13/11/2021
Seit meinem sechsten Lebensjahr hatte ich den Wunsch, Krankenschwester zu werden. Ich habe meinen Beruf geliebt, in dem ich mehrheitlich auf Intensivstationen arbeitete.
Nach einigen Semestern Psychologie, meiner Ausbildung zur Heilpraktikerin und mehreren Zusatzausbildungen arbeite ich in meiner Praxis nun mit psychologischem Schwerpunkt. Ich liebe meinen Beruf!
Während meiner letzten Jahre als Krankenschwester habe ich auf einer herz- und gefäßchirurgischen Intensivstation gearbeitet - mit Babys bis hin zum alten Menschen. Ihre Erkrankungen reichten vom angeborenen Herzfehler bis zu Herz- und Lungentransplantationen.
Wenn ich außerhalb des Krankenhauses von meinem Beruf erzählte, bekam ich häufig die Reaktion „puh, das könnte ich nicht“.
So habe ich mir die Frage gestellt, bei welchem Beruf würde ich sagen „puh, das könnte ich nicht“. Der Beruf mit meinem intensivsten „puh“ war der der/des Bestatter:in.
Die Leichen, die ich bisher sah, sahen trotz teilweise langer Krankheitsphasen sehr ästhetisch aus - weder verunfallt noch suizidiert noch als Opfer einer Gewalttat.
Mich interessierte die Motivation Bestatter:in zu werden. So ging ich in ein Bestattungsinstitut und stellte den beiden Bestattern genau diese Frage. Sie erzählten, dass es Situationen gibt, in denen ihnen ihr Beruf schwer fällt - besonders wenn es um Kinder und um schwer verletzte Menschen geht.
Ihre Motivation gehört den Angehörigen. Beide erzählten, wie wichtig die Art der Gespräche mit den Angehörigen und auch ihre Versorgung der Verstorbenen für den Trauerprozess der Weiterlebenden sind.
Beide hatten mir ein mich sehr berührendes Gespräch geschenkt, für das ich ihnen heute noch dankbar bin. Es hat meine Sicht auf diesen Beruf verändert. Ich empfinde weiterhin großen Respekt und ebenso eine tiefe Dankbarkeit, dass es Menschen gibt, die mit so viel Liebe diesen Beruf ausüben.
Ich wünsche dir viele Alltagswunder!
Alles Liebe Sabine