01/06/2026
Aromatherapie in der Pflege
Ob zur Steigerung des Wohlbefindens oder zur Linderung von Erkrankungen – die Aromatherapie bietet ein enormes Wirkspektrum und hat sich auch in Kliniken, Krankenhäusern und Senioreneinrichtungen bewährt. Inwiefern?
Wer hat nicht schon erlebt, wie der zarte Duft von Rosen so herrlich beruhigend wirkt oder ein Hauch von Vanille unser Herz berührt? Düfte gelangen direkt ins Gehirn und wirken dort im limbischen System, dem Zentrum für Emotionen und Erinnerungen. Sie beeinflussen die Bildung von Serotonin und anderen Glückshormonen. Dies ist wissenschaftlich erwiesen, und die Aromatherapie auf Basis ätherischer Öle fristet längst kein Nischendasein mehr. Neu ist allerdings der Einsatz dieser Düfte in Kliniken, Heimen und Hospizen.
Wohlriechende Begleiter
Werden ätherische Öle, also hochkonzentrierte Duftstoffe aus Pflanzenteilen, in der Pflege genutzt, sprechen wir von Aromapflege. Anders als eine Aromatherapie, die nur Ärzte und Heilpraktiker mit Zusatzausbildung durchführen dürfen, zielt sie nicht auf die Behandlung bestimmter Krankheitsbilder ab, sondern auf die Verbesserung des Wohlbefindens der Patienten. Sie wird begleitend zu medizinischen und pflegerischen Maßnahmen eingesetzt – von der Raumbeduftung über Bäder bis zu Massagen. Dafür absolvieren Pflegepersonen entsprechende Kurse in der Aus- oder Fortbildung.
Sie wecken Erinnerungen
Aktuell belegt eine Untersuchung von Krankenkassen in deutschen Pflegeheimen, dass der Einsatz von Aromen sowohl den Bewohnern als auch dem Pflegepersonal guttut. So soll Raumduft mit Lemongrass die Stimmung verbessern und Menschen, die teilnahmslos wirken, aus der Lethargie holen. Lavendel beruhigt rastlose Bewohner und lindert erwiesenermaßen Ängste. Auch zur Einschlafförderung ist dieser blumig-aromatische Duft das Aroma der Wahl. Darüber hinaus belegt eine polnische Studie, dass Lavendelöl in der Raumluft sogar antibakteriell gegen gefährliche Krankenhauskeime wirken kann. Ein Duft hat eben mehr als nur eine Wirkung. Auch reagieren Menschen unterschiedlich: Bei einigen weckt Vanille schöne Kindheitserinnerungen, vermittelt Geborgenheit und Sicherheit. Andere verbinden diese Gefühle eher mit dem Duft von Rosen oder Melisse. Verschiedene »Duftgedächtnisse« anzusprechen, erfordert Sensibilität und Kompetenz der Pflegepersonen.
Für alle Sinne
Besonders intensiv wirken Düfte in der Verbindung mit sanfter Berührung, etwa bei Massagen. Erste Ergebnisse einer Studie des Uniklinikums Tübingen zeigen, dass Hand- und Unterarmeinreibungen mit Lavendelöl bei Demenzpatienten innere Unruhe lindert und ihnen ruhigere Nächte beschert. Außerdem verleihen ätherische Öle dem Raumklima eine besondere Note, wenn sie sich etwa in Diffusoren, Duftlampen oder auf Duftsteinen in der Luft verteilen. Einige Tropfen ausgewählter Öle werden für Kompressen, Wannen-, Sitz- und Fußbäder und zur Hautpflege, etwa in der Körperlotion, eingesetzt.
Hinweise für die Anwendung
Auch pflegende Angehörige können Aromen nutzen und (nebenbei) selbst von den wohltuenden Düften profitieren. Allerdings gibt es einige Regeln zu beachten: Verwenden Sie nur hochwertige, zu 100 Prozent reine ätherische Öle aus Ihrer Apotheke. Um Reizungen und allergische Reaktionen zu vermeiden, tragen Sie sie nie pur auf die Haut auf – Lavendelöl bildet hier eine Ausnahme.
Für ein Massageöl mischen Sie beispielsweise 20 Tropfen Lavendelöl mit 100 Milliliter Mandel- oder Jojobaöl. Im Badewasser entfalten ätherische Öle nur in Verbindung mit einem Emulgator, etwa einem Pflanzenöl, ihre Wirkung. Auf Nummer sicher gehen pflegende Angehörige daher mit fertigen Aromapflege-Produkten aus der Apotheke – hier stimmen die Qualität der Öle und deren Dosierung in Massageölen, Körperlotionen und Badeessenzen.
So wirken ätherische Öle
Stimmungsaufhellend: Bergamotte, Orange, Rose.
Aktivierend: Lemongrass, Minze, Rosmarin.
Schlaffördernd: Lavendel, Melisse, Neroli.
Antibakteriell: Eukalyptus, Oregano, Teebaum.
Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern - leserservice.sud-verlag.de