07/07/2022
Leserbrief von Bernhard Dobler: Roland Liebscher-Bracht in der Kritik
Nach Erscheinen des Beitrags „Lasst die Bestimmer im Sandkasten“ von Jörg Stanko aus der Juniausgabe erreichte uns dieser Leserbrief. Bernhard Dobler ist Physiotherapeut und leitet ein Sport- und Therapiezentrum in Traunstein. Der Kollege schrieb uns seine Meinung zum Fall Liebscher-Bracht, die wir hier mit seiner Zustimmung publizieren.
BERNHARD DOBLER
„Deutschlands bekanntester Schmerzspezialist“. So bezeichnet er sich selbst. Deutschlands bekanntester Hochstapler dürfte wohl eher der Wahrheit entsprechen. Die Rede ist von Roland Liebscher-Bracht.
Er hat keine abgeschlossene Berufsausbildung. Weder im medizinischen noch in einem anderen Bereich. Immerhin hat er Wirtschaftsingenieurwesen studiert, aber nicht erfolgreich beendet. Darauf bezieht er sich oft und tatsächlich beweist er vorwiegend kaufmännisches Geschick und Marketing-Fähigkeiten.
Trotzdem ist es sehr erstaunlich, wie Kleidung – Liebscher-Bracht tritt stets in weißer Kleidung auf, Eloquenz – die muss man ihm zugestehen – und selbstsicheres Auftreten bei medizinischen Laien und manchmal sogar bei kritiklosen Fachleuten zum „Erfolg“ und zu regelrechter Anhängerschaft führen können.
Die enormen Erfolgsquoten (über 90 Prozent) würde man schon gerne glauben. Aber gerade diese Heilsversprechen haben eben nichts mit der Wahrheit zu tun und sind laut Heilmittelwerbegesetz auch nicht erlaubt.
Das Pikante dabei: Liebscher-Bracht ist nicht mal Arzt oder Therapeut und darf daher keine Therapie durchführen. Entweder hat er also noch nie Schmerzpatienten behandelt, weil er es gar nicht darf, oder er hat es unerlaubterweise getan und sich damit strafbar gemacht.
Fazit: Roland Liebscher-Bracht ist ein Hochstapler mit teilweise abstrusen Erklärungsmodellen. Die Therapiewelt ist aber leider voll von nicht wissenschaftlich erwiesenen Methoden und von mittelalterlichen Erklärungsmodellen, die jedes Wissen über Anatomie, Physiologie, Pathologie, Biomechanik und anderen wichtigen gesicherten medizinischen Erkenntnissen übergehen.
Wir Physiotherapeuten sind aufgefordert, in Fortbildungen nicht alles kritiklos zu übernehmen, sondern zu hinterfragen und unsere Patienten mit gesicherten Erkenntnissen aufzuklären.
Anmerkung: Leserbriefe geben nicht unbedingt die Meinung der pt-Redaktion oder der Richard Pflaum Verlag GmbH & Co. KG wieder. Für den Inhalt sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich.