15/03/2026
💡 Schulterschmerzen ≠ struktureller Schaden
Viele Schulterbeschwerden fallen heute unter den Begriff RCRSP (Rotator Cuff Related Shoulder Pain). Dabei handelt es sich nicht um ein reines strukturelles Problem, sondern um ein multifaktorielles Belastungs-Schmerz-Syndrom.
Früher wurde häufig vom „Impingement“ gesprochen – also einer mechanischen Einklemmung unter dem Schulterdach. Dieses Modell gilt heute als wissenschaftlich überholt. Aktuelle Forschung beschreibt Schulterbeschwerden eher als tendinopathisches Overload-Modell, bei dem Belastung, Gewebeadaptation und individuelle Faktoren zusammenspielen.
Typische Symptome können sein:
• Schmerzen beim Armheben
• Belastungsschmerz
• Nacht- oder Ruheschmerz
• Kraftdefizite in Abduktion und Außenrotation
Wichtig zu wissen:
Strukturelle Veränderungen wie Tendinopathien oder Teilrisse sind häufig auch bei schmerzfreien Menschen zu finden. Studien zeigen z. B., dass über 50 % der über 60-Jährigen Rotatorenmanschettenrisse ohne Symptome haben. Bildgebung beschreibt also Gewebe – nicht automatisch Schmerz.
➡️ Deshalb steht heute aktive Therapie im Mittelpunkt.
Training innerhalb tolerabler Schmerzgrenzen gilt als sicher und effektiv. Schmerz während der Übung bedeutet nicht automatisch, dass Gewebe geschädigt wird. In modernen Reha-Konzepten wird Schmerz eher als Steuerungsparameter genutzt als als Stoppsignal.
Sowohl spezifisches Schultertraining als auch generelles Kraft- und Ausdauertraining können Schmerzen reduzieren und die Funktion verbessern. Ziel ist vor allem, die Belastbarkeit von Gewebe und Körper insgesamt zu erhöhen.
🧠 Aufklärung über Schmerzmechanismen kann außerdem nachweislich
• Angst vor Bewegung reduzieren
• Katastrophisierung verringern
• die aktive Mitarbeit verbessern
👉 Fazit:
Bei Schulterschmerzen geht es meist weniger um „kaputtes Gewebe“, sondern um Belastungssteuerung, Training und langfristige Anpassung.
📚 Quellen
Lewis J. (2016)
Beard et al. (2018) – CSAW Trial
Ketola et al. (2013)
Cook & Purdam (2009, 2016)
Dean et al. (2014)
Minagawa et al. (2013)
Teunis et al. (2014)
Littlewood et al. (2013, 2019)
Kromer et al. (2009)
Silbernagel et al. (2007)
Lafrance et al. (2024)