27/02/2022
Offener Brief
Sehr geehrte Damen und Herren
Ich kann nicht mehr......
Ich leite und besitze einen ambulanten Pflegedienst seit fast 25 Jahren....
Es war noch nie einfach. Wir haben mit Trauer, Krankheit, Einsamkeit und Leiden zu tun.
In der Pflege waren wir schon lange am Limit. Ich habe im Jahr 1985 schon eine Petition im Hamburger Abendblatt wegen des Pflegenotstandes unterschrieben. Seit dem hat sich noch nicht einmal das Logo verändert.
Nun haben wir Corona. Eine hochansteckende Infektionskrankheit... ein Virus. Wir bräuchten keine Masken und auch sonst eigentlich nichts! Ne...klar....
ich habe in unserem Dienst sofort für Masken, Handschuhe und Desinfektionsmittel gesorgt. Das hat unsere Regierung leider versäumt.
Ich bin Krankenschwester und habe gelernt, wie mit Infektionskrankheiten umzugehen ist, und das haben wir umgesetzt. Sie haben uns mit diesen Informationen an die Front geschickt. Tausende von uns und auch Ärzte, und andere medizinische Berufsgruppen haben ihr Leben verloren.
Dann kamen die Impfungen. Wieder sollten wir die „Versuchskaninchen“ sein. Haben wir zu einem sehr großen Teil ja auch gemacht. Ich eingeschlossen. Ich weiß, das Impfen hilft und das es noch nicht so gut erforscht war - egal - ich habe euch vertraut.
Nun kommt die Impfpflicht für uns. Ich bin dafür. Nach wie vor vertraue ich der Medizin. Aber ich habe wirklich die Nase voll, dass alles auf unseren Rücken ausgetragen wird. Ich habe 2 neue Mitarbeiter einstellen können, um unsere nicht geimpften Kollegen zu ersetzten. Jetzt dürfen die nicht geimpften Kollegen doch erstmal weiter arbeiten, aber wie lange? Das macht eine verlässliche Personalpolitik unmöglich. Und wie soll ich die gestiegen Gehälter bezahlen?
Seit Corona habe ich so viel mehr Arbeit. Testen, kontrollieren des jeweiligen Impfstatus, Organisation des Impfen der Patienten, ständig neue Informationen lesen und deren Weitergabe an Mitarbeiter, Angehörige, Patienten, Betreuer. Errechnen der Corona Prämien und deren Auszahlungen, ständig neue Formulare für den Rettungsschirm - ausfüllen und einreichen, häufige Dienstplanänderungen wegen Corona Fällen und Quarantäne, Beschaffung von Masken, Tests u.s.w., sehr viele Gespräche bzgl. Corona, Nachverfolgung bei positiven Fällen und vieles andere mehr.
Zudem haben wir am 01.02.2022 begonnen, die generalisierte Ausbildung mit anzubieten. Auch dies war ein hoher zeitlicher Aufwand, das alles vorzubereiten. Und es kostet auch laufend weiter viel Zeit.
Wir arbeiten seit 3 Jahren mit erheblichem Zeitaufwand an der Digitalisierung unseres Betriebes.
In unserem Bezirk wird das Anwohner parken eingeführt. Wir haben keine Ahnung, wo wir dann parken sollen, da wir immer vom Büro diverses Material mit zu den Patienten nehmen müssen. Das geht von Medikamenten über Handschuhe bisher zu großen Kartons mit Krankenunterlagen. Wie soll das gehen?
Bis Ende des Jahres sollen unsere nicht examinierten Mitarbeiter einen 50 Stunden Kurs machen, damit sie leichte pflegerische Tätigkeiten durchführen dürfen. Das ist super, muss aber auch organisiert werden - und bezahlt und die Arbeitszeit muss dann von Kollegen mit übernommen werden.
Die Änderungen des Pflegemindestlohns müssen geprüft und angepasst werden- dies Jahr noch zweimal. Wir haben gerade die sogenannten Arbeitsvertragsrichlinien (AVR- vom BpA Hamburg) bei uns eingeführt.
Die Pflegeversicherung und auch die Krankenkassen Verbände haben es sich angewöhnt, rückwirkend Preisänderungen zu vereinbaren. Das bedeutet für uns das wir die Rechnungen zweimal bearbeiten müssen, teilweise für mehrere Monate.
Und jetzt kommt zum 31.03.2022 die GVWG - wir müssen uns einem Tarif anschließen, einen Haustarif erstellen, oder unterschreiben, dass wir uns an die tarifüblichen, ortsüblichen Zahlungen anlehnen, wenn ich das richtig verstanden habe. Anspruch auf Einsicht in die einzelnen Tarife haben wir nicht. Ich habe keine Ahnung von diesen Dingen. Und ich habe (siehe oben) auch keine Zeit dafür.
Ich würde mir sehr wünschen, dass uns zumindest zum zu Ende der Pandemie nicht noch mehr Arbeit aufgebürdet wird, oder, dass die AVR des BpA anerkannt wird. Dann müssten wir jetzt erstmal nicht noch mehr tun.
Hochachtungsvoll
Christiane Mosch