19/07/2024
Schüler lernen, mit Tod und Trauer umzugehen
Hospizdienst Laubach zum Besuch in der Waldorfschule Wetterau
Schon zum zweiten Mal, ist dem Ambulanten Hospizdienst Laubach gelungen, diesmal die Waldorfschule Wetterau in Bad Nauheim für das Projekt „Hospiz macht Schule“ zu begeistern.
Das Projektteam – Christa Just, Heide Lewinski, Katrin Fehr, Lars Pollmächer, Susanne Jung und Katharina, nahmen sich eine Woche Zeit um mit den Schülern der vierten Klasse auf eine verständnisvolle und einfühlsame Art und Weise über die Themen rund um Krankheit, Sterben, Tod, Trauer und Trost zu sprechen.
„In erster Linie wollen wir, dass scheinbar schwere Thema enttabuisieren und wieder in die Gesellschaft bringen“ – sagte Katharina Hoffmann, Koordinatorin des Hospizdienstes. „Und die Kinder gehören ganz klar auch dazu. Und weil sie immer ein Recht auf die Wahrheit haben, werden sie nicht nur mit dem Thema liebevoll vertraut gemacht, sondern erfahren dabei, dass Tod und Sterben ein Teil des Lebenskreislaufs sind. Sie lernen dadurch und durch eigene Verlusterfahrungen und Trauer, wie sie in der Zukunft mit Krisen, die das leben mit sich bringt, umgehen können.“ Mitgebracht wurden fünf bunte Kisten, für jeden Tag und für jedes Thema eine andere, jeweils mit anderen Materialien gefüllt. Geschichten, Bilderbücher, Filme, Fantasiereisen und Musik unterstützten die Ehrenamtlichen, den Schülern die sensiblen Themen einfühlsam und kindgerecht näherzubringen. „Gesellschaftlich fällt es uns schwer, über Themen wie Krankheit und Tod zu sprechen. Doch gerade Kindern Ausdrucksmöglichkeiten anzubieten, wie sie auch, mit schweren Themen umgehen können und sie in ihrer Trauer nicht allein zu lassen, hat mich für das Hospizprojekt motiviert“, erläutert Mathias Burka, Klassenlehrer der Klasse 4a. Die fünf Tage der Projektwoche waren klar strukturiert und gestaltet. Der Beginn und Abschluss des Tages fand immer gemeinsam in einem Stuhlkreis mit einem Lied statt. Der erste Tag befasste sich mit dem Thema „Werden und Vergehen – Wandlungserfahrungen“. Die Kinder beschrifteten in Kleingruppen weiße Wolken mit glücklichen und dunkle mit traurigen Erlebnissen. Das Projektteam sprach mit der Klasse über Zairas Himmelsreise und über die Entstehung des Schmetterlings. Am zweiten Tagbeschäftigte sich die Klasse mit „Krankheit und Leid“ Hier sprachen sie gemeinsam über Krankheiten und die Schüler stellten diese pantomimisch dar. Das fanden vorwiegend Jungs toll, die sich nacheinander auf den Boden stürzten, um alle möglichen Stürze und viele Unfälle zu präsentieren. Zudem erhielten sie in der „Arztsprechstunde“ die Gelegenheit dazu, alle Fragen an die Kinderärztin Anna Löffelmann zu stellen. Beim Thema „Sterben und Tod“ entstanden eindrückliche Bilder der Kinder, die zeigen, dass sie bereits jetzt schon eine klare Vorstellung davon haben, wie sie sich das Leben danach vorstellen. Ein besonderer Moment an diesem Tag war auch der Besuch eines Bestatters in der Schule. Offen und neugierig stellten sie ihre Wissensfragen Ebenso haben sie erfahren, was Abschiedsnehmen bedeutet, was es mit dem Leichenschmaus auf sich hat und das es sehr schmerzhaft sein kann, sich mit dem Tod eines nahestehenden Menschen abzufinden. Der im Schulhof aufgestellter Sarg war nicht nur für die Klasse sehr interessant, sondern auch für ältere Schüler sowie für so manche Lehrer, die neugierig vorbeischauten. Vor allem deshalb, weil Freiwillige, im Sarg eine „Probeliegen“ konnten. Beim Thema „Traurig sein“ stellten die Kinder ihre Emotionen mit Fingerfarben dar und pflanzten in bunten Töpfen Bohnen. Sie erfuhren auch, dass es helfen kann, mit anderen über ihre Gefühle zu sprechen und das Weinen ausdrücklich erlaubt ist. Und am letzten Projekttag mit dem Thema „Trost und Trösten“ nahmen sich zahlreiche Eltern und Geschwisterkinder Zeit, um ein gemeinsames Abschlussfest zu feiern. Nachdem die Kinder vorher noch ihre Trostbriefe geschrieben und die Blätter für die Bohnenranke beschrifteten, stellten sie ihren Familien die Ergebnisse ihrer Projektwoche vor. Insgesamt erlebte das Projektteam eine spannende, kreative, intensive und trotz der Ernsthaftigkeit des Themas eine freudvolle Woche, mit zahlreichen besonderen und wunderbaren Momenten, die unvergessen bleiben.
Nähere Informationen zum Projekt gibt es im Internet: www.hspizmachtschule.de