01/09/2026
„Ich verstehe das nicht. Es geht mir doch gut.“
Sie saß mir gegenüber.
Erfolgreich. Aufgeräumt.
Sie hatte ihr Leben im Griff.
Zumindest dachte sie das.
Während sie erzählte, sah ich immer wieder zu ihren beiden Schultern.
Hochgezogen.
Der Kiefer angespannt.
Der Atem kurz.
Der Bauch fest.
Das Lächeln ein Hauch von gezwungen.
Ihr ganzer Körper wirkte, als müsste er jederzeit bereit sein, sich zu verteidigen.
Ich fragte sie:
„Wann hast Du angefangen, in dieser „Habachtstellung“ zu sein? Jederzeit zim Angriff bereit“
Sie schaute mich an und wurde still.
Für einen echten Moment und dann kamen die Tränen.
Nein, nicht weil etwas Schlimmes passiert war.
Sie erkannte plötzlich:
Sie hatte seit Jahren funktioniert.
Sie hatte Entscheidungen getroffen, obwohl sie eigentlich etwas anderes wollte.
Sie hatte „Ja“ gesagt, obwohl alles in ihr „Nein“ gerufen hatte.
Sie hatte sich zusammengerissen.
Immer wieder.
Und irgendwann hatte ihr Körper angefangen, das für sie zu zeigen.
Manchmal empfinden sie es wie eine Bestrafung, weil sie scheinbar etwas falsch gemacht hätten.
Aber der Körper existiert nicht einfach losgelöst von unserem Leben.
Er erlebt das Leben mit uns.
Mit allem, was darin geschieht.
Er reagiert auf das, was wir denken.
Auf das, was wir fühlen,
was wir zurückhalten.
Auf das, was wir täglich tun und auf das, was wir uns selbst nicht erlauben.
Ich kann an Deinem Körper lesen, wie Du über Dich und Dein Leben denkst.