31/07/2026
Beim Aufstehen am Morgen beginnt es: ein stechender, brennender Schmerz unter der Ferse, der jeden Schritt zur Qual macht. So erging es Boris Münch, 46, medizinisch-technischer Radiologieassistent bei uns am Marienhospital Stuttgart, über Monate. „Die ersten Schritte morgens fühlten sich an wie heftige Nadelstiche“, erinnert er sich.
Was viele als „Fersensporn“ bezeichnen, ist medizinisch in den meisten Fällen eine Plantarfasziitis – eine schmerzhafte Entzündung der kräftigen Sehnenplatte an der Fußsohle, die von der Ferse bis zu den Zehen verläuft. Sie stabilisiert das Fußgewölbe und fängt bei jedem Schritt enorme Kräfte ab. Wird sie durch Überlastung, Fehlstellungen oder langes Stehen gereizt, entzündet sich das Gewebe – Schmerzen sind die Folge.
Im Röntgenbild ist dann oftmals ein kleiner knöcherner Auszug am Fersenbein zu sehen, der sogenannte Fersensporn. „Der Ausdruck ‚Fersensporn‘ hat sich im allgemeinen Sprachgebrauch etabliert“, erklärt Oberarzt Dr. Fridolin Tröster, Facharzt für Diagnostische Radiologie. „Medizinisch verbirgt sich dahinter jedoch kein einheitliches Krankheitsbild. Entscheidend für die Beschwerden ist meist die entzündete Sehnenplatte – der Fersensporn selbst ist häufig nur ein Begleitbefund.“
Bei vielen Menschen lassen sich die Beschwerden mit konservativen Maßnahmen in den Griff bekommen. Doch wenn eine Plantarfasziitis chronisch wird, entwickelt sich ein „Teufelskreis“: Schmerzen führen zu Reizung, die Reizung verstärkt die Entzündung, der Schmerz bleibt.
Auf einer Fachfortbildung wurde Dr. Tröster auf ein vergleichsweise junges Verfahren aufmerksam: eine 2018 von einem japanischen Arzt entwickelte minimalinvasive Technik, bei der gezielt jene kleinen Blutgefäße verschlossen werden, die eine chronische Entzündung der Plantarfaszie aufrechterhalten. „Das Vorgehen ist erstaunlich einfach und effektiv“, so der Radiologe.