nach süßen Speisen.

Schluckbeschwerden können entstehen
In späteren Stadien der Demenz kann auch das Schlucken schwerer fallen. Wenn Ihr Angehöriger mit Demenz beim Essen viel hustet, sich verschluckt oder nur sehr langsam essen kann, sollten Sie dieses Problem unbedingt mit einem Arzt besprechen.

Es könnte eine andere Krankheit dahinterstecken
Nicht für jeden Gewichtsverlust ist die Demenz verantwortlich. Auch Zahnschmerzen, eine schlecht sitzende Zahnprothese oder eine Entzündung im Mundraum können Appetitlosigkeit verursachen. Wenn der Gewichtsverlust plötzlich auftritt oder sehr stark ist, holen Sie immer ärztlichen Rat ein.

Einsamkeit nimmt ebenfalls den Appetit
Bedenken Sie einmal: Jeden Tag alleine am Tisch zu sitzen, ist keine sehr freudige Angelegenheit. Viele Menschen essen viel lieber, wenn sich jemand zu ihnen setzt. Sie müssen dabei gar nicht viel sprechen; schon das gemeinsame Mittagessen hilft.

Menschliches Verhalten beruht oft auf gegenseitiger Nachahmung. Wenn Ihr Angehöriger mit Demenz sieht, dass Sie ebenfalls essen, wird er sehr viel eher auch damit beginnen. Das funktioniert besonders gut, wenn wir den Betroffenen nicht drängen oder beobachten, sondern einfach gemeinsam eine Mahlzeit einnehmen.

In diesem Fall wirkt das Essen nicht wie eine Pflicht, sondern wie eine ganz natürliche, gemeinsame Aktivität. Dies ist eine der einfachsten und zugleich wirksamsten Methoden.

Was können wir tun, um das Essen zu erleichtern?
Es gibt keine Einzelmethode, die bei jedem funktioniert, aber folgende Ansätze haben sich in vielen Familien bewährt:

Bieten Sie öfter kleinere Mahlzeiten an
Anstelle von drei großen Mahlzeiten versuchen Sie, über den Tag verteilt fünf oder sechs kleinere Portionen anzubieten. Oft fällt es leichter, ein halbes Brot oder einen Becher Joghurt aufzuessen als einen voll beladenen Teller zum Mittagessen.

Machen Sie das Essen nährstoffreich, nicht nur üppig
Wenn Ihr geliebter Mensch mit Demenz bereits weniger isst, zählt jeder Bissen. Es lohnt sich, Speisen zuzubereiten, die schon in kleinen Mengen viel Energie enthalten und nahrhaft sind, wie zum Beispiel:
• Eier,
• Käse,
• Quark,
• griechischer Joghurt,
• Cremesuppen,
• Smoothies.

Halten Sie das Essen einfach
Wenn die Nutzung von Besteck schwierig geworden ist, können wir Fingerfood zubereiten, das sich leicht mit der Hand greifen lässt. Oft wird dieses viel lieber angenommen.
Zum Beispiel:
• Käsewürfel,
• Bananenscheiben,
• geviertelte hartgekochte Eier,
• kleine Schnittchen,
• Frikadellen / Fleischbällchen,
• geschnittene Pfannkuchen.

In einer ruhigen Umgebung isst es sich leichter
Schalten Sie den Fernseher aus, drehen Sie das Radio leiser und telefonieren Sie nicht im selben Raum. Zu viele Geräusche oder Reize können einen Menschen mit Demenz leicht vom Essen ablenken.

Nutzen Sie schlichte Teller mit hohem Kontrast
Das klingt vielleicht ungewöhnlich, aber viele Menschen mit Demenz tun sich schwer damit, das Essen vom Teller zu unterscheiden besonders dann, wenn der Teller ein Muster hat oder die gleiche Farbe wie das Essen aufweist. Kartoffelpüree auf einem weißen Teller kann beispielsweise fast „unsichtbar“ werden. Wenn wir dasselbe Essen auf einen blauen oder roten Teller geben, ist es viel leichter zu erkennen.

Halten Sie das Essen warm
Bei einer Demenz dauert eine Mahlzeit oft 30 bis 40 Minuten. In dieser Zeit kann das Essen abkühlen, und kalte Speisen wirken weniger appetitlich. Wenn Sie merken, dass Ihr Angehöriger langsam isst, geben Sie ihm lieber erst eine kleinere Portion auf den Teller, halten Sie den Rest warm und füllen Sie bei Bedarf nach. So bleibt jede Portion frisch und ansprechend.

Geben Sie ausreichend Zeit
Hetzen Sie den Betroffenen nicht, wenn er langsam isst. Langsames Essen ist für einen älteren Menschen mit Demenz völlig normal.
Achten Sie auch auf die Flüssigkeitszufuhr
Es lohnt sich, häufig Tee, Suppe oder Obst anzubieten, da diese viel Flüssigkeit enthalten.

Holen Sie sich bei Bedarf Hilfe
Hält der Gewichtsverlust an, sprechen Sie unbedingt mit dem behandelnden Arzt. Möglicherweise stellt sich heraus, dass spezielle Nahrungsergänzungsmittel erforderlich sind.

Machen Sie sich keine Vorwürfe, wenn Ihr geliebter Mensch mit Demenz an Gewicht verliert. Gewichtsverlust ist ein häufiger Begleiter der Demenz, und trotz aller Anstrengungen ist er oft nicht leicht aufzuhalten. Das Ziel ist nicht, große Portionen um jeden Preis durchzusetzen, sondern dem Betroffenen zu helfen, möglichst viele nahrhafte Bisse in einer ruhigen, angenehmen Umgebung zu genießen.

Wie schützt die Pflege sozialer Kontakte unser Gehirn?Zeit mit Freunden zu verbringen, Gespräche in der Familie zu führe...
24/07/2026

Wie schützt die Pflege sozialer Kontakte unser Gehirn?

Zeit mit Freunden zu verbringen, Gespräche in der Familie zu führen oder sich auch nur kurz mit einem Nachbarn zu unterhalten, verbessert nicht nur unsere Stimmung. Eine wachsende Zahl von Studien deutet darauf hin, dass soziale Kontakte auch eine entscheidende Rolle beim Schutz und Erhalt der Gehirngesundheit spielen können.

Warum sind soziale Kontakte so wichtig?
Wenn wir mit anderen sprechen, gemeinsam lachen, an Aktivitäten teilnehmen oder auch über ein Thema diskutieren, werden mehrere Bereiche unseres Gehirns genau im selben Moment aktiv. Wir hören dem anderen zu, rufen Erinnerungen wach, deuten Emotionen, drücken unsere Gedanken aus und reagieren schnell auf den Verlauf des Gesprächs. Dieses komplexe mentale Training hält das Gehirn ganz natürlich in Form.

Welche Wirkung haben soziale Kontakte?
Obwohl soziale Kontakte allein eine Demenz nicht verhindern können, können sie als Teil eines gesunden Lebensstils wesentlich zur langfristigen Gehirngesundheit beitragen. Sozial aktiv zu bleiben, bietet Schutz in vielerlei Hinsicht:

• Sie sorgen für kontinuierliche mentale Stimulation und Herausforderung.
• Sie reduzieren chronischen Stress.
• Sie senken das Risiko, eine Depression zu entwickeln.
• Sie fördern einen aktiven Lebensstil.
• Sie helfen dabei, ein Gefühl von Sinnhaftigkeit und Motivation im Leben zu bewahren.

Einsamkeit ist nicht dasselbe wie Alleinsein
Viele Menschen genießen es, ab und zu Zeit allein zu verbringen, und das ist völlig natürlich. Das eigentliche Problem ist anhaltende Einsamkeit und soziale Isolation. Mit der Zeit kann das Gefühl der Einsamkeit das Stressniveau erhöhen, die Stimmung verschlechtern und sich indirekt negativ auf die Gehirngesundheit auswirken. Deshalb kommt es nicht zwingend auf die Anzahl der Kontakte an, sondern vielmehr auf deren Qualität.

Wie können wir unsere Kontakte pflegen?
Sie müssen nicht ständig von Menschen umgeben sein. Selbst kleine Schritte können einen großen Unterschied machen.
Zum Beispiel:
• Regelmäßig einen Angehörigen oder einen Freund anrufen.
• Gemeinsam spazieren gehen oder eine Tasse Kaffee trinken.
• Einem Verein oder einer örtlichen Gemeinschaftsgruppe beitreten.
• Ehrenamtlich tätig werden.
• An Veranstaltungen vor Ort teilnehmen.
• Gemeinsame Hobbys mit anderen finden.

Was können wir heute tun?
Unsere Gehirngesundheit hängt nicht von einer einzigen großen Entscheidung ab, sondern von unseren täglichen Gewohnheiten. Regelmäßige körperliche Bewegung, eine gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf, geistige Aktivität und die Pflege sozialer Kontakte bilden zusammen den Lebensstil, der die kognitive Gesundheit langfristig unterstützen kann.

Wenn Sie heute Kontakt zu einem alten Freund aufnehmen, Ihren Angehörigen besuchen oder sich einfach für ein paar Minuten mit jemandem unterhalten, tun Sie nicht nur Ihrer Seele etwas Gutes, sondern auch Ihrem Gehirn.

Es lohnt sich wirklich, sich Zeit für Beziehungen zu nehmen – denn jedes Gespräch, jedes gemeinsame Lachen und jeder zusammen verbrachte Moment bereichert nicht nur unser Leben, sondern hilft auch dabei, die Gehirngesundheit zu unterstützen.

Unsere Bücher zum Thema Demenzpflege

Körperhygiene bei Menschen mit Demenz
https://mybook.to/zPHD

Inkontinenz bei Demenz: Ein Ratgeber für die häusliche Pflege
https://mybook.to/dtsF

Depression, Angstzustände und Apathie bei Demenz
https://mybook.to/EfOARQI

Demenz-Leitfaden: Schritt-für-Schritt-Hilfe für pflegende Angehörige
https://mybook.to/YemdB2

Was ich über mich selbst gelernt habe, seit ich meinen an Demenz erkrankten Partner pflege…Wenn mich jemand fragt, woher...
22/07/2026

Was ich über mich selbst gelernt habe, seit ich meinen an Demenz erkrankten Partner pflege…

Wenn mich jemand fragt, woher ich die Kraft nehme, meinen Partner zu pflegen, kann ich ehrlich antworten: Ich hatte keine Ahnung, wozu ich fähig bin. Nicht, weil ich besonders stark wäre. Sondern weil das Leben mir nicht alle Lasten auf einmal aufgebürdet hat.

Anfangs kamen nur ein oder zwei Aufgaben auf mich zu. Nach und nach übernahm ich immer mehr Verantwortung im Haushalt. Zuerst ging es um die Finanzen und das Zubereiten der Mahlzeiten. Später wurde ich für fast alles im Alltag verantwortlich. Heute helfe ich auch bei der Körperpflege.

Hätte mir das alles vor Jahren jemand auf einmal gesagt, hätte ich vermutlich geantwortet: Das könnte ich niemals schaffen. Doch der Mensch ist oft zu mehr fähig, als er glaubt. Wenn man immer nur versucht, den nächsten Schritt zu machen, kann vieles gelingen.
Meine andere wichtige Erkenntnis war, dass ich nicht ständig in der Vergangenheit leben kann. Wenn ich ununterbrochen darauf blicke, wie mein Partner früher war, was wir verloren haben oder wie ungerecht das alles ist, versinkt man sehr leicht in Selbstmitleid.

Diese Gefühle sind natürlich, aber wenn ich den ganzen Tag in ihnen gefangen bleibe, raubt mir das meine Kraft. Deshalb versuche ich stattdessen, mich auf das Heute zu konzentrieren. Darauf, was Ihr geliebter Mensch im Moment braucht, was wir lösen können und was heute gut gelaufen ist. Es ist kein perfektes Leben, aber es ist unser Leben.

Das Leben mit Demenz nimmt einem vieles. Doch gleichzeitig bringt es Fähigkeiten in uns zum Vorschein, von denen wir vorher gar nicht wussten, dass sie existieren. Wir haben uns diesen Weg nicht ausgesucht.
Aber da wir ihn nun einmal gehen, lohnt es sich, hin und wieder innezuhalten und zu erkennen, wie viel wir auf diesem Weg gelernt haben und über uns hinausgewachsen sind.
Ja, ich bin müde und kann nicht immer geduldig sein. Aber ich bin auf eine Weise widerstandsfähig und anpassungsfähig geworden, die ich mir früher nie hätte vorstellen können.

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Warum das Anschauen alter Fotos einem Menschen mit Demenz gut tutFür Menschen, die mit einer Demenz leben, verschwimmen ...
17/07/2026

Warum das Anschauen alter Fotos einem Menschen mit Demenz gut tut

Für Menschen, die mit einer Demenz leben, verschwimmen oder verblassen jüngere Ereignisse oft, während alte Erinnerungen häufig lebendig und klar bleiben. Genau aus diesem Grund ist das gemeinsame Durchsehen alter Fotos nicht nur ein angenehmer Zeitvertreib, sondern auch ein zutiefst liebevolles Hilfsmittel in der Pflege. Wie es helfen kann:

• Es schenkt ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit
Wenn Ihr Angehöriger ängstlich, besorgt oder unruhig van, kann ein vertrautes Gesicht oder eine alte Erinnerung helfen, sich zu beruhigen. Die Vergangenheit fühlt sich für ihn oft viel sicherer und vertrauter an als die Gegenwart.
• Es weckt wunderschöne Erinnerungen
Wenn Bilder aus der Kindheit, Jugend oder von Familienfeiern betrachtet werden, kommen Geschichten, Namen und Gefühle oft ganz von selbst zurück. Diese Erinnerungen bringen echte Freude.
• Es hilft, den Geist aktiv zu halten
Das Sprechen über die Fotos regt das Gedächtnis, die Sprache und das Denken an. Das Ziel dabei ist es niemals, den Betroffenen abzufragen, sondern einfach gemeinsam Erinnerungen zu teilen.
• Es lenkt von schwierigen Situationen ab
Wenn Anspannung aufkommt, Fragen ständig wiederholt werden oder Unruhe spürbar ist, kann das Anschauen alter Fotos die Aufmerksamkeit sanft in eine völlig andere Richtung lenken.
• Es stärkt Ihre Bindung
Die gemeinsam verbrachte Zeit und die Gespräche helfen dem Menschen mit Demenz, Ihre Liebe und ungeteilte Aufmerksamkeit zu spüren.

Bitte korrigieren Sie Ihren Angehörigen nicht und diskutieren Sie nicht mit ihm, wenn er sich anders an eine bestimmte Situation erinnert. Auf die Genauigkeit kommt es nicht an; was wirklich zählt, ist die gemeinsame Zeit.

Manchmal schenkt eine verblasste alte Fotografie weit mehr als tausend Worte. Die Erinnerung an ein altes Familienfest oder ein Moment aus der Jugend kann die Augen Ihres Angehörigen wieder zum Leuchten bringen und dieser flüchtige Moment der Freude kann den gesamten Tag für Sie beide schöner machen.

Wenn ein Mensch mit Demenz stur wirkt – was steckt wirklich dahinter?Viele Angehörige berichten, dass ihr betroffenes Fa...
13/07/2026

Wenn ein Mensch mit Demenz stur wirkt – was steckt wirklich dahinter?

Viele Angehörige berichten, dass ihr betroffenes Familienmitglied „sehr stur geworden ist“. Sie möchten sich nem baden, verweigern die Medikamente, wollen nicht zum Arzt gehen oder sagen einfach zu allem Nein.
Meistens handelt es sich dabei jedoch nicht um Sturheit. Vielmehr fällt es dem Betroffenen aufgrund der Demenz immer schwerer, zu verstehen, was um ihn herum passiert. Das führt zu Unsicherheit, Angst und Überforderung – worauf Ihr Angehöriger oft mit Widerstand reagiert.

Warum kommt so oft ein „Nein“?
• Aus Angst vor dem, was nicht verstanden wird
Durch die Demenz können Situationen, die vom Gewohnten abweichen, leicht beängstigend wirken. Eine neue Pflegekraft, eine ärztliche Untersuchung oder selbst eine kleine Veränderung im Tagesablauf können Verwirrung stiften. Wenn ein Mensch mit Demenz nicht versteht, wer diese Person ist, miat sie möchte oder was mit ihm geschieht, ist es eine natürliche Reaktion, sich selbst schützen zu wollen.
• Weil an Vertrautem festgehalten wird
Tag für Tag erlebt Ihr Angehöriger, dass er die Kontrolle über immer mehr Dinge verliert. Deshalb sind bekannte Routinen und eine vertraute Umgebung besonders wichtig. Wenn sich diese verändern, regt sich leichter Widerstand.
• Weil es schwerfällt, Gefühle auszudrücken
Oft erfolgt das Nein nicht aus mangelnder Bereitschaft zur Zusammenarbeit, sondern weil die Worte fehlen, um mitzuteilen, dass man Angst, Schmerzen oder feste Übermüdung verspürt oder zutiefst verwirrt ist. In solchen Momenten wird der Widerstand zu einer Form der Kommunikation.
• Weil Veränderungen immer schwerer fallen
Mit dem Fortschreiten der Demenz nimmt die Fähigkeit zur Anpassung ab. Was früher einfach und logisch war, ist nun plötzlich zu viel und unverständlich. Eine neue Aufgabe oder Bitte kann schnell überfordern, sodass als Ausweg die Verweigerung gewählt wird.

Was können wir in diesen Situationen tun?
Das Wichtigste ist, nicht zu diskutieren und nicht zu versuchen, den Betroffenen um jeden Preis zu überzeugen. Das verstärkt meistens nur die Anspannung.
Einige einfache Schritte können bereits sehr helfen:
• Sprechen Sie in kurzen, einfachen Sätzen.
• Äußern Sie immer nur eine Bitte auf einmal.
• Teilen Sie eine Aufgabe vagy Bitte in einfachere, kleinere Schritte auf.
• Geben Sie Zeit für die Antwort und drängen Sie nicht.
• Achten Sie darauf, dass sich die alltäglichen Abläufe zu Hause möglichst nicht verändern.
• Bieten Sie, wenn möglich, Auswahlmöglichkeiten an. Zum Beispiel: „Möchten Sie den blauen oder den grauen Pullover anziehen?“ So bleibt das Gefühl erhalten, selbst entscheiden zu dürfen.

Die Ursache sehen, nicht die Sturheit
Wenn Ihr Angehöriger Widerstand leistet, kämpft er meistens nicht gegen Sie. Er kämpft vielmehr mit der eigenen Unsicherheit, mit seinen Ängsten und mit einer Welt, die für ihn immer schwerer zu begreifen ist. Wenn man sich das bewusst macht, fällt es leichter, mit Geduld zu reagieren.

Wiederholungen immer és immer wieder. Wenn die meisten Menschen an Demenz denken, ist Vergesslichkeit das Erste, was ihn...
03/07/2026

Wiederholungen immer és immer wieder.

Wenn die meisten Menschen an Demenz denken, ist Vergesslichkeit das Erste, was ihnen in den Sinn kommt. Zum Beispiel verlorene Erinnerungen oder vergessene Namen. Angehörige sehen sich im Alltag jedoch oft mit einem ganz anderen Problem konfrontiert: ständigen Wiederholungen. Die exakt gleiche Frage, immer und immer wieder. Dieselbe Frage kann mehrmals pro Minute gestellt werden, wie zum Beispiel:

„Wann gehen wir nach Hause?“
„Wie spät ist es?“
„Wann kommst du das nächste Mal?“
„Wo ist mein Portemonnaie?“
Beeinträchtigung der Gedächtnisfunktion
Viele Angehörige denken anfangs, dass ihr geliebter Mensch einfach nicht richtig auf die Antwort geachtet hat. In den meisten Fällen ist dies jedoch nicht der Grund.

Eine der Folgen von Demenz ist, dass neue Informationen nicht mehr verankert és richtig abgespeichert werden können. Die Antwort wird zwar gegeben, und Ihr an Demenz erkrankter Angehöriger versteht sie im Moment vielleicht sogar, aber wenige Minuten später kann er sich nicht mehr daran erinnern. Aus diesem Grund wiederholt er die Frage erneut – selbst wenn er zuvor schon viele Male eine Antwort darauf erhalten hat.

Es ist erschöpfend für die Angehörigen
Die ersten Male fällt es meist noch leicht, geduldig zu bleiben. Man weiß schließlich, dass die Frage nicht mit Absicht noch einmal gestellt wird. Wenn aber die exakt gleiche Frage sechsmal in fünf Minuten kommt, werden wir ungeduldig und sind erschöpft. Viele Menschen fühlen sich in diesen Momenten schuldig. „Warum werde ich eigentlich ungeduldig? Es ist doch nicht seine Schuld.“ Dieses Gefühl (Erschöpfung und Schuldgefühle) ist unter Angehörigen von Menschen mit Demenz sehr weit verbreitet.
Was können Sie tun?

Obwohl es in der Regel unmöglich ist, Wiederholungen völlig zu vermeiden, können einige Methoden dabei helfen, das ständige Fragen zu reduzieren.
• Halten Sie Ihre Antworten kurz: Je länger und detaillierter Ihre Erklärung ist, desto schwieriger kann es sein, sie zu verarbeiten und im Gedächtnis zu behalten. Einfache, kurze Antworten sind besser, zum Beispiel: „Ich komme heute Nachmittag wieder.“, „Dein Portemonnaie liegt in der Schublade.“ oder „Wir brechen nach dem Mittagessen auf.“
• Versuchen Sie, den Fragen zuvorzukommen: Wenn Sie wissen, dass bestimmte Themen regelmäßig auftauchen, lohnt es sich, die Antwort vorab in das Gespräch einzuweben. Zum Beispiel: „Ich gehe jetzt nach Hause, aber ich besuche dich morgen früh wieder.“
• Nutzen Sie visuelle Hilfsmittel: Ein Wandkalender, ein Notizbuch oder ein gut sichtbares Schild können in vielen Fällen helfen. Wenn die betroffene Person ständig fragt, wann die Familie kommt, schreiben Sie es auf einen Wandkalender und zeigen Sie ihr, dass es genau dort steht.
• Gönnen Sie sich eine Pause: Dies ist vielleicht der wichtigste Punkt, da das Wiederholen von Fragen und das ständige Antworten unglaublich erschöpfend sein können.

Pflegende Angehörige eines Menschen mit Demenz haben oft das Gefühl, dass sie immer geduldig sein müssen. Die Realität ist jedoch, dass niemand zu unendlicher Geduld fähig ist. Wenn Sie können, gehen Sie für ein paar Minuten in ein anderes Zimmer, in die Küche oder ins Badezimmer.

Manche Menschen finden in der Stille Ruhe, während andere Entspannung finden, indem sie kurz etwas auf dem Smartphone spielen. Das Wichtigste ist, zu versuchen, sich für einen Moment aus der Situation herauszunehmen, die Ihre Energie raubt. Selbst wenn Sie nicht für einen ganzen Tag wegkönnen: Solche „Mini-Pausen“ (regelmäßige 5-Minuten-Auszeiten zum Durchatmen) können zutiefst erfrischend sein.

Wie kann man einen Menschen mit Demenz bei dieser Hitze zum Trinken bewegen? Die aktuellen Temperaturen sind für uns all...
29/06/2026

Wie kann man einen Menschen mit Demenz bei dieser Hitze zum Trinken bewegen?

Die aktuellen Temperaturen sind für uns alle eine Herausforderung, aber für Menschen mit Demenz oft besonders gefährlich, da das Durstgefühl im Alter und durch die Erkrankung nachlässt. Wenn das reine Trinken aus dem Glas nicht klappt, können Sie die Flüssigkeitszufuhr auch wunderbar über das Essen sichern.

Hier sind ein paar praktische Tipps für den Alltag:
• Wasserreiches Obst und Gemüse: Bieten Sie vermehrt Früchte mit hohem Wassergehalt an (wie Wassermelone oder Erdbeeren). Auch Gemüse eignet sich hervorragend – zum Beispiel feingeriebene Gurken, die leicht zu kauen sind.
• Suppen und Smoothies: Wenn Ihr Angehöriger es mag, ist eine milde Suppe eine tolle Option. Auch selbstgemachte, leckere Fruchtsmoothies werden oft gerne angenommen.
• Trinkbare Milchprodukte: Versuchen Sie es mit einem Joghurt, der eine etwas flüssigere Konsistenz hat, oder mit einem leckeren Shake.
• Der Geheimtipp – Gelees: Geliertes Wasser oder gelierte Säfte sind bei Hitze ideal. Sie binden extrem viel Flüssigkeit und werden im Mund nicht sofort flüssig. Das ist besonders wichtig, falls Ihr betroffener Mensch bereits unter leichten Schluckbeschwerden (Dysphagie) leidet und aus Angst vor dem Verschlucken das Trinken verweigert. Gelees haben die perfekte Konsistenz: weder ganz flüssig noch ganz fest, wodurch sie sich sehr leicht und sicher schlucken lassen. Podukte wie angedickte Säfte lassen sich ganz einfach selbst herstellen.
• Lieblingsgetränke im Blickfeld: Stellen Sie immer ein Glas mit dem Lieblingsgetränk Ihres Angehörigen (z. B. milder Tee oder eine erfrischende Limonade) in Reichweite und Sichtfeld auf. Natürlich nur dann, wenn keine Tendenz dazu besteht, die Becher umzukippen.

Achten Sie gut auf sich und Ihren lieben Menschen in diesen heißen Tagen!
Habt ihr noch weitere Tipps, die bei euch gut funktionieren? Schreibt es gerne in die Kommentare!

Ein Angehöriger erzählt: Wie lange geht das noch so weiter?Mein Papa ist 82 Jahre alt. Er hat keine offizielle Demenzdia...
26/06/2026

Ein Angehöriger erzählt: Wie lange geht das noch so weiter?

Mein Papa ist 82 Jahre alt. Er hat keine offizielle Demenzdiagnose, aber in den letzten 3–4 Jahren hat sich sein Zustand eindeutig verschlechtert. Er hat immer gesagt, dass ihm nichts fehlt, und lange Zeit ist es ihm gelungen, so zu tun, als sei alles in Ordnung – besonders vor Fremden.

Vor Kurzem ist er in ein Seniorenheim gezogen, nachdem er zu Hause mehrmals gestürzt war und ich es nicht mehr für sicher hielt, dass er allein lebt. Die Einrichtung verfügt auch über eine Demenzstation, aber dort ist er derzeit noch nicht untergebracht. Die Untersuchungen laufen, aber auf Termine beim Facharzt muss man Monate warten.

Seitdem höre ich ununterbrochen, wie sehr er es hasst, dort zu sein. Vormittags ist er noch relativ ruhig, aber gegen Abend verändert er sich völlig. Er fleht mich verzweifelt an, ihn nach Hause zu holen, sagt, er werde gefangen gehalten und niemand verstehe ihn.
Er ruft mich mehrmals am Tag an. Manchmal, weil er etwas nicht findet. Ein andermal, weil er mich angeblich dringend braucht. Es kam auch schon vor, dass er mich mitten in der Nacht mehrmals hintereinander wegen eines Problems angerufen hat, das in Wirklichkeit gar nicht existierte.

Ich versuche, so viel wie möglich für ihn da zu sein, aber es wird immer schwerer. Nach jedem Besuch fühle ich mich völlig erschöpft. Ich habe Schuldgefühle, weil ich ihn nicht glücklich machen kann, und gleichzeitig beginne ich mich davor zu fürchten, dass mein Telefon wieder klingelt.

Ehrlich gesagt weiss ich nicht, ob ich das Richtige tue. Ich sehe nur, dass er leidet und ich völlig am Ende meiner Kräfte bin.
Ich weiss, dass das schwer zu hören ist, aber vielleicht ist es an der Zeit, dass Sie einen kleinen Schritt zurücktreten.

Ihr Angehöriger versucht gerade, sich an eine neue Lebenssituation anzupassen. Je mehr Sie versuchen, jedes seiner Probleme zu lösen, desto weniger motiviert wird er sein, eine Bindung zu den Mitarbeitern und den anderen Bewohnern aufzubauen.

Sprechen Sie mit dem Personal der Einrichtung. Fragen Sie nach, welche Gemeinschaftsaktivitäten es gibt und wie man ihm helfen könnte, daran teilzunehmen. Oft sind die ersten Wochen die schwersten, aber mit der Zeit können sich neue Routinen und Bekanntschaften entwickeln.

Versuchen Sie zu akzeptieren, dass nicht mehr Sie jedes einzelne Problem lösen müssen. Dafür ist ein professionelles Team da, um im Alltag für Ihren geliebten Menschen zu sorgen.
Das bedeutet nicht, dass Sie ihn im Stich lassen. Es bedeutet, dass Sie ihm und seiner neuen Umgebung den Raum geben, damit es funktionieren kann.

Viele Familienmitglieder berichten, dass die Hilferufe und die ständigen Bitten, nach Hause zu gehen, nachlassen, wenn der betroffene Mensch schliesslich beginnt, am Gemeinschaftsleben teilzunehmen. Das geschieht nicht von heute auf morgen, aber die Situation verbessert sich oft.

Und vergessen Sie nicht: Nur weil Sie erschöpft sind, lieben Sie ihn nicht weniger. Sie sind einfach ein Mensch.

Der leere Blick als Symptom bei Demenz Ein häufiges Symptom bei einer Demenz ist der sogenannte „leere Blick“. In solche...
22/06/2026

Der leere Blick als Symptom bei Demenz

Ein häufiges Symptom bei einer Demenz ist der sogenannte „leere Blick“. In solchen Momenten scheinen die Augen des Menschen mit Demenz sich nicht auf aussenstehende Dinge zu fokussieren; ihr Blick wirkt distanziert und ausdruckslos. Angehörige haben oft das Gefühl, dass der geliebte Mensch „nicht richtig da“ ist, obwohl er physisch anwesend ist.

Auch die Mimik kann sich verändern
Neben dem leeren Blick kann sich auch der Gesichtsausdruck verändern. Die Mimik wird schrittweise eingeschränkter, und es zeigen sich weniger Emotionen im Gesicht. Ein Mensch mit Demenz hat oft einen maskenhaften Gesichtsausdruck: Er lächelt seltener und reagiert weniger mit Mimik auf das, was um ihn herum passiert. Das bedeutet, dass es für sein Gesicht schwieriger wird, Gefühle widerzuspiegeln. Als Folge davon stellen Angehörige häufig fest, dass die gewohnte emotionale Rückmeldung fehlt.

Die fehlende Verbindung
Dieses Phänomen ist für das Umfeld besonders schwer erträglich. Menschen suchen ganz natürlich den Kontakt zueinander durch Blickkontakt und Mimik. Ein Blick, ein Lächeln oder ein Muskelzucken im Gesicht sind wichtige Rückmeldungen, dass die andere Person uns Aufmerksamkeit schenkt, uns versteht oder mit uns fühlt. Wenn diese Zeichen fehlen, können Angehörige leicht das Gefühl bekommen, dass keine echte Verbindung mehr besteht – oder dass der betroffene Mensch keine emotionale Bindung mehr zu ihnen hat, sie nicht mehr wichtig sind oder er sie nicht mehr liebt.

Schwierigkeiten bei der Wahrnehmung
Der leere Blick und die reduzierte Mimik bedeuten nicht zwangsläufig, dass Ihr Angehöriger mit Demenz keine Gefühle mehr hat. In vielen Fällen fühlt, bindet und reagiert er weiterhin auf seine Nächsten; es fällt ihm aufgrund der Demenz lediglich schwerer, die Ereignisse um sich herum wahrzunehmen oder zu verarbeiten. Er braucht mehr Zeit, um zu erfassen, was passiert, und kann seine Emotionen nicht mehr auf die gleiche Weise ausdrücken wie zuvor. Nur weil das Gesicht oder der Blick weniger Rückmeldung gibt, heisst das nicht, dass im Inneren keine Gefühle vorhanden sind vagy dass ihm die Verbindung nicht wichtig ist.

• Der leere Blick ist nicht dauerhaft.
Viele Angehörige berichten, dass es bessere und schlechtere Phasen gibt. Eine vertraute Stimme, eine schöne Erinnerung, ein geliebtes Familienmitglied oder ein altes Foto können manchmal wieder „Leben“ in die Augen bringen und die Bindung kurzzeitig stärken.
• Zu viele Reize können das Phänomen des leeren Blicks verstärken.
Wenn die Umgebung laut ist, viele Menschen gleichzeitig reden oder zu viele Informationen auf den Menschen mit Demenz einströmen, kann er leicht überfordert werden. In diesen Momenten zieht er sich womöglich noch mehr zurück, und der Blick wirkt noch leerer.
• Ein fehlender Blickkontakt ist nicht gleichbedeutend mit Ablehnung.
Angehörige fassen es oft als persönliche Kränkung oder Gleichgültigkeit auf, wenn der betroffene Mensch sie nicht ansieht. In der Realität liegt es oft einfach daran, dass das Gehirn visuelle Informationen schwerer verarbeiten kann und das Halten von Blickkontakt eine grössere Anstrengung erfordert.
• Emotionen können sich auf andere Weise zeigen.
Auch wenn der Gesichtsausdruck weniger verrät, kann ein Mensch mit Demenz dennoch auf eine Berührung, eine freundliche Stimme, eine Umarmung oder vertraute Musik reagieren.

Diese Reaktionen zeigen, dass die emotionale Verbindung nach wie vor lebendig ist.
Hinter dem leeren Blick liegt oft keine Leere, sondern eine durch die Demenz verursachte Verarbeitungsstörung. Obwohl die Augen und die Mimik weniger Rückmeldung geben, existieren die innere Welt, die Gefühle und die Beziehungen Ihres Angehörigen mit Demenz oft weiter. Es ist wichtig zu wissen, dass die Bindung nicht nur durch Blickkontakt aufrechterhalten werden kann, sondern auch durch die Stimme, Berührung und die einfache Anwesenheit.

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