15/09/2026
Immer mehr Führungskräfte sind erschöpft. Und immer weniger Menschen wollen noch führen.
„Wir messen inzwischen rund 55 Prozent erschöpfte Führungskräfte." Das sagt Heike Bruch, Professorin für Leadership an der Universität St. Gallen, in einem aktuellen SPIEGEL-Interview, auf Basis von über 113.000 Befragten aus mehr als 800 Unternehmen.
Ihre Forschung unterscheidet High-Pressure- von High-Energy-Unternehmen, je nachdem, ob Druck nach innen weitergegeben oder abgefedert wird. Das Verhältnis hat sich verschoben: 46 Prozent High Pressure, nur noch rund 3 Prozent High Energy. Entscheidend ist nicht der Druck allein, sondern die Reaktion darauf: mehr Kontrolle, kürzer getaktete Vorgaben. Bruch nennt das aktive Trägheit: Man intensiviert, was früher funktioniert hat. Das Ergebnis ist eine Druckspirale.
Für Führungskräfte heißt das: „Ihnen fehlen Energie und Fokus (…), es fällt ihnen schwer, Klarheit zu schaffen und klare Prioritäten zu setzen."
Was das mit dem Nachwuchs macht, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (Januar 2026): 43 Prozent der Beschäftigten in Deutschland wollen keine Führungsposition. Die Hauptgründe – zu hohe Belastung, zu hohe Verantwortung, zu wenig Privatleben – beschreiben exakt das Bild von oben.
Erschöpfung ist damit kein reines Gesundheitsthema mehr. Sie macht Führung unattraktiv – und verschärft so ihr eigenes Problem.
Was hilft, liegt auf zwei Ebenen. Organisationen können langfristig in Führung und Kultur investieren, statt kurzfristig nachzusteuern. Und Führungskräfte können bei sich selbst anfangen.
Bruchs Rat dazu: „Die Fassade der Unverwundbarkeit ist heute eher ein Risiko." Wie bei den Sauerstoffmasken im Flugzeug gelte es, zuerst die eigene Energie zu schützen – und dafür zu klären, was Kraft gibt und warum man führen will. Dabei solle man „den Austausch suchen – mit Mentorinnen, Coaches oder Kollegen. Denn moderne Führung ist keine Einzeldisziplin."
Das deckt sich mit meiner Erfahrung: Erschöpfung lässt sich selten allein wegorganisieren. Es braucht einen Raum für diese Fragen – und oft einen Zugang, der nicht nur über den Kopf läuft.
In meinen Coachings arbeite ich deshalb auf beiden Wegen: im Gespräch an Rolle, Prioritäten und Grenzen, auf Wunsch ergänzt durch Qi-Coaching, ein Körper- und Achtsamkeitstraining zur Selbstregulation.
Ob für Ihr Unternehmen oder für Sie persönlich – melden Sie sich gerne.