24/08/2026
**Zeit, meine Arbeit neu zu betrachten.**
Nachdenken gehört zu meinem Beruf. Über Beschwerden, Zusammenhänge, Behandlungsmöglichkeiten und darüber, was einem Menschen wirklich weiterhelfen kann.
In letzter Zeit denke ich aber auch über etwas anderes nach: über meine Arbeit selbst.
Was trägt noch? Was ist im Laufe der Jahre selbstverständlich geworden? Und was möchte ich heute anders machen?
Vieles, was ich über Jahrzehnte gelernt und entwickelt habe, bleibt wertvoll. Erfahrung lässt sich nicht ersetzen. Aber Erfahrung bedeutet für mich auch, bereit zu sein, das Eigene immer wieder zu hinterfragen.
Denn die Welt verändert sich. Die Menschen verändern sich. Und ich verändere mich auch.
Was mich dabei zunehmend beschäftigt, ist die Frage, welchen Platz Menschlichkeit in unserer Medizin und in unserer Gesellschaft eigentlich noch hat.
Wir sind es gewohnt, zu funktionieren, etwas zu leisten und Erwartungen zu erfüllen. Selbst dann, wenn es uns nicht gut geht, entsteht schnell wieder Druck: Wir sollen an uns arbeiten, Probleme lösen und möglichst bald wieder belastbar sein.
Ich habe lange selbst geglaubt, dass Therapie vor allem anstrengend sein muss. Dass Veränderungen erarbeitet werden müssen. Dass es schwierig werden muss, damit es wirksam ist.
Heute sehe ich das differenzierter.
Natürlich gibt es Themen, die schmerzen. Erfahrungen, denen man nicht ausweichen kann. Und Situationen, in denen es Mut braucht, genauer hinzuschauen.
Aber muss Therapie deshalb immer schwer sein?
Oder kann Entwicklung auch dort beginnen, wo ein Mensch erst einmal durchatmen darf? Wo er nichts darstellen, nichts beweisen und nichts erklären muss? Wo Sicherheit entsteht, weil andere nicht sofort bewerten, einordnen oder Lösungen anbieten?
Ich erlebe immer wieder, dass gerade in solchen Momenten etwas möglich wird. Ein anderer Blick. Ein ehrliches Gespräch. Ein Gefühl, das endlich Raum bekommt. Manchmal auch ein Schritt, der vorher undenkbar schien.
Nicht, weil jemand Druck gemacht hat. Sondern weil für einen Augenblick etwas anderes da sein durfte.
Aus diesen Gedanken und aus den Erfahrungen meiner bisherigen Seminare ist ein neues Format entstanden: der **Gehaichnis-Tag**.
Gehaichnis ist ein regionales Wort, das für Geborgenheit, Vertrautheit und inneres Ankommen steht. Ein Gefühl, das vielleicht mit dem skandinavischen „Hygge“ verwandt ist und doch seinen eigenen Klang hat.
Für mich beschreibt es ziemlich genau, was ich mir für meine Arbeit wünsche: einen verlässlichen Rahmen, in dem therapeutische Erfahrung und menschliche Begegnung zusammenfinden.
Weniger funktionieren müssen. Mehr wahrnehmen dürfen.
Weniger Erwartungen erfüllen. Mehr bei sich selbst ankommen.
Und vielleicht auch gemeinsam entdecken, dass Veränderung nicht immer dort beginnt, wo wir uns am meisten anstrengen.
Der erste Gehaichnis-Tag findet am **12. September in Meisenheim** statt.
Für mich ist er mehr als ein neues Seminar. Er ist auch ein Ausdruck davon, wohin sich meine Arbeit gerade entwickelt.