05/08/2026
Prozesse zu begleiten ist eigentlich etwas sehr natürliches - wir tun es bei unseren Kindern, Familien, Partnern und Freunden. Wir schenken unsere Präsenz und halten den Raum für Prozesse, die noch keinen klaren Ausgang haben. Gehen zusammen durch Dunkelheit, Nichtwissen und den Wachstumsschmerz, in dem oft mühsam eine alte Haut abgestreift wird und die Angst vor der vorübergehenden Nacktheit und Zartheit überwunden wird - bis wir schlussendlich in eine neue Haut wachsen, die nur dann wirklich Echtheit und Stabilität hat, wenn wir sie aus uns selbst heraus bilden.
Prozesse zu begleiten bedeutet nicht, dass wir uns vollkommen aufopfern für den Prozess des anderen und rund um die Uhr damit beschäftigt sind. Es bedeutet nicht, dass wir ständig Ratschläge erteilen und Richtungen vorgeben - sondern es bedeutet in allererster Linie Präsenz - das Hören, Sehen und Da-bleiben. Das Bezeugen mit offenem Herzen.
Denn letzlich muss jeder von uns seinen Weg selbst gehen - und es gehört viel Mut dazu - und für den Begleitenden vor allem Respekt vor der Würde eines jeden Menschen und seinen Entscheidungen.
Wichtig sind dabei auch die eigenen Grenzen, denn ein Fordern von Prozessbegleitung ist nicht möglich, da sie oft mit der Ablehnung von Verantwortung einher geht - und es ist unerlässlich selbst die Verantwortung für die eigenen Prozesse zu übernehmen. Und letzlich basiert dieser Weg auf Freiwilligkeit, Verbindung und Resonanz. Es funktioniert nicht, wenn eines davon fehlt.
Das Vertrauen, dass alle Antworten bereits in uns angelegt sind - und dass sie immer dann aufblühen, wenn Reife und Raum es hergeben, ist eine Grundhaltung dabei. Wie ein Pflänzchen, dass wir wässern, ins Licht stellen und beobachten. Wir sehen was es braucht, indem wir die Farbe der Blätter, Haltung und Wuchsrichtung betrachten und können entsprechende Ressourcen bereit halten, die Nahrung für Wachstum geben.
Auch und vorallem die Natur, Tiere und Pflanzen können unsere Prozessbegleiter sein - denn sie sind unübertroffen in wahrhaftiger Präsenz und dem spiegeln unserer eigenen Muster.
Mögen wir uns gesehen fühlen 🤍