02/07/2026
Geplante Pflegereform: Die Verlierer sind Pflegebedürftige und ihre Familien
Die derzeit diskutierte Pflegereform bereitet uns große Sorgen. Sollte sie wie geplant umgesetzt werden, drohen aus unserer Sicht erhebliche Nachteile – nicht nur für Pflegedienste und Pflegeberater, sondern vor allem für die Menschen, die täglich auf Unterstützung angewiesen sind.
Was bedeutet das konkret?
Beispiel 1: Pflegegrad 1
Eine ältere Dame lebt allein in ihrer Wohnung. Sie hat Pflegegrad 1 und erhält monatlich den Entlastungsbetrag. Mit diesem Geld kommt regelmäßig eine Betreuungskraft vorbei, hilft beim Einkaufen, begleitet sie zum Arzt oder unternimmt einen Spaziergang. Dadurch kann die Dame weiterhin selbstständig zu Hause leben.
Fallen diese Leistungen weg oder werden sie gekürzt, kann sie sich diese Unterstützung nicht mehr leisten. Die Folge: Sie vereinsamt, ihre Gesundheit verschlechtert sich und irgendwann wird möglicherweise ein Pflegeheimplatz notwendig – was für die Pflegeversicherung deutlich teurer wäre.
Kurz gesagt: Wer heute spart, zahlt morgen oft ein Vielfaches.
Beispiel 2: Pflegeberatung
Viele pflegende Angehörige wissen anfangs gar nicht, welche Hilfen ihnen zustehen. Im Beratungseinsatz nach § 37 Abs. 3 SGB XI erklärt eine Pflegefachkraft beispielsweise:
welche Pflegehilfsmittel beantragt werden können,
wie Stürze vermieden werden,
welche Entlastungsangebote es gibt,
wie sich die Pflege einfacher organisieren lässt.
Wenn diese Beratung künftig eingeschränkt oder durch ein anderes System ersetzt wird, besteht die Gefahr, dass viele Familien schlechter informiert sind und notwendige Hilfen gar nicht erst beantragen.
Beispiel 3: Selbstständige Pflegeberater
Viele Pflegeberater haben sich auf diese gesetzlich vorgeschriebenen Beratungseinsätze spezialisiert. Fallen diese Leistungen weg oder werden deutlich reduziert, verlieren sie einen wesentlichen Teil ihrer Einnahmen.
Das Gleiche gilt für zahlreiche Betreuungsdienste, die Menschen mit Pflegegrad 1 unterstützen.
Für viele kleine Unternehmen könnte das existenzbedrohend sein.
Die Folgen:
Wenn viele dieser Unternehmen schließen müssen,
gibt es weniger Pflegeberater,
weniger Betreuungsdienste,
längere Wartezeiten,
weniger Hilfe für Pflegebedürftige.
Gerade in ländlichen Regionen könnte es passieren, dass Betroffene überhaupt keinen Anbieter mehr finden.
Unsere Sorge:
Wir befürchten außerdem, dass der Zugang zu Leistungen künftig schwieriger wird. Wenn gleichzeitig Leistungen gekürzt und die Voraussetzungen für einen Pflegegrad strenger ausgelegt werden, könnten viele Menschen die Unterstützung erst später oder gar nicht erhalten.
Das würde die Situation vieler Familien zusätzlich verschärfen.
Das falsche Signal
Deutschland wird immer älter. Der Bedarf an Pflege steigt jedes Jahr.
Eigentlich müsste die Politik jetzt dafür sorgen, dass
mehr Menschen beraten werden,
mehr Betreuung angeboten wird,
pflegende Angehörige entlastet werden
und ambulante Pflege gestärkt wird.
Stattdessen werden Leistungen infrage gestellt, die genau dazu beitragen, dass Menschen möglichst lange in ihrer eigenen Wohnung bleiben können.
Unser Fazit
Wir halten diese Entwicklung für einen schweren Fehler.
Wer heute bei der ambulanten Pflege spart, riskiert morgen höhere Kosten für Krankenhäuser und Pflegeheime.
Pflege ist keine Ausgabe, die man beliebig kürzen kann.
Sie ist eine Investition in die Würde, die Selbstständigkeit und die Lebensqualität von Millionen Menschen.
Deshalb sprechen wir uns entschieden gegen eine Reform aus, die ambulante Versorgungsstrukturen schwächt, Pflegebedürftige schlechterstellt und die Existenz vieler Pflegeberater und Betreuungsdienste gefährdet.
Eine gute Pflegereform muss Pflegebedürftige entlasten – nicht zusätzliche Hürden schaffen.