28/06/2026
Wenn du mich fragst, warum ich Therapeutin geworden bin, kann ich dir keine eindeutige Antwort darauf geben. Wenn du mich fragst, warum ich Vetrias - Initiative für ganzheitliche Tiergesundheit gegründet habe, wiederum schon.
Mein Beruf ist nicht das Resultat meiner Ausbildung. Und sicherlich kein "Ich wollte schon immer mit Tieren arbeiten", wie man es so oft hört.
Ich war einfach schon immer unfassbar schlecht darin, mir Dinge "nicht so zu Herzen zu nehmen" und wegzuschauen.
Als ich ein Kind war, reisten meine Eltern mit mir in einem Wohnmobil durch die Türkei. Während andere vielleicht ihre schönsten Sommeroutfits packten, lud ich unseren Stauraum mit Tierfutter voll. Wo immer wir ankamen, dauerte es nicht lange, bis die Straßentiere auftauchten. Wie eine verschrobene Disney-Prinzessin habe ich sie um mich geschart, ohne Angst, ohne Vorbehalte. Und die Tiere vertrauten diesem kleinen blonden Mädchen.
Ich fand das großartig.
Bis zu dem Moment, an dem wir weiterreisen mussten.
Jeder Abschied zerriss mir das Herz. Ich werde nie vergessen, "meine" Hunde, "meine" Katzen zurücklassen zu müssen.
Aber da war mehr als nur Trauer.
Da war Ohnmacht.
Ich habe schon als Kind unfassbar oft meine eigene Hilflosigkeit erlebt. Und ja: Heute weiß ich es besser. Heute weiß ich, dass wir viel mehr hätten tun können. Damals wusste ich das nicht. Als Kind glaubst du den Erwachsenen. Du steigst wieder ins Wohnmobil, fährst weiter und versuchst, diese Tiere irgendwie hinter dir zu lassen.
Körperlich funktioniert das.
Emotional nicht.
Denn all diese Leben, die meinen Weg gekreuzt haben, hätten so viel Schutz gebraucht. So viel Liebe. Und sie hätten sie auch verdient.
Jahre später wohnten wir in der niederbayerischen Pampa. Und wieder scharte ich die Bauernhofkatzen um mich. Wenn wir morgens den Vorhang vor unserem Küchenfenster aufzogen, saßen sie schon da. Geduldig. Fast so, als hätten sie sich abgesprochen.
*"Hier sind wir sicher."*
Natürlich wollten sie Futter.
Aber ich glaube heute, sie wollten vor allem gesehen werden. Sicher sein.
Viele von ihnen hatten in ihrem Leben nichts Gutes erfahren.
Ich vergesse diesen einen roten Kater nie.
Uralt. Todkrank.
Niemand konnte ihn anfassen.
Oder wollte, versteht sich.
Bei mir schlief er nach kürzester Zeit im Bett.
Ich weiß nicht, ob ich damals schon Therapeutin werden wollte.
Aber ich wollte helfen.
Etwas besser machen.
Die Welt für diese Tiere zu einem Platz machen, an dem sie satt, sicher und gesund sein dürfen.
Glücklich, ja.
Unendlich glücklich.
Das Leben hat mich oft in Situationen befördert, in denen ich eigentlich hilflos war – in denen aber eine felsenfeste Stärke in mir heranwuchs.
Ich werde die Nacht nie vergessen, in der mein schwer kranker Vater starke Herzbeschwerden hatte und ich neben ihm saß, seine Angst mit ihm weggeatmet, ihn getröstet und beruhigt habe, während meine Mutter den Notarzt ins Haus winkte.
Und vor allem nicht die Nacht, viele Jahre später, in der ich ihn tot auf unserem Wohnzimmerboden liegen sah.
Es gibt Bilder, diesen tiefen Sog aus Panik, Wut und Hilflosigkeit, die dich für immer verändern. Die dein Herz zerstampfen und deinen Blick weiten. Weil sie dir zeigen, wie fu***ng schnell alles vorbei sein kann. Und wie viel Respekt man eigentlich haben sollte vor diesem fragilen Kunstwerk Leben, mit dem wir nur allzu gerne hadern.
Als junge Frau war ich in einem Leben, das mir zu eng war. In dem ich zu wenig das leben konnte, was ich wirklich war.
2011 habe ich meine Ausbildung zur THP gemacht.
Ja, weil ich helfen wollte.
Und verstehen wollte, warum Krankheiten entstehen. Warum das Alter manchmal sanft und großzügig mit einem ist und warum es dich gesundheitlich, mental und emotional in die Knie zwingen kann. Warum Therapien funktionieren. Und welche Therapie die richtige ist.
Ich wollte verstehen, warum es Krankheitsbilder gab, die bei Tierärzten und in Tierkliniken so lapidar nach Schema F behandelt wurden, obwohl man doch merkte:
Verdammt.
Da ist noch vieles, vieles mehr.
Und wir wussten das.
Schon lange.
Wir haben sie gesehen, diese kleinen Zeichen, diese kleinen Veränderungen. Wir haben versucht, sie zu formulieren, auch wenn uns nur allzu oft die Worte fehlten. Aber wir haben kein Gehör bekommen. Weil es "zu schwammig" war. Zu unbedeutend. Nicht schwarz auf Weiß. Kein Befund. Kein kleines "Für Krankheit A brauchst du Medikament B."
Heute bin ich seit zwölf Jahren Therapeutin.
Ich habe vieles gesehen.
Zu vieles.
Zu viele Tiere, die zu spät zu mir kamen.
Zu viele Menschen, die alles versucht hatten und nun erschöpft, ausgebrannt, in jeder Hinsicht vor mir saßen.
Und immer wieder dieses leise, nagende: "Wärt ihr doch nur früher gekommen."
Oder auch:
Warum hat zuvor niemand genauer hingeschaut?
Warum wurde diese Veränderung nicht als Symptom gesehen?
Warum fällt es uns so leicht, Etiketten wie "rassebedingt" und "altersbedingt" über die eigentlichen Bedürfnisse unserer tierischen Patienten zu pappen?
Wir wünschen uns Lösungen nach dem Prinzip "schnell, schnell" und verpassen dabei die Chance, ein Übel an der Wurzel zu packen, anstatt Symptome zu verwalten.
Wir verschenken so viele Chancen auf ein leichteres, gesünderes Leben, wenn wir nicht den Mut haben, genauer hinzuschauen.
Und fu***ng laut und unbequem zu werden.
**VETRIAS ist aus dem Schmerz geboren, nur allzu oft zu spät zu kommen.**
Wir sind nicht dafür angetreten, noch eine Wissensplattform zu sein.
Wissen findest du heute überall. Du kannst innerhalb weniger Minuten herausfinden, welche Kräuter sich zur Behandlung einer Arthrose bewährt haben oder welche homöopathischen Mittel du bei Magen-Darm-Beschwerden einsetzen kannst. Nicht erst seit der KI-Revolution sind solche Informationen mit wenigen Klicks abrufbar.
Wir sind angetreten, um engagierten und verantwortungsbewussten Tierhalter:innen wieder zu mehr Eigenverantwortung zu verhelfen.
Damit wir den Mut entwickeln, Fragen zu stellen. Standards zu hinterfragen. Individuelle Entscheidungen für die Gesundheit unserer Tiere zu treffen.
Und damit wir eine kugelsichere Mischung aus Fachwissen, dem Verständnis für die natürlichen Bedürfnisse unserer Tiere und dem Vertrauen in die eigene Intuition entwickeln.
Und wenn's sein muss:
Laut und unbequem werden.
Anzuecken.
Nicht aus Lust am Dagegensein.
Sondern um selbstwirksam für das einzutreten, was uns lieb und teuer ist.
Genau das hat mir ein schwerer Krankheitsfall in meinem engsten Inner Circle zwischen September 2024 und dem Frühjahr 2026 auf brutalste Weise gezeigt.
Ich werde darüber nicht im Detail sprechen, weil diese Geschichte nicht nur mir gehört.
Aber eines kann ich sagen:
Wären all diese Erfahrungen nicht gewesen, wäre ich nicht so laut, so stur und so unbequem geworden, wie es mich das Leben gelehrt hat zu sein, hätten wir uns von diesem Menschen verabschieden müssen.
Ich habe erlebt, wie gefährlich es werden kann, ungewöhnliche Symptome mit einem "Da wird schon nichts sein. Du übertreibst mal wieder." zur Seite zu schieben.
Wie wichtig es ist, konkrete Fragen zu stellen.
Sich zu positionieren.
Wie verheerend es sein kann, Dinge als gegeben zu akzeptieren und blind zu vertrauen.
Darauf zu hoffen, dass "ein anderer schon kommen und das regeln wird".
Und dass man in den schwersten Phasen seines Lebens und vor den größten Entscheidungen seines Lebens manchmal eben nur sich selbst hat.
Vor allem aber habe ich erlebt, dass man manchmal der einzige Mensch im Raum ist, der merkt, dass etwas völlig in die falsche Richtung läuft.
Dieser Krankheitsfall hat mich gezwungen, ein solcher Mensch zu werden.
Ich habe mich vor die Ärzte gestellt.
Ich habe widersprochen.
Diskussionen geführt.
Die Verantwortung übernommen.
Ganz laut Nein gesagt.
Und mich sicherlich fürchterlich unbeliebt gemacht.
Nicht, weil ich glaube, dass der ganzheitliche Ansatz der einzig richtige ist.
Überhaupt nicht.
Sondern weil ich wusste, dass dieses gottergebene "Ja, wird schon gut gehen" und "Machen Sie mal" sicherlich die bequemere, aber auch die weitaus gefährlichere Entscheidung gewesen wäre.
Diese Phase hat mich irrsinnig viel Kraft gekostet.
Und mir ebenso viel Stärke geschenkt.
Es geht darum, aus dem oftmals anerzogenen People Pleasing und der Konfliktscheu hinauszutreten in eine respektvolle Souveränität, die es uns ermöglicht, die richtigen Entscheidungen für Gesundheit und Leben zu treffen.
Und genau deswegen geht es bei VETRIAS nicht primär um eine homöopathische Hausapotheke, um artgerechte Ernährung oder um naturheilkundliche Strategien bei Krankheitsbild X oder Y.
Wir wünschen uns Menschen, die wieder anfangen, selbstständig zu denken.
Die ihren gesunden Menschenverstand höher halten als jede KI-generierte Random-Klugscheißerei.
Die Fragen stellen.
Die beobachten.
Die ihrem Bauchgefühl wieder zuhören.
Die sich Wissen aneignen, weil sie verstehen wollen und nicht, weil sie irgendwelche Checklisten auswendig lernen möchten.
Ich wünsche mir Menschen, die freundlich und respektvoll bleiben.
Und aus vollem Herzen und voller Kehle laut und unbequem werden, wenn es sein muss.
Die sich nicht einschüchtern lassen.
Die stabil mit beiden Beinen auf dem Boden stehen und sagen:
*"Hier bin ich. Und ich bin angetreten, um für die Gesundheit meines Tieres zu kämpfen."*
Nicht aus Konfrontationssucht.
Nicht aus Machtgerangel.
Sondern aus einem tiefen, tiefen Respekt dem Leben gegenüber.