31/08/2026
Es ist traurig und empörend.
Herr Bundeskanzler Merz, die 500 Milliarden Euro, die im Gesundheitssystem ausgegeben werden, sind kein Geschenk an die Ärzte. Das ist Geld, das überwiegend für die Versorgung von 80 Millionen Menschen ausgegeben wird – für Krankenhäuser, Pflege, Medikamente, Therapien, Diagnostik, Rettungsdienste und natürlich auch für die ärztliche Arbeit.
Aus der Tatsache, dass ein System viel Geld kostet, folgt deshalb nicht, dass diejenigen, die darin arbeiten, „Nutznießer“ sind.
Vor allem aber verwechseln Sie zwei völlig unterschiedliche Fragen:
Erstens: Ist unser Gesundheitssystem zu teuer und gibt es dort Einsparpotenzial?
Natürlich. Darüber kann und muss man diskutieren.
Zweitens: Sind die konkreten Reformen, mit denen Sie Geld einsparen wollen, medizinisch sinnvoll und gefährden sie möglicherweise die Versorgung?
Genau darüber müssen Ärzte, Pflegekräfte, Krankenhäuser und Patienten sogar besonders laut diskutieren dürfen.
Wenn ein Arzt sagt: „Diese Honorarkürzung führt dazu, dass ich weniger Patienten behandeln kann“, dann ist das nicht automatisch Eigeninteresse. Es kann schlicht ein Hinweis auf eine Fehlsteuerung der Reform sein.
Und noch etwas: Wenn Ärzte tatsächlich Nutznießer eines ineffizienten Systems sind, dann wäre es doch Aufgabe der Politik, die Fehlanreize zu beseitigen, statt die Ärzte pauschal moralisch zu diskreditieren.
Man kann Ärzte auffordern, ihren Beitrag zur Kostensenkung zu leisten. Man kann ihnen auch Einkommenseinbußen zumuten. Aber man sollte dann bitte mit konkreten Zahlen zeigen, wo unnötige Leistungen erbracht werden, welche Strukturen überflüssig sind und wie dadurch gespart werden kann, ohne die Versorgung zu verschlechtern.
Denn 500 Milliarden Euro Ausgaben sind kein Argument gegen Kritik.
Sie sind ein Argument dafür, besonders genau hinzuschauen, wofür diese 500 Milliarden ausgegeben werden.
Und genau dabei sollte man die Ärzte nicht als Gegner betrachten, sondern als diejenigen, die täglich sehen, wo das System funktioniert – und wo es nicht funktioniert.