09/09/2026
Wenn du seit Monaten völlig fertig bist, Herzrasen hast, Brain Fog, Schwindel, Schlafprobleme, innere Unruhe – dann ist die Antwort nicht automatisch:
„Dein Nervensystem fühlt sich nicht sicher.“
Ganz ehrlich: Das macht mich inzwischen richtig wütend!
Ja, Nervensystemarbeit kann verdammt hilfreich sein - ich unterrichte das sogar.
Aber sie ist nicht die Universalantwort auf alles!
Manchmal hast du Eisenmangel.
Manchmal spinnt die Schilddrüse.
Manchmal bist du mitten in der Perimenopause.
Manchmal steckt Migräne dahinter.
Manchmal ein Postinfekt-Syndrom.
Manchmal Medikamente. Entzündungen. Histaminreaktionen.
Und manchmal bist nicht DU das Problem.
Sondern dein Alltag.
Ein Job, der dich ausquetscht.
Care-Arbeit ohne Ende.
Zu wenig Schlaf.
Zu wenig Unterstützung.
Zu viel Verantwortung.
Eine Medizin, die Frauen mit komplexen Beschwerden noch immer viel zu schnell in die „psychisch“-Schublade steckt.
Und dann sitzt du da.
Machst Atemübungen.
Meditierst.
Regulierst.
Machst Yoga.
Kaufst Supplements.
Und denkst irgendwann:
Warum kriege ich mich denn nicht endlich wieder hin?
Genau da wird’s gefährlich.
Weil du anfängst, dir selbst nicht mehr zu glauben.
Weil du denkst, du seist zu sensibel. Zu dysreguliert. Zu traumatisiert. Zu wenig „in Sicherheit“.
Nein.
Du darfst sagen:
„Diese Erklärung reicht mir nicht.“
Du darfst weiterfragen.
Du darfst dir eine zweite medizinische Einschätzung holen.
Du darfst erwarten, dass körperlich sauber hingeschaut wird.
Und du darfst genauso fragen:
Was in meinem Leben macht mich eigentlich krank?
Nicht alles muss wegreguliert werden.
Manches muss behandelt werden.
Manches muss beendet werden.
Manches muss politisch verändert werden!
Und manches braucht verdammt nochmal Menschen an deiner Seite, die dich ernst nehmen.
Ich will nicht, dass Frauen lernen, belastende Systeme noch besser auszuhalten. Ich will, dass wir wieder anfangen, genauer hinzuschauen.
Körper. Hormone. Psyche. Nervensystem. Beziehungen. Arbeit. Gesellschaft.
Alles gehört zusammen.
Und falls dir gerade niemand glaubt:
Glaub wenigstens du dir selbst noch ein kleines bisschen.