19/06/2026
Cool bleiben im Job
Hitzeschübe, Reizbarkeit, Erschöpfung – oft funken die typischen Beschwerden im Berufsleben mächtig dazwischen. Wie Frauen mit den Wechseljahren besser klarkommen und was Arbeitgeber dazu beitragen können.
Mitten im Meeting wieder so eine fiese Hitzeattacke, die Bluse klebt schweißnass auf der Haut und nach einer schlaflosen Nacht liegen die Nerven sowieso blank … . Rund 70 Prozent der berufstätigen Frauen in den Wechseljahren fühlen sich im Job massiv beeinträchtigt, so zeigt es die deutschlandweite Online-Umfrage MenoSupport. Dabei könnten sie gerade jetzt (nochmal) richtig durchstarten – viele sind gut ausgebildet, berufserfahren und unabhängig, weil die Kinder eigene Wege gehen. Überdies werden Fachkräfte dringend gesucht. Ideale Bedingungen, theoretisch jedenfalls.
Rückzug statt Neustart
In der Praxis sieht es bei den knapp 5,5 Millionen betroffenen Frauen allerdings so aus: Etwa ein Viertel reduziert die Arbeitsstunden aufgrund von Wechseljahresproblemen, jede fünfte Frau ab 55 Jahren geht deswegen vorzeitig in Ruhestand. Ein Drittel ist aufgrund der Beschwerden schon mal krank geschrieben gewesen und/oder hat unbezahlten Urlaub genommen. Der wirtschaftliche Schaden durch den Rückzug aus dem Arbeitsleben wird in Deutschland auf 9,4 Milliarden Euro geschätzt.
Raus aus der Tabuzone
Laut MenoSupport leiden berufstätige Frauen in erster Linie an Erschöpfung, gefolgt von Schlafstörungen, Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen und Hitzeschüben. Im Job sind Wechseljahre und damit verbundene Probleme allerdings ein Tabuthema, geben 52,3 Prozent der Frauen an. Dabei wäre ein offener Umgang der erste Schritt zur Lösung: Er sensibilisiert Arbeitgeber und Kollegen für diese Phase, die immerhin zehn bis 15 Jahre andauern kann. Auch kann/sollte er dazu führen, die Arbeitsbedingungen und -atmosphäre frauenfreundlicher zu gestalten.
Sichere Orte am Arbeitsplatz
Neben mehr Verständnis und Rücksichtnahme kommt es auf konkrete Maßnahmen an. Dazu gehören klimatisierte Räume, großzügige, mit Toilettenartikeln ausgestattete sanitäre Anlagen und Rückzugsmöglichkeiten. Sogenannte „Safe Spaces“ sind sichere Orte, an denen sich Frauen in Ruhe frisch machen, Wäsche wechseln und auch mal entspannen und auftanken können.
Flexible Zeiten & Homeoffice
Was sich Betroffene laut MenoSupport-Umfrage außerdem wünschen und erhoffen: Ganz oben auf der Liste stehen flexiblere Arbeitszeitmodelle und Homeoffice-Regeln. Weiterhin kommen Entspannungskurse (Yoga, Autogenes Training) und Ernährungsberatung gut an, etwa im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements. Letztlich wünschen sich Frauen geschulte Betriebsärzte oder Ansprechpersonen, etwa Wechseljahresbeauftragte (gibt’s in einigen Betrieben bereits). Sie können Anlaufstelle sein und in persönlichen Gesundheitsfragen beraten. Denn obwohl sich die Kompetenz niedergelassener Frauenärzte in puncto Wechseljahre verbessert hat, nehmen viele die Beschwerden immer noch nicht ernst. Dabei kann die Medizin – von pflanzlichen Mitteln aus der Apotheke bis zur individuell abgestimmten Hormontherapie – helfen, diese Phase cool zu meistern, auch im Job!
Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern - leserservice.sud-verlag.de