11/09/2026
Ein paar Gedanken, die mir schon lange am Herzen liegen.
Manchmal frage ich mich, warum es heute scheinbar so schwer geworden ist, auf sein Bauchgefühl und seine Intuition zu hören, Dinge zu hinterfragen und sich seine eigene Wahrheit zu bilden.
Ich war schon als Kind das sogenannte schwarze Schaf. Meine geliebte Oma und mein Opa, bei denen ich mehr oder minder groß geworden bin, haben mir beigebracht: Glaub nicht einfach alles, nur weil es dir jemand erzählt. Frag nach. Mach dich selbst schlau. Denk selbst.
Und genau das habe ich mir bis heute bewahrt, und das ist auch gut so. Darauf bin ich stolz.
Früher konnte man mit Menschen an einem Tisch sitzen, völlig unterschiedliche Ansichten haben, diskutieren, vielleicht sogar streiten – und danach trotzdem Arm in Arm nach Hause gehen. Man musste nicht dieselbe Wahrheit vertreten, um sich zu respektieren oder gern zu haben.
Dann kam Corona. Und plötzlich hatte ich das Gefühl, dass genau das nicht mehr möglich war. Ich habe mich öffentlich zu meiner Haltung geäußert – ohne andere für ihre Entscheidungen zu verurteilen. Trotzdem wurde ich verurteilt, weil ich nicht das getan habe, was die Mehrheit von mir erwartet hat.
Freundschaften und sogar familiäre Beziehungen sind daran zerbrochen, weil meine Wahrheit nicht akzeptiert oder respektiert wurde. Ich hingegen habe niemanden wegen seiner Entscheidung verurteilt oder deswegen aus meinem Leben gestoßen. Ich konnte akzeptieren, dass andere für sich einen anderen Weg gewählt haben.
Und auch in meiner Arbeit habe ich das gespürt. Menschen, die jahrelang zu mir als Fotografin kamen, kamen plötzlich nicht mehr.
Nicht, weil meine Arbeit schlechter geworden wäre. Sondern weil meine persönliche Haltung für sie offenbar wichtiger war als das, was ich als Mensch und Fotografin geleistet habe.
Und genau da frage ich mich: Warum?
Du musst meine Wahrheit nicht teilen. Genauso wenig muss ich deine teilen.
Aber wir dürfen uns gegenseitig zugestehen, unsere eigene Wahrheit zu haben.
Eine andere Meinung macht einen Menschen nicht zu einem schlechteren Menschen. Und sie sollte auch nicht darüber entscheiden, ob man seine Arbeit plötzlich nicht mehr wertschätzt.