05/09/2026
Was hat deine Hüfte mit Rücken oder Schulter zu tun? Mehr, als man auf den ersten Blick denkt. 👀
Wenn wir Anatomie nur Muskel für Muskel betrachten, wirken Hüfte, Rücken und Schulter erstmal wie getrennte Bereiche. Unser Binde- und Fasziengewebe verbindet diese Strukturen aber zu funktionellen Ketten.
Vereinfacht kannst du dir Faszien wie mehrere Spannbettlaken vorstellen, die übereinanderliegen, miteinander verbunden sind und sich gegeneinander verschieben können. Dadurch können Kräfte über größere Körperbereiche verteilt und übertragen werden – wichtig für Bewegung, Stabilität und Belastungsverteilung.
Ein gutes Beispiel ist die Verbindung zwischen Gesäß und Schulter:
Der Gluteus maximus steht unter anderem mit der thorakolumbalen Faszie in Verbindung. Auch der Latissimus dorsi ist großflächig mit diesem Faszienkomplex verbunden und zieht bis an den Oberarm.
So entsteht eine anatomische Verbindung von Hüfte/Gesäß über den Rumpf bis zur Schulter – bei Thomas W. Myers unter anderem als „Back Functional Line“ beschrieben.
Und das ist nicht nur ein schönes Modell: Anatomische Untersuchungen finden starke Evidenz für diese myofasziale Kontinuität. Auch experimentell lässt sich eine Kraftübertragung zwischen Latissimus, thorakolumbaler Faszie und dem gegenüberliegenden Gluteus maximus beobachten.
Was heißt das jetzt für Schmerzen?
Nicht: „Deine Hüfte ist automatisch schuld an deiner Schulter oder deinem Rücken.“
Aber: Wenn deine Hüfte Bewegung nicht gut zur Verfügung stellt, kann sich die Bewegungs-, Belastungs- und Spannungsverteilung innerhalb dieser Kette verändern.
Die Hüfte kann deshalb ein Baustein sein, den man bei Rücken- oder Schulterbeschwerden mit anschauen sollte.
Der Test im Video ist also keine Diagnose – sondern ein schneller Check, ob deine Hüftbeweglichkeit ein Thema sein könnte.
Quellen / zum Weiterlesen:
Thomas W. Myers – Anatomy Trains
Wilke et al. (2016) – What Is Evidence-Based About Myofascial Chains?
Caldeira et al. (2024) – Myofascial force transmission between latissimus dorsi and contralateral gluteus maximus