03/06/2026
„Rote Karte“ für gesundheitspolitische Reformen - Versorgung von Millionen Schmerzpatientinnen und -patienten massiv gefährdet
Die Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. warnt anlässlich des 15. Aktionstages gegen den Schmerz vor Einsparungen. Schmerzmedizin bedroht!
Die Versorgung von Millionen chronisch schmerzkranker Menschen ist in Deutschland in Zukunft massiv gefährdet - warnt die Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. anlässlich des 15. „Aktionstags gegen den Schmerz“ am 2. Juni 2026. Hintergrund sind die geplanten gesundheitspolitischen Reformen zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Nach Einschätzung der Fachgesellschaft stellen die vorgesehenen Sparmaßnahmen insbesondere für die interdisziplinäre multimodale Schmerztherapie eine Bedrohung dar – die schon jetzt auf wackeligen Füßen steht. Auf dieses Problem machen Experten der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. auf einer Online-Pressekonferenz aufmerksam, die am 2. Juni von 11 bis 12 Uhr stattfindet.
„Beitragssatzstabilität darf nicht zu Lasten von Millionen Schmerzpatientinnen und Schmerzpatienten erkauft werden“, betont Frank Petzke, Präsident der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. sowie Leiter der Abteilung Schmerzmedizin an der Klinik für Anästhesiologie der Universitätsmedizin Göttingen.
„Es liegt auf der Hand, dass die geplanten Einsparungen beispielsweise im Krankenhausbereich auch auf Einsparungen beim Personal hinauslaufen – das ist für die interdisziplinäre Versorgung der Patientinnen und Patienten mit chronischen Schmerzen besonders problematisch.“ Ärztinnen und Ärzte, Psychologinnen und Psychologen, Pflegende, sowie Fachpersonal aus Physio-, Ergo- und Sporttherapie, und Sozialdienst müssten eng zusammenwirken, um den besonderen Bedürfnissen von Schmerzpatientinnen und -patienten gerecht werden zu können.
„Krankenhausökonomisch betrachtet ist die Multimodale Interdisziplinäre Schmerztherapie das schwächste Glied in der Klinik: mit keinem Potential auf hohe Rendite und ohne Luft zur Effizienzsteigerung durch kürzere Behandlung von mehr Patienten. Dafür erhalten diese Betroffenen aber eine notwendige personal- und zeitintensive therapeutische Zuwendung – ihr Abbau wäre fatal“, erläutert Schmerzgesellschaftspräsident Prof. Dr. Frank Petzke.
Arbeitsunfähigkeit, Depressionen, Angstzustände und ein erhöhter Pflegebedarf drohen
Zu späte Diagnosen bei Patientinnen und Patienten, ein zu später Behandlungsbeginn sowie eine zu späte multimodale Versorgung könnten zur Chronifizierung der Krankheitslast führen. „Die möglichen Folgen für Schmerzpatientinnen und -patienten sind dramatisch“, mahnt Petzke. „Sie reichen von Arbeitsunfähigkeit, über Depressionen bis hin zu starken Ängsten und einem erhöhten Pflegebedarf.“ Das sei auch unter ökonomischen Gesichtspunkten problematisch, da diese Entwicklungen im Endeffekt zu deutlich höheren Folgekosten für das Gesundheitssystem führen.
22 Prozent der Kliniken mit einer Schmerzfachabteilung sind bereits jetzt gefährdet
Bereits heute ist die Versorgungslage angespannt: In Deutschland gibt es mehrere Millionen Menschen mit chronischen Schmerzen – viele von ihnen warten oft jahrelang auf eine spezialisierte Behandlung, vielerorts fehlen wohnortnahe Angebote. Nach Angaben der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. sind bereits jetzt 22 Prozent der Standorte in ihrer Existenz gefährdet, die 44 Prozent der Fälle der interdisziplinären multimodalen Schmerztherapie versorgen.
Auch steigende Eigenbeteiligungen – die im Zuge der aktuellen gesundheitspolitischen Reformen geplant sind – können chronisch kranke Menschen besonders hart treffen. Viele Schmerzpatientinnen und -patienten seien dauerhaft auf Medikamente, Heilmittel, Fahrkosten oder Rehabilitationsangebote angewiesen. Höhere finanzielle Belastungen könnten notwendige Therapien gefährden.
Zudem ständen auch eine qualitativ hochwertige Schmerzforschung sowie fachbezogene Weiterbildung durch die jüngsten gesundheitspolitischen Pläne auf wackeligen Füßen. „Durch die geplante Reform kann die Finanzierung von stationären Aus- und Weiterbildungsstätten in Zukunft nicht mehr ausreichend gesichert sein, was zukunftsweisende und sektorübergreifende Versorgungsideen massiv einschränkt“, betont Petzke. „Einer Politik, die so stark auf Kosten von Patientinnen und Patienten geht, zeigen wir die rote Karte.“