03/03/2021
Prof. Dr. Dr. Bodo Hoffmeister – ein sehr persönlicher Nachruf
Vergangene Woche verstarb Herr Professor Dr. Dr. Bodo Hoffmeister nach kurzer schwerer Krankheit in Berlin. Sein Tod mit nur 72 Jahren macht mich sehr betroffen und traurig.
Als ich Herrn Professor Hoffmeister 1994 kennenlernte, war ich ein 23-jähriger Student der Zahnmedizin. Mir steckten drei Phantomkurse in den Knochen und ich fragte mich, wie ich mich die nächsten 44 Jahre mit dem distobuccalen Höcker des oberen Sechsers und seinen Kontaktpunkten befassen sollte. Kurzum, ich befand mich in einer Sinnkrise, ob ich überhaupt das richtige Studienfach ergriffen hatte. Professor Hoffmeister hatte kürzlich aus Kiel den Ruf an das Klinikum Steglitz der Freien Universität erhalten und die Leitung der Abteilung für Mund-, Kiefer- und plastische Gesichtschirurgie übernommen. Mein allererster Kontakt zu diesem mir bislang fast gänzlich unbekannten Fachgebiet mit dem langen komplizierten Namen ergab sich durch die Vorlesungen beim damals gerade einmal 46 Jahre alten Professor. Es waren nicht einfache Vorlesungen, es waren Veranstaltungen mit Showcharakter, die man eben nicht im Fernsehen, sondern live erleben durfte. Mittendrin der charismatische Entertainer, der frisurentechnisch, mit seinem trockenen Humor und seinen Sprüchen sehr an Thomas Gottschalk erinnerte. Man merkte einfach, dass die Lehre ihm eine echte Herzensangelegenheit war und nicht lästige Pflicht wie bei manch anderem Hochschullehrer. Der Enthusiasmus und die Liebe zum Detail, die er in seinen Vorlesungen an den Tag legte, zog mich absolut in seinen Bann. Die Bilder und Fälle, die er präsentierte, machten das Fach unglaublich plastisch und interessant. Als er dann auch noch das Angebot machte, man könne als Student gerne bei den Nachtdiensten der Abteilung mitlaufen, war ich sofort dabei. Ein ereignisreicher Dienst mit dem unglaublich coolen Dr. Herzog, bei dem alles aufgeboten wurde von einem Besoffenen mit Platzwunden, der uns zum Dank für die Wundversorgung Schläge anbot über Visiten auf der Intensivstation mit Trachealkanülenwechsel bis hin zu meiner ersten eigenen Naht einer Kopfplatzwunde. Es war um mich geschehen, alles machte plötzlich wieder Sinn, die Zahnmedizin war nicht umsonst, sondern nur eine Station auf dem Weg zu meinem neuen Ziel: MKG-Chirurg zu werden. Dafür werde ich Herrn Professor Hoffmeister für immer dankbar sein.
Nach Abschluss des Zahnmedizinstudiums suchte ich natürlich sofort den Anschluss an den inneren Zirkel der MKG im Klinikum Steglitz und fand ihn als Famulant und Doktorand sowie später im PJ. Professor Hoffmeister war gleich zweimal mein Doktorvater, obgleich ich leider keines der beiden Themen abschließend und erfolgreich bearbeiten konnte. Darf ich ihn trotzdem Doktorvater nennen? Ich denke ja, aber eben mit Betonung auf Vater. Ein bisschen jünger als meine eigenen Eltern war Professor Hoffmeister für mich immer ein väterlicher Förderer, bei dem ich immer das Gefühl hatte, dass er mich mit Wohlwollen und Fürsorge durch meine mkg-chirurgische „Kindheit“ begleitete. Ich wurde Teil einer tollen Familie und eingeschworenen Gemeinschaft von Kollegen, die viel Spaß bei der Arbeit hatten und wo den ganzen Tag gelacht wurde. Danke, dass ich Teil der Steglitzer Familie sein durfte.
Dass Eltern auch loslassen können müssen, ist eine Binsenweisheit. So machte mir Professor Hoffmeister gleichzeitig ein Angebot für eine Assistentenstelle, gab mir aber auch einen wichtigen Rat: „ein Chirurg muss den Bohrer in die Hand nehmen, von Anfang an“. Und das sei andernorts wahrscheinlich intensiver möglich als in Berlin. Ich nahm nicht das Stellenangebot, sondern seinen väterlichen Rat an. Bis zum heutigen Tage habe ich ihn nicht bereut. Danke für alles, Herr Professor Hoffmeister, das hätte ich Ihnen gerne noch gesagt.